Fast jeder zweite Bürgergeld-Empfänger sagt, Jobcenter-Termin „bringt nichts“

Langzeitarbeitlose loben bei einer Befragung der Bertelsmann Stiftung die Arbeit der „kompetenten“ Mitarbeiter. Doch auf dem Arbeitsmarkt sehen sie keine besseren Chancen für sich.

Fast jedem zweiten Langzeitarbeitslosen bringt ein Gang zum Jobcenter nichts. Das ist das Ergebnis einer Befragung von Arbeitslosen im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.

Zwar geben laut der in Gütersloh vorgestellten Studie viele der Langzeitarbeitslosen den für sie zuständigen Mitarbeitern gute Noten: Mehr als zwei Drittel der Befragten sind mit der Arbeit ihres Jobcenters zufrieden, 72 Prozent finden die Mitarbeiter „kompetent“. Doch am Ende sagen 47 Prozent, dass ihnen Termine im Jobcenter „nichts bringen“ und die Chancen auf dem Arbeitsmarkt nicht verbessert wurden.

„Beratung und Vermittlung sind Kernaufgabe der Jobcenter. Vermittlungshemmnisse müssen abgebaut werden. Doch gerade bei Personen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt kommen diese Aufgaben häufig zu kurz“, sagte Tobias Ortmann, Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann Stiftung.

Laut der Studie haben 46 Prozent der Bürgergeld-Empfänger mehrere sogenannte Vermittlungshemmnisse, wie etwa Krankheiten oder fehlende Qualifikationen. Die Studienautoren fordern deshalb, das bisherige Konzept zu ändern. Hier spricht sich die Bertelsmann Stiftung für mehr Coaching, Qualifikation und konkrete Stellenangebote aus. Das führe zu einem deutlich positiveren Urteil bei der Bewertung der Jobcenter.

82 Prozent der Befragten lobten das Bürgergeld

Allerdings sei die Zufriedenheit allein kein Gradmesser. Bei den Langzeitarbeitslosen ohne Vermittlungshemmnisse müsse stärker eine eigenständige Jobaufnahme gefordert werden. Zwar leide darunter die Zufriedenheit bei der Betreuung. Dennoch müsse, so die Autoren, die Vermittlung in Arbeit bei dieser Gruppe intensiviert werden. Die dann frei werdenden Kapazitäten der Jobcenter-Mitarbeiter könnten dann in die Betreuung der Arbeitslosen mit Vermittlungshemmnissen gesteckt werden, argumentieren die Autoren.

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Zum Bürgergeld waren 82 Prozent der befragten Langzeitarbeitslosen der Meinung, der Staat müsse Menschen „in schwierigen Lebenslagen finanziell unterstützen“. Zugleich stimmt eine Mehrheit (55 Prozent) zu, dass von Bürgergeld-Empfängern dafür eine Gegenleistung erwartet werden könne. Erhoben wurden zudem auch mögliche Kritikpunkte an den Jobcentern.

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Demnach erklärten den Angaben zufolge 39 Prozent der Befragten, dass die Berater oft schlecht erreichbar sind. Rund 44 Prozent der Leistungsbezieher monierten, ihnen würden im Jobcenter nur Forderungen gestellt, statt dass ihnen wirklich geholfen werde. Umgekehrt berichteten etwa 60 Prozent der Befragten, das Jobcenter unterstütze sie genau da, wo sie Hilfe bräuchten.

Befragt wurden vom 15. April bis 18. Juni 2025 über 1000 Arbeitslose im Alter zwischen 25 und 50 Jahren, die seit mindestens einem Jahr Bürgergeld beziehen. Ergänzend dazu wurden mit 20 Befragten tiefergehende Einzelinterviews geführt.

Anfang März hat der Bundestag beschlossen, dass ab dem 1. Juli aus dem Bürgergeld für rund 5,5 Millionen Bezieher eine neue Grundsicherung mit strengeren Regeln wird. Wer nicht mitwirkt, soll empfindliche Kürzungen bei den Sozialleistungen hinnehmen müssen.

dpa/epd/krott

Source: welt.de

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