7.500 Fachkräfte fehlen in deutschen Fahrradwerkstätten. Gleichzeitig sind neue Fahrräder immer schwerer selbst zu reparieren. Das sorgt für lange Wartezeiten zum Saisonstart.
Wenn Nuscha Vakilzadeh morgens seinen Fahrradladen in Hamburg aufschließt, dann kommen die Kundinnen und Kunden im Minutentakt. „Bremsen sind häufig durch, Felgen sind durchgebremst. Wir haben hier viele Ganzjahresfahrer, die trotz des heftigen Winters einfach knallhart durchgefahren sind“, erklärt der Ladenbesitzer.
Drei seiner Mitarbeiter arbeiten in der Werkstatt – 18 Fahrräder pro Tag schaffen sie hier im Schnitt. Und trotzdem warten Kunden hier aktuell mindestens vier Wochen auf einen Termin.
Manche reparieren nur selbst verkaufte Räder
Ein Grund für die langen Wartezeiten: Bundesweit fehlen etwa 7.500 Fachkräfte in Fahrradwerkstätten, schätzen Branchenverbände. Ausgebildet werden pro Jahr aktuell aber nur knapp 750 – das reicht nicht.
Wie angespannt der Fahrradmarkt ist, merkt Ladenbesitzer Vakilzadeh auch, wenn er mit seinen Kunden spricht, die von anderen Läden zu ihm kommen. Es gebe inzwischen Kollegen, die nur noch Fahrräder reparieren, die sie auch selbst verkauft haben, erzählt der 36-Jährige. Für mehr Reparaturen fehle ihnen die Kapazität.
Reparaturen werden immer komplizierter
Und noch etwas sorgt für längere Wartezeiten: Konnten Reifen, Bremse, Ketten früher auch mal zu Hause repariert werden, trauen sich heute immer weniger Kunden selbst an eine Reparatur, erzählt Vakilzadeh. „Die Systeme werden komplexer.“
Das liegt vor allem an immer mehr E-Bikes. Laut Zahlen der Fahrradindustrie wurden allein in den vergangenen fünf Jahren bundesweit fast zehn Millionen E-Bikes verkauft. Deren Elektronik kann kaum noch ein Kunde selbst reparieren. Und so kommen auf immer weniger Fachkräfte immer mehr Fahrradreparaturen.
Terminknappheit macht Fahrrad unattraktiver
Der Branchenverband ZIV befürchtet längst: Der Terminmangel könne das Verkehrsmittel Fahrrad unattraktiver machen. „Ein defektes Fahrrad oder E-Bike, auf dessen Reparatur man wochenlang warten muss, lässt man auch danach eher mal stehen“, heißt es auf eine Anfrage des NDR.
Auch eine Studie des Fahrradteile-Herstellers Shimano kommt zu diesem Schluss. Danach gab ein Viertel der befragten Radfahrer in Deutschland an, das Fahrrad wegen Hürden bei der Reparatur weniger zu nutzen.
Im Fahrradladen von Nuscha Vakilzadeh versuchen sie trotz Fachkräftemangel zum Saisonstart bei Notfällen auch kurzfristig zu helfen. Am Ende seien viele seiner Kunden schließlich auf das Fahrrad angewiesen.
Source: tagesschau.de