Bald sechs Jahre ist der Wirecard-Zusammenbruch nun her, doch noch immer strapaziert seine Aufklärung die Gerichte. Mit Aufarbeitung allein ist der Kampf gegen Bilanzbetrüger nicht zu gewinnen. Darüber hinaus geht es um Prävention, Kontrolle und Vorbeugung für den Fall, dass trotz aller Sicherheitsmaßnahmen ein neuer Skandal das Land erschüttert. Das scheint nach dem Schock über den wohl größten Finanzskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte im Jahr 2020 wieder in Vergessenheit geraten zu sein.
Eilig wurden damals Gesetze verschärft, Behördenleiter ausgewechselt und Ressourcen für die Aufsicht mobilisiert. Jetzt, wo die ganze Republik wegen der Wirtschaftskrise sparen muss, wird das Rad wieder etwas zurückgedreht. Auch die Abschlussprüferaufsichtsstelle, kurz APAS, soll Stellen verlieren.
Zurück auf Los
Ironischerweise entspricht die Streichung so vielen Arbeitsplätzen, wie APAS als Reaktion auf den Wirecard-Skandal zusätzlich erhalten hatte. Die APAS wacht darüber, dass Wirtschaftsprüfer die Bilanzen öffentlich bedeutsamer Unternehmen unabhängig und kritisch prüfen. Sparer und Anleger vertrauen schließlich auf die Zahlen in den Geschäftsberichten börsennotierter Firmen.
Die Kontrolle der Kontrolleure ist keine typisch deutsche Übervorsicht im Sinne von Gürtel plus Hosenträger. Inspektionen von Wirtschaftsprüfern finden in vielen Ländern statt. Als eines der internationalen Vorbilder auf diesem Feld gilt die PCAOB in Amerika, wobei allerdings offen ist, wie sie sich unter US-Präsident Trump weiter entwickelt.
Schauen wir auf Deutschland, sind offenbar nicht alle Bundesbehörden gleich, wenn es ans Sparen geht. Denn der Sparkurs gilt nicht für Ämter, die mit Verteidigung, Zivilschutz, Geheimdiensten oder dem Schutz kritischer Infrastruktur zu tun haben. Das alles sind sinnvolle Aufgaben, wie die wachsenden Bedrohungen der Sicherheit von innen und außen zeigen.
Aber auch die Finanzaufsicht und die Aufsicht über die Bilanzprüfer ist eine für die wirtschaftliche und finanzielle Stabilität wichtige Aufgabe. Es wäre verheerend, wenn der mit qualitätsvollen Börsengängen nicht gerade überreichlich gesegnete Finanzplatz Deutschland wegen der schleppenden Aufarbeitung alter Skandale und der halbherzigen Vorkehrungen gegen neue Bilanzbetrugsfälle zu einem El Dorado für Abzocker werden sollte.