Fall Epstein: Britisches Parlament will Dokumente zu Andrew herausgeben

Stand: 24.02.2026 • 19:32 Uhr

Polizeilich wird gegen den früheren Prinzen Andrew und den britischen Ex-Minister Mandelson im Fall Epstein bereits ermittelt. Nun nimmt auch die politische Aufarbeitung Fahrt auf – und aus dem Parlament kommt ungewöhnlich scharfe Kritik.

Die juristische Aufarbeitung rund um die Epstein-Akten ist im Vereinigten Königreich in vollem Gange. Die Polizei ermittelt gegen den Bruder des Königs, Andrew Mountbatten-Windsor, und gegen den Labour-Politiker Peter Mandelson. Doch in der politischen Aufarbeitung steht das Vereinigte Königreich erst am Anfang.

Im Unterhaus diskutierten heute die Abgeordneten zu dem Thema. Ed Davey, der Vorsitzende der Liberaldemokraten, meint, Andrew Mountbatten-Windsor habe dem Land und der königlichen Familie eine Schande bereitet. Und viel zu lange seien die Abgeordneten nicht in der Lage gewesen, seine Rolle als Handelsgesandter zu hinterfragen.

Abgeordnete in Kritik an Königshaus beschränkt

Der Grund dafür ist eine Tradition, die die Abgeordneten in ihrer Kritik an Mitgliedern der königlichen Familie beschränkt. Doch heute war dies anders. Andrew Mountbatten-Windsor hat ja alle Titel verloren.

Und so wurden klare Worte gesprochen im Parlament, was gedeutet werden kann als ein Wunsch der Öffentlichkeit aber eben auch der Abgeordneten, auch Mitglieder der Königsfamilie zur Rechenschaft zu ziehen. Das mag wie eine Kleinigkeit wirken, ist aber einer von vielen Schritten der britischen Monarchie in eine sich ändernde Welt.

„Ein grober, arroganter und privilegierter Mann“

Der Labour-Politiker und Staatssekretär Chris Bryant schilderte in der Debatte, wie zahlreiche Abgeordnete der sozialdemokratischen Fraktion Andrew-Mountbatten-Windsor sahen: als einen groben, arroganten und privilegierten Mann, der nicht habe unterscheiden können zwischen dem öffentlichen Interesse, von dem er behauptete, dass er ihm diene, und seinem persönlichen Interesse.

Die Liberaldemokraten brachten heute einen Antrag ein, der vor allem eins soll: Transparenz schaffen. Wie kam es, dass Andrew Mountbatten-Windsor 2001 zum Handelsgesandten ernannt wurde? Gab es Überprüfungen, ob er geeignet ist? Gab es Bedenken wegen seiner Nähe zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein? Dazu sollen alle Regierungsdokumente offengelegt werden.

Regierung wird wohl weitere Dokumente veröffentlichen

Auch zu der Frage, ob sich möglicherweise Peter Mandelson für Andrew Mountbatten-Windsor als Handelsgesandten eingesetzt habe. Labour und auch die Tories zeigten ihre Zustimmung – die Regierung wird also die Dokumente veröffentlichen müssen.

Rachael Maskell ist Abgeordnete von Labour in York. Sie kämpfte schon früh dafür, Andrew-Mountbatten-Windsor den Titel Duke of York abzuerkennen und spürte deswegen viel Gegenwind – auch aus der eigenen Partei. Sie gab zu bedenken: „Wofür brauchen wir überhaupt die Handelsgesandten?“ Es gebe 31 von ihnen, und die Stellen seien nie ausgeschrieben worden. Es sei unklar, welche Expertise die Handelsgesandten mitbringen – und, welchen Wert sie schafften.

Eine sehr grundsätzliche Frage, die auch wieder zeigt: Es geht um Transparenz, auch für die königliche Familie.

Wer war Jeffrey Epstein?

Jeffrey Epstein war ein US-amerikanischer Finanzmanager und Multimillionär, der vor allem durch den Aufbau eines massiven Missbrauchsnetzwerks bekannt wurde. Er wurde 1953 in Brooklyn, New York, geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Epsteins Eltern gehörten der Mittelschicht an. Sein Vater arbeitete für die Stadt New York, seine Mutter war Hausfrau.

Nach einem Studium ohne Abschluss arbeitete Epstein in den 1970er-Jahren als Lehrer an einer Elite-Privatschule in Manhattan. Über Kontakte wechselte er später in den Finanzsektor. Dort machte er rasch Karriere, zunächst bei einer Investmentbank. Wie genau er sein Vermögen aufbaute, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Bekannt ist, dass er als Vermögensverwalter für wohlhabende Kunden tätig war. Er pflegte einflussreiche Netzwerke zu Spitzenpolitikern, Unternehmern, Wissenschaftlern und Prominenten.

Zu seinem Besitz gehörten mehrere Luxusimmobilien, darunter auch eine Privatinsel auf den Virgin-Islands, bekannt als „Little Saint James“. Nach Aussagen von Opfern soll die Insel ein zentraler Ort für die sexuellen Übergriffe gewesen sein. Eine wichtige Rolle dabei spielte Epsteins Vertraute Ghislaine Maxwell, die ihm half, junge Frauen und Minderjährige für ihn anzuwerben, zu kontrollieren und zu missbrauchen.

Bereits in den 1990er-Jahren gab es erste strafrechtliche Beschwerden gegen Epstein wegen sexueller Übergriffe. 2008 wurde er als Sexualstraftäter verurteilt. Er hatte sich vor einem US-Gericht unter anderem schuldig bekannt, eine Minderjährige zur Prostitution angestiftet zu haben. Er erhielt eine 18-monatige Haftstrafe, von der er etwa 13 Monate verbüßte. Durch einen umstrittenen Deal konnte er die meiste Zeit davon außerhalb des Gefängnisses verbringen.

2019 wurde Epstein wegen schwerer Vorwürfe erneut verhaftet. Kurz danach wurde er erhängt in seiner Gefängniszelle in New York aufgefunden, bevor es zu einem Strafprozess kommen konnte.

Source: tagesschau.de