Film „Das Millionenschnitzel“: Haut Euch welches in die Pfanne!

Es ist vermaledeit mit dem Geld. Dranzukommen ist nicht schwer in einem reichen Land, da reicht ein wenig Grips, Glück, Schamlosigkeit oder Charisma. Mal findet sich ein kleines Vermögen im Schrank des dementen Nachbarn, mal ergaunert man sich die Antworten für ein Fernsehquiz, mal nimmt man den Exliebhaber der Ehefrau aus. Schwieriger wird es beim Umgang mit dem flüchtigen Mammon. Deutschlands herzigste Arbeitslose, der stolze, ehrliche Prolet Günther Kuballa (Armin Rohde), ehemals Dortmunder Tierpfleger, und sein von Manieren und Edelmut bis zur Selbstverleugnung gezeichneter Herrenausstatter-Freund Wolfgang Krettek (Ludger Pistor), sollten das nach fünf „Schnitzel“-Filmen und einer „Schnitzel“-Serie gelernt haben.

Vom Ende des wirtschaftlichen Zwischenhochs dank eigener Brutzelbude wissen wir bereits seit dem letzten Film. Jetzt mampft Kuballa Thüringer für 6,20 Euro an Ronjas Wurstbude, sein Kumpel kommentiert: „So eine teure Wurst.“ Ihr unternehmerisches Selbstvertrauen aber haben alle Fehlschläge nicht geschmälert. Manche Gen-Z-Uniabsolventen könnten sich davon etwas absäbeln. Die neueste Idee also lautet „K.u.K Fertigpanade“. Das „K.u.K“ steht für Krettek und Kuballa. Vielleicht ist es auch eine kleine Verbeugung vor Heinz Strunk, dessen Serie „Last Exit Schinkenstraße“ von einem ähnlichen Stehaufmännchen handelt. Strunks Held startet schließlich als Ballermann-Barde Pierre Panade durch – mit Hits wie „Du sollst nicht lecken, bevor es tropft“.

Handlungstechnisch ist das deftiger Tinnef

Also ran an die Pfanne. Unsere Glücksritter stört nicht, dass sie bereits im Alter der Aktivrente sind, Reichwerden geht immer. Und für die eingedoste Pulvervariante von Kretteks krossem Schnitzelmantel sollten sich doch in der Gründer-Fernsehshow „Die Arena“ des schmierigen, von Kretteks Ehefrau Karin (Therese Hämer) angehimmelten „Machers“ Konnowski (Stephan Luca) – „dat hässliche Gesicht des Kapitalismus“ nennt ihn Kuballa – 100.000 Euro Startkapital lockermachen lassen, auch wenn es mit dem Gebrauchsmusterschutz noch ein wenig hapert. Kuballa scheitert zwar an Chemie und KI („Muss man jetzt Abitur haben, um zu kochen, oder wat?“), will aber dennoch „groß denken“, Weltvertrieb. Man soll nicht kleckern, bevor man klotzt. Das ist der Spirit, würde Bundeswirtschaftseinpeitscherin Katherina Reiche dazu wohl sagen.

Da aber kommt den frischgebackenen Unternehmern das Ergebnis einer Samenspende Kretteks in die Quere. Das „Samenkind“ heißt Ta (Purnima Grätz), will natürlich Geld für ihr Schweigen gegenüber Karin, die irgendwie nichts erfahren darf („das ist doch total unromantisch“), wächst den beiden Durchbeißern aber schnell ans Herz. Das ist handlungstechnisch zwar wieder deftiger Tinnef, ein außerhalb von Deutschland kaum verkäuflicher Sozialkomödienquatsch und nicht einmal in sich ironisch gebrochen wie bei Strunk – und doch zeichnet der Film von Wolfgang Murnberger nach einem Buch von Gabriele Graf und Katja Kittendorf seine Underdog-Charaktere erneut so liebevoll, würdig und kitschfrei, dass einen die Aura dieser emphatischen Feier von Freundschaft, Liebe und positivem Denken mühelos gefangen nimmt. Das liegt natürlich zu guten Teilen an den herausragenden Darstellern, die mit ihren Figuren inzwischen verwachsen zu sein scheinen, aber auch an Dialogen, die naheliegende Pointen unterlaufen und oft wahrer wirken, als in diesem Setting zu erwarten wäre.

Nach außen hin gibt sich Kuballa als Tas Erzeuger aus. Die junge Schulschwänzerin hat plötzlich also zwei Väter, die mit ihren Erziehungsmethoden konkurrieren. Krettek unterstützt durch Zuspruch: „Das fehlende Talent für Naturwissenschaften, das hast du von mir.“ Der Single Kuballa ist der konfrontative Pädagoge, kritisiert Tas katastrophale Rechtschreibung. „Das ist meine Privatsphäre.“ „Wie schreibt man denn Sphäre?“ „Weißt du doch selber nicht.“ „Ja genau, aber willst du so blöd werden wie ich?“ Dass beide Väter von Tas Schulwissen profitieren möchten – denn zufällig wird gerade sehr lebensnah das Haltbarmachen von Lebensmitteln durchgenommen –, wirkt nicht verwerflich, sondern wie eine im Komödienfach selten zu findende ernst gemeinte Hochschätzung der Bildung: „Ein Hoch auf das deutsche Schulsystem!“

Natürlich purzelt schließlich alles durcheinander, Sieg oder Niederlage, das ist gar nicht so leicht zu entscheiden. Auch filmisch gilt das hier. Subversive Ruhrgebietselogen, schön und gut. Allmählich aber ist man schnitzelsatt, und die Botschaft, dass Teamgeist wichtiger ist als jeder Deal, wirkt so schlicht, als sei sie selbst mit dem Fleischklopfer plattgehauen worden. Und doch ist da dieses perfekte Zusammenspiel von Rohde und Pistor und dieser alles durchwirkende Jetzt-erst-recht-Optimismus: Viel mehr braucht es gar nicht, um sich frohgemut ins Wochenende tragen zu lassen.

Das Millionenschnitzel, läuft am heutigen Freitag um 20.15 Uhr im Ersten.

Source: faz.net