Bernhard Osburg ist einer der jüngsten Neuzugänge im Vorstand der Deutschen Bahn. Seit dem 15. November verantwortet er den Güterverkehr der DB. Dass der langjährige Stahlmanager noch keine 100 Tage im Amt ist, hindert ihn nicht, jetzt ein einschneidendes Sanierungskonzept für die Not leidende Sparte DB Cargo vorzulegen. Die am Donnerstag präsentierte Planung sieht vor, die Tochtergesellschaft des Staatskonzerns drastisch zu schrumpfen: Von 14.000 Stellen sollen rund 6000 wegfallen. Dazu kommen umfassende Umstrukturierungen des Unternehmens.
Ein Blitz aus heiterem Himmel? Ganz und gar nicht. Vielmehr eine Vollbremsung mit Ansage. DB Cargo gehört seit vielen Jahren zu den größten Sorgenkindern des Staatskonzerns. Der Frachttransporteur schreibt regelmäßig Verluste. Er leidet unter der Konjunktur, politischen Vorgaben, unter strukturellen und organisatorischen Problemen. Im Modus der Dauerkrise kamen und gingen mehr als 40 Vorstände in 25 Jahren.
DB Cargo muss bald schwarze Zahlen schreiben
Dazu gesellt sich akut die Tatsache, dass das Unternehmen nach dem Willen der EU-Kommission bis Ende des Jahres schwarze Zahlen schreiben muss. Von dann an ist ein Verlustausgleich durch den Bahnkonzern nicht mehr erlaubt. Die EU hat milliardenschwere frühere Beihilfen nur unter der Bedingung von Reformen und Profitabilität gebilligt.
Dementsprechend sah sich schon Osburgs Vorgängerin Sigrid Nikutta gezwungen, ein Reformkonzept vorzulegen. Das jedoch reichte letztlich nicht aus, in einem Gutachten wurde es als unzureichend verworfen. Im Rahmen eines großen Umbaus des Konzernvorstandes musste auch sie gehen – und die Vorgabe für den Neuen war klar: Schnellstens Ergebnisse liefern, denn die Uhr tickt, die von der EU vorgegebene Schonfrist läuft ab.
Einzelwagenverkehr ist eine teure Angelegenheit
Osburg hat nun einen mittelfristig ausgelegten Sanierungsplan vorgelegt, basierend auf vier Säulen. Eine Sanierung ohne den jetzt vorgesehenen starken Arbeitsplatzabbau hält er für nicht möglich, wie er klarstellte. Denn um zu überleben, brauche es eine branchenübliche Profitabilität – die liegt Fachleuten zufolge in einer Größenordnung von zwei bis vier Prozent –, wovon DB Cargo weit entfernt sei. Dementsprechend steht eines ganz oben auf Osburgs Agenda: Kosten senken. Rund eine Milliarde Euro will der einstige Thyssenkrupp-Manager bis 2030 einsparen, unter anderem durch den Wegfall von 4000 Arbeitsplätzen, eine schlankere Verwaltung und Produktivitätssteigerungen im Fuhrpark. Weitere 2000 Stellen werden im Einzelwagenverkehr gestrichen, in dem viele kleine Sendungen bearbeitet werden müssen. Eine logistisch komplizierte Arbeit, die als unprofitabel gilt.
Komplett aufgegeben werden soll der Einzelwagenverkehr, in dem die DB-Tochtergesellschaft mit 86 Prozent Marktanteil stark vertreten ist, aber nicht. Vielmehr setzt man auf eine grundlegend neue organisatorische Aufstellung. Die sogenannte Zugbildung, also vor allem das Zusammenstellen der Güterwaggons, soll künftig auf vier Hauptstandorte konzentriert werden: Köln-Gremberg, Seelze, Mannheim und Nürnberg. Fünf weitere Rangieranlagen sollen als Standorte mit flexiblerer Auslastung betrieben werden. Von derzeit 27 Instandhaltungswerken will Osburg zwölf schließen oder verkaufen. Und trotzdem: Der Einzelwagenverkehr bleibe defizitär und auf Bundesförderung angewiesen, betont der Güterverkehrsmanager. Auf die schlechte Konjunkturlage und eine sinkende Nachfrage von Auto-, Chemie- und Stahlkunden reagiert DB Cargo mit einem stärkeren Fokus auf das europäische Ausland.
Die Gewerkschaft droht mit harten Verhandlungen
Die Eisenbahngewerkschaft kommentierte die Planungen zwiegespalten. Zwar müsse das Unternehmen effizienter werden, aber man werde „um jeden Arbeitsplatz kämpfen“. „Ich verspreche dem Arbeitgeber, dass das sehr harte Verhandlungen werden“, sagte die stellvertretende Vorsitzende Cosima Ingenschay. Angesichts der generell hohen Fluktuation im Schienengüterunternehmen der Deutschen Bahn könnte sich der geplante Stellenabbau allerdings sozialverträglich gestalten, ist in Branchenkreisen zu hören. 1000 Mitarbeiter jährlich verlassen durchschnittlich DB Cargo; im vergangenen Jahr sollen es sogar 1500 gewesen sein.
Insgesamt bewegt das Unternehmen in ganz Europa rund 80.000 Güterwagen. Im Jahr 2024 belief sich die transportierte Gütermenge auf 180 Millionen Tonnen. Die privaten Wettbewerber dominieren jedoch längst das Frachtgeschäft auf der Schiene – DB Cargo erreicht nur noch einen Marktanteil von rund 40 Prozent.