Fehler im ÖRR: Das Erste zeigt falsche Merkel-Bilder, Zweites Deutsches Fernsehen erlebt „Relotius-Moment“

Das ZDF hat den KI-Fake im „heute journal“ noch nicht verarbeitet, da prescht die ARD mit einem fehlerhaften Nachrichtenbeitrag hervor. Im „Bericht aus Berlin“ war bei einem Film über den CDU-Parteitag in Stuttgart die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel zu sehen, wie sie – scheinbar – ihrem Amtsnachfolger Friedrich Merz nach dessen Wahl zum Parteivorsitzenden applaudiert. Das Dumme ist nur: Merkel war zum Zeitpunkt der Wahl, die sich wegen technischer Probleme in die Länge gezogen hatte, gar nicht mehr im Saal.

„Haben viele nach Stuttgart geguckt“

Für diejenigen, die sich den „Bericht aus Berlin“ in der ARD-Mediathek ansehen, ist der „Schnittfehler“ nicht mehr zu erkennen. Die Applaus-Sequenz wurde nach der Ausstrahlung der Sendung entfernt. „In der ursprünglichen Fassung“, heißt es in einem Begleittext des „Berichts aus Berlin“ nun, „war in einem Beitrag über den CDU-Parteitag zu sehen, wie Angela Merkel nach der Wiederwahl von Friedrich Merz zum CDU-Chef Beifall spendet. Dieses Bild ist jedoch früher, nach der Rede von Friedrich Merz, entstanden. Die Redaktion hat das Bild aus dem Beitrag entfernt und eine neue Fassung online gestellt. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.“

Wie bei dem KI-Fake-Film im ZDF über die US-Einwanderungspolizei ICE, den die Moderatorin Dunja Hayali unter anderem mit den Worten angekündigt hatte, von den Einsätzen der ICE-„Truppen“ gebe es im Internet viele Bilder, nicht alle seien echt, viele aber schon, hatte die Fehlerhaftigkeit der ARD etwas im Nachhinein Groteskes. „An diesem Wochenende haben viele nach Stuttgart geguckt, auf den Parteitag der CDU“, sagte die Moderatorin Anna Engelke. Der folgende Beitrag von Kerstin Palzer begann – untermalt von dramatischer Musik –, mit dem Satz: „Das war er, der ganz besondere Moment beim Parteitag. Friedrich Merz wird mit gut 91 Prozent zum Parteichef gewählt. Die CDU hat beschlossen, egal, was vorher war, jetzt zeigen wir Geschlossenheit. Die CDU reißt sich zusammen.“

Zusammengesetzt, was nicht zusammen gehört

Zu sehen war zu diesen Worten eine klatschende Angela Merkel, rechts und links neben ihr Annegret Kramp-Karrenbauer und Armin Laschet, ebenfalls applaudierend. Die Aufnahme stammte zwar vom CDU-Parteitag, war aber  zu einem anderen Zeitpunkt aufgenommen worden. Beim Zusammenschnitt des Beitrags hatte sie jemand an die Stelle gesetzt, an der im Text von dem Wahlergebnis für Merz die Rede war.

Aufgefallen war das, wie beim ÖRR üblich, Beobachtern, dem „ÖRR Blog“, der „Welt“ und der „Süddeutschen“ zum Beispiel. Die ARD will den „Fehler“ aber bemerkt und korrigiert haben, bevor die Kritiker auf den Plan traten. Das Bild der applaudierenden Merkel sei „echt“ gewesen, sagte eine ARD-Sprecherin der „Süddeutschen Zeitung“, habe jedoch den falschen Eindruck vermittelt, die Altkanzlerin habe das Ergebnis der Wahl von Friedrich Merz beklatscht. Bei der ARD hatte also jemand die Bilder so eingepasst, wie sie – scheinbar – ins Bild passten. Der Realität entsprach das nicht.

Das ZDF ist derweil noch vollends damit beschäftigt, den Vorfall mit dem fehlerhaften Bericht des „heute journals“ vom vorvergangenen Wochenende zu verarbeiten. Der Beitrag hatte eine mit KI generierte Sequenz enthalten und eine Aufnahme, die mit dem ICE-Kontext nichts zu tun hatte. Auf Anfrage hatte der Sender zunächst von einem technischen Fehler gesprochen, sich dann entschuldigt. Im dritten Schritt wurde die Korrespondentin Nicola Albrecht, die den Beitrag verfasst hatte, von ihrem Posten in New York abberufen.

Wie genau der Beitrag zustande gekommen und auf den Bildschirm gewandert war, wurde auch bei einer außerordentlichen Mitarbeiterversammlung im ZDF am Montagnachmittag nicht deutlich. Mehr als tausend ZDF-Leute waren online zugeschaltet, um zu hören, was die Chefredakteurin Bettina Schausten zu der Angelegenheit zu sagen hatte.

Online-Konferenz mit mehr als 1000 ZDF-Mitarbeitern

Es gab Kritik an der Korrespondentin und an der Redaktion, doch auch Solidaritätsadressen für die abberufene, aber nicht gekündigte Korrespondentin. Man werde sie aber nicht fallen lassen, habe Schausten gesagt. Gleichwohl habe sie Albrechts Uneinsichtigkeit betont, heißt es in einer Zusammenfassung der außergewöhnlichen Betriebsversammlung, die der frühere „Tagesschau“-Redakteur Alexander Teske auf der Plattform X gepostet hat. Arbeitsrechtliche Schritte gegen die Beteiligten seien  eingeleitet. Nicht zu Wort gemeldet habe sich bei der Zusammenkunft die Moderatorin Dunja Hayali. Eine Redaktionsleiterin habe die Situation des ZDF mit den Worten geschildert. „Wir haben einen Relotius-Moment“.

Diesen, kann man den Eindruck haben, erlebt zurzeit der gesamte öffentlich-rechtliche Rundfunk.

Source: faz.net