Der eng mit der C&A -Familie Brenninkmeijer verbundene Finanzinvestor Bregal Unternehmerkapital (BU) tritt in den niederländischen Markt ein. Er eröffnet ein Büro in Amsterdam, wie der Ko-Gründer und geschäftsführende Partner Florian Schick im F.A.Z.-Gespräch sagte. Der Mittelstandsinvestor erwirbt bisher schwerpunktmäßig Beteiligungen im deutschsprachigen Raum und in Norditalien. Nun will er das Geschäft im Nachbarland ausbauen, das Deutschlands wichtigster Handelspartner in Europa ist.
Vergangenen Herbst hatte BU schon eine Übernahme in den Niederlanden angekündigt: Snelstart , einen Anbieter von Finanzsoftware für Buchhaltungsbüros, kleine Unternehmen und Selbständige. Daneben haben Bestandsunternehmen im Portefeuille schon ein knappes Dutzend Mal in der fünftgrößten Volkswirtschaft der EU zugekauft. Solche „Add-on“-Akquisitionen, wie sie in der Branche heißen, sind nach Schicks Worten auch erst einmal das Hauptziel für das Amsterdamer Büro, das den Benelux-Raum betreuen wird. Drei bis vier im Jahr werde man da in jedem Fall schaffen. In Neuzukäufen fürs Portefeuille ist die Gesellschaft etwas bescheidener: „Wenn wir jedes Jahr ein, zwei Transaktionen machen, wären wir zufrieden“, sagte Schick. Benelux-Chef wird Willem van der Veer, der dafür vom Private-Equity-Konkurrenten Avedon Capital kommt. BU verweist auf die vielen international ausgerichteten mittelgroßen Unternehmen in der Region und die hoch qualifizierten Mitarbeiter.
Als Vorteil gegenüber den Wettbewerbern sieht BU zum einen die Erfahrung im Segment der mittelgroßen Zukäufe, zum anderen den guten Namen der niederländisch-deutschen Familie Brenninkmeijer. Man erhoffe sich „Schub durch die Nähe zur Familie“, sagte Schick.
„Schub durch die Nähe zur Familie“
Denn BU ist ein indirektes Vehikel der Familie, die vor allem für ihre Textilkette C&A bekannt ist. Der Mittelstandsinvestor gehört zum Beteiligungsgeschäft („Bregal Investments“) der Holding Cofra , in welcher die Familie Brenninkmeijer seit 2001 ihre Geschäfte organisiert. Cofra rief BU im Jahr 2015 zusammen mit Schick und einem Ko-Gründungspartner ins Leben. Die Partner vereinigen zusammengenommen inzwischen die Mehrheit auf sich, Cofra hält einen „signifikanten Minderheitsanteil“, wie es heißt. Ebenso sind die Brenninkmeijers Ankerinvestor in den Fonds, aus denen BU seine Übernahmen speist. So war sie der bedeutendste Geldgeber, als das Private-Equity-Haus 2024 seinen Fonds IV schloss – mit 2,65 Milliarden Euro bis dato der größte Fonds in Deutschland. BU sitzt als AG in der Schweiz, wird aber vom deutschen Private-Equity-Verband BVK wegen des Schwerpunkts auf Deutschland als hiesige Gesellschaft gezählt. Sitz der deutschen GmbH ist München, ein weiteres Büro ist in Mailand errichtet. Auch andere Investoren, einschließlich Familien, stellen Geld für BU-Fonds bereit. Die Struktur ist vergleichbar mit jener des skandinavischen Private-Equity-Hauses EQT und der Familie Wallenberg.
Für den Investmentarm Bregal Investments, der im Organisationsgeflecht über BU hängt, ist gerade ein Mitglied der Familie zum neuen Chef bestimmt worden: der bisherige Strategiechef Jens Brenninkmeyer, aus der sechsten Generation der Familie. Er ist Deutscher und lebt in New York. Die Schreibweisen – ij versus y – unterscheiden sich innerhalb der Familie. Nach einjähriger Vakanz des Postens folgt er auf Alain Carrier, der jetzt das Private-Equity-Geschäft des arabischen Staatsfonds Abu Dhabi Investment Council leitet.