Fast 1000 Migranten spurlos aus Asyleinrichtungen verschwunden

Ein Insider enthüllte womöglich per Mail einen Skandal in Rheinland-Pfalz: Hunderte Migranten sind binnen anderthalb Jahren aus regionalen Aufnahmeeinrichtungen verschwunden – und keiner weiß wohin. Was hinter den Zahlen steckt und welche Konsequenzen das hat.

Binnen anderthalb Jahren sind aus rheinland-pfälzischen Aufnahmeeinrichtungen Asylbewerber in dreistelliger Höhe verschwunden, ohne dass ihr Verbleib bekannt ist.

Nach Angaben des Integrationsministeriums in Mainz summiert sich die Zahl der Menschen, bei denen zwischen dem 1. Juli 2024 und Ende vergangenen Jahres der Aufenthaltsort nicht bekannt war, auf insgesamt 923. Nun werden Abläufe in den Einrichtungen überprüft, auch ein Austausch mit anderen Bundesländern zu dem Thema ist geplant.

Die Zahl zu diesen im Behördenjargon als „abgängig“ bezeichneten Personen legte das Land im Nachgang über eine in den vergangenen Tagen gestartete Debatte vor. Grund für diese waren öffentlich gewordene Angaben zu Geflüchteten, die aus der Einrichtung in Bitburg verschwunden sind. Das Thema wird inzwischen auch im Integrationsausschuss des Landtages in Mainz diskutiert.

Abgängige Personen erhalten keine Leistungen mehr

Dort erklärte der Präsident der für die Aufnahmeeinrichtungen für Asylbegehrende (AfA) zuständigen Behörde ADD, Thomas Linnertz, alle 923 abgängigen Menschen bekämen keine staatlichen Leistungen mehr. Integrationsstaatssekretär Janosch Littig (Grüne) kündigte an, dass nach möglichen Optimierungen beim Vorgehen in AfAs geschaut werde. Er gehe davon aus, dass das Thema auch andere Bundesländer betreffe. Daher solle auch betrachtet werden, was dort getan werde.

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Bewohner gelten als abgängig, wenn sie seit mehr als drei Tagen nicht mehr in der Einrichtung waren. Das Ministerium wählte für die Zahlen den Zeitraum von Anfang Juli 2024 bis Ende Dezember 2025, weil Migranten in Aufnahmeeinrichtungen des Landes maximal 18 Monate untergebracht werden, bevor sie auf die Kommunen verteilt werden.

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Von den 923 sogenannten Abgängigen sind laut Ministerium 94 aus der Einrichtung in Bitburg, 173 aus Hermeskeil, 81 aus der am Flughafen Hahn, 150 aus Kusel, 180 aus Speyer und 245 aus Trier. Insgesamt nahm Rheinland-Pfalz in dem Zeitraum 10.120 Personen auf – das entspricht also einer Quote an verschwundenen Menschen von rund 9,1 Prozent.

Einige der Untergetauchten waren bereits polizeibekannt

Diese Zahlen werden normalerweise nicht offengelegt. In der vergangenen Woche wurden die Zahlen aus der Aufnahmeeinrichtung in Bitburg öffentlich gemacht, in denen von 31 Abgängigen seit August 2025 die Rede war. Ein Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma hatte eine von mehreren Mails mit der Information an die ADD und alle Landtagsabgeordneten verschickt. Die ADD erstattete Strafanzeige gegen den Mann, er ist freigestellt.

Das Integrationsministerium betont, Bewohner einer Landes-Aufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge könnten nicht eingesperrt werden. Aufnahmeeinrichtungen seien keine Gefängnisse, wiederholte Staatssekretär Littig im Ausschuss. Ihm zufolge hat das Innenministerium inzwischen geprüft, wie viele der seit August aus der AfA in Bitburg verschwundenen Personen vorher polizeibekannt gewesen seien.

Es seien sieben, die etwa wegen Delikten wie Körperverletzung, Diebstahl oder Delikten mit Betäubungsmitteln strafrechtlich in Erscheinung getreten seien. Auf wie viele der insgesamt 923 abgängigen Personen so etwas zutrifft, war zunächst nicht bekannt.

dpa/krott

Source: welt.de

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