Finnen zum neunten Mal in Folge am glücklichsten

Stand: 19.03.2026 • 00:02 Uhr

Der „World Happiness Report“ misst jedes Jahr die Lebenszufriedenheit der Menschen rund um den Globus. Ganz oben steht auch in diesem Jahr Finnland – schon zum neunten Mal in Folge. Wie machen sie das?

Eiskaltes Wasser macht Salla Lamminpää glücklich. Die Finnin nimmt an der Winterschwimm-WM in Oulu teil. Beherzt steigt sie im blauen Badeanzug und in weißer Badekappe ins Wasser. 25 Meter schwimmen bei einer Wassertemperatur kurz vor dem Gefrierpunkt – für Salla ist das keine Überwindung mehr.

Zum Eisschwimmen kam sie einst aus gesundheitlichen Gründen, doch dann reizte sie auch der Wettbewerb. Egal, ob sie für ein Rennen oder nur zum Spaß ins Wasser steigt: Danach fühle sie sich immer hervorragend, sagt Salla. „Nach dem Eisbad fluten Hormone meinen Körper – Endorphin und Dopamin oder wie sie auch immer heißen. Mein Kopf ist dann immer ganz klar. Ich fühle mich leicht, gut gelaunt und glücklich.“

Methoden des Weltglücksbericht

Glücklich, das sind auch viele ihrer Landsleute. Finnland steht zum neunten Mal in Folge an der Spitze des „World Happiness Reports“. Der Glücksbericht wird vom Wellbeing Research Centre der Universität Oxford herausgegeben und misst in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut Gallup jedes Jahr die Lebenszufriedenheit der Menschen rund um den Globus.

Die Rangliste basiert auf dem Dreijahresdurchschnitt der Selbsteinschätzung der jeweiligen Bevölkerung. Finnland liegt auf der Skala von 0 bis 10 mit einem Wert von 7.764 Punkten stabil vorn, vor den nordischen Nachbarn Island und Dänemark.

Hier wohnen die glücklichsten Menschen
1. Finnland
2. Island
3. Dänemark
4. Costa Rica
5. Schweden
6. Norwegen
7. Niederlande
8. Israel
9. Luxemburg
10. Schweiz
(…)
17. Deutschland

Warum die Finnen glücklich sind

Viele Menschen in Finnland sind schon gewohnt, auf den wiederholten Spitzenplatz angesprochen zu werden. „Ich glaube, das ist eine Überraschung für alle Finnen“, sagt Salla. „Aber das liegt vielleicht einfach daran, dass wir eine sehr bescheidene Nation sind.“ Sie ist aber überzeugt, dass Eisbaden eine große Rolle für die Zufriedenheit der Menschen in ihrem Land spielt. Denn nicht umsonst stiegen Tausende auch im Winter regelmäßig ins Wasser – und gingen danach in die Sauna.

Was wie ein Klischee klingt, ist tatsächlich Teil des finnischen Glücks, bestätigt auch der kanadische Wirtschaftswissenschaftler John Helliwell. Er arbeitet am „World Happiness Report“ mit. „Gemeinsam Dinge zu tun, macht Menschen glücklich“, erklärt Helliwell. „Sauna und Eisschwimmen sind gute Beispiele. Sie sind körperlich anstrengend – und das schweißt vielleicht extra stark zusammen.“

Funktionierender Sozialstaat

Noch wichtiger seien aber Faktoren wie gegenseitige Unterstützung und ein funktionierender Sozialstaat, so der Wirtschaftswissenschaftler – ebenso wie Vertrauen in all seinen Formen. „Letzteres ist enorm wichtig für das Wohlbefinden“, unterstreicht Helliwell. „Vertrauen in öffentliche Institutionen und zu Nachbarn hat gleichermaßen große Bedeutung.“

Beides ist in Finnland laut dem Bericht stark ausgeprägt. Wie auch in den anderen nordischen Ländern gebe es ein Gefühl, dass sich die Menschen umeinander kümmern, ergänzt Helliwell. „Auf individueller Ebene zeigt sich das darin, dass man eine verlorene Brieftasche zurückgibt, im gesellschaftlichen Bereich durch sehr effektive Bildungs- und Gesundheitssysteme.“ Die Menschen hätten also gleichermaßen gute Chancen, sich ein gutes Leben aufzubauen. „Und das sorgt für ein höheres durchschnittliches Glücksempfinden.“

Gemeinsam Probleme lösen

Gemeinschaftsgefühl und gemeinsames Winterschwimmen helfen sogar im Umgang mit den vielen schlechten Nachrichten auf der Welt, findet Salla. „Für mich ist es eine gute Möglichkeit, mit den aktuellen Krisen klarzukommen“, sagt die Finnin. „Beim Eisbaden sortiert sich der Kopf neu, man hat gar keine Zeit, nachzudenken. Man konzentriert sich ganz auf sich.“

Es gebe in Finnland eine vergleichsweise große Resilienz, bestätigt auch John Helliwell vom „World Happiness Report“. Die Finnen seien außerdem gut darin, Dinge anzugehen, die nicht so gut laufen. Zum Beispiel bei der Bildungspolitik: „Als es dort Schwierigkeiten gab, haben sie das Thema zur Priorität gemacht“, erläutert der Wissenschaftler. „Als klar wurde, dass die Lernatmosphäre für Kinder wichtiger ist als Noten, haben sie den Fokus auf das soziale Umfeld im Klassenzimmer gelegt. Wenn man zusammen daran arbeitet, eine Situation zu verbessern, dann trägt auch das dazu bei, Menschen glücklich zu machen.“

Deutschland ist glücklicher geworden

Deutschland ist im Ranking des „World Happiness Reports“ deutlich nach oben geklettert – vor einem Jahr lag es auf Platz 22, jetzt auf Platz 17. „Für ein großes europäisches Land ist das aber ziemlich hoch“, unterstreicht Helliwell. Deutschland liege noch vor Großbritannien, Frankreich und Italien. Vor allem aber habe sich die Zufriedenheit in Ost- und Westdeutschland inzwischen angeglichen. „Vor zehn bis zwölf Jahren waren die Menschen in der früheren DDR noch etwa einen halben Punkt weniger glücklich als die Menschen im Westen“, erinnert der Kanadier. „Heute sind die Menschen dort genauso glücklich wie die im Westen. Diese Annäherung ist also abgeschlossen.“

Source: tagesschau.de