Das Frühjahr wird kommen, der Fahrradhandel aber lahmt. Hersteller versuchen, mit Zubehör, das stark auf die Optik setzt, das Geschäft zu beleben. Eine Neuerung sind Fahrradblinker, die erst seit Kurzem erlaubt sind.
In Deutschland steigen so langsam die Temperaturen, da könnte sich im Fahrradhandel Vorfreude auf das Frühjahrsgeschäft breit machen. Tatsächlich aber lahmt der Handel: Viele Menschen besitzen bereits ein gutes Fahrrad, darunter sind vor allem E-Bikes. Der Bedarf an neuen Rädern ist daher gering.
Der Zweirad Industrie-Verband ZIV berichtete auf Nachfrage, vergangenes Jahr sei nochmal weniger als im sehr schlechten Jahr zuvor verkauft worden. Hersteller versuchen daher auch, mit neuer Technik und besserem Design die Nachfrage anzuheizen.
In Frankfurt stellte der Branchenberater „Pressedienst Fahrrad“ nun neues Zubehör vor, das stärker auf Optik setzt. Früher habe es geheißen: „Willst Du Funktion oder willst Du hübsch?“, sagte Pressedienst-Geschäftsführer Gunnar Fehlau. Heute werde „optisch attraktive Funktion“ verkauft.
Mehr Licht
So bietet ein Hersteller für 125 Euro Blinker, die außen auf den Lenker gesteckt werden. Sie sind unkompliziert zu bedienen und weithin sichtbar. Bis 2024 waren Blinker an Fahrrädern verboten. „Alle hatten Blinker, nur wir haben noch die Hand rausgestreckt. Es ist ein großer Sicherheitsgewinn, wenn man zu den Blinkenden gehört“, so Fehlau.
Scheinwerfer für Fahrräder haben mittlerweile zuschaltbares Fernlicht. Dank LED-Technik und modernen Akkus haben neue Fahrradlichter kaum noch etwas gemein mit den alten Funzeln am Dynamo. Fahrradtaschen sind mittlerweile formschön, einfach an- und abzuhängen und gut zu tragen.
Schöne Technik
„Früher wurde die Technik um ein Fahrrad herumgebaut“, sagte Fehlau. „Und so sah es dann auch aus. Heute baut man das Fahrrad um den Antrieb herum“. Immer mehr E- Bikes bieten einen Mittelmotor nebst Getriebe in einem Gehäuse. Die Energie wird durch einen Zahnriemen auf das Hinterrad übertragen.
Diese Technik ist wartungsärmer als konventionelle Systeme, bei denen eine Kette ein hinten liegendes Getriebe ansteuert. Zwar ist der Wirkungsgrad bei Getrieben direkt am Motor geringer, aber: „Wenn richtig viel Watt im Motor ist, ist das egal“, tröstet Fehlau.
Einsteigermodelle klassischer E-Bikes mit ordentlichem Akku und Fünf-Gang-Getriebe gibt es ab 3.000 Euro. Für ältere Menschen gibt es Räder mit der klassischen Rücktrittbremse.
Für Gebrechliche und Menschen mit Körperbehinderung werden durchaus schmucke, individuell konfektionierbare Dreiräder angeboten. Ein modernes Dreirad vom Typ „Gretel“ kostet ab 7.400 Euro. Solche Räder seien völlig anders als die früherer Jahren, sagte Fehlau: „Die Dinger sahen aus wie Krankenkasse und fuhren sich auch so“.
Für Gravel Bikes gibt es jede Menge Zubehör
Schon seit längerem setzt die Branche auf sogenannte Gravel Bikes. Sie eignen sich für Wege, die für Mountainbikes zu langweilig und für Rennräder zu schlecht sind – also für das gehobene Freizeitradeln abseits des Straßenverkehrs, etwa auf Feldwegen.
Solche Räder werden mit geringer Ausstattung angeboten. Taschen, Lampen, Schutzbleche und vieles mehr können Kundinnen und Kunden zukaufen. Das Sortiment ist breit. Ein Hersteller bietet Fahrradsattel nicht nur für die verschiedenen Fahrwege und Radtypen an, sondern sogar unterschiedliche Sattel für Frauen und Männer.
Source: tagesschau.de