Fabriken in Bretten und Nauen: Haushaltsgerätehersteller BSH will Werke wirklich schließen

Kunden, die sparen. Hohe Zinsen, die die Bautätigkeit und damit den Verkauf von Einbauküchen erschweren. Spannungen in der Weltwirtschaft, die den Welthandeln belasten. Bosch-Siemens-Hausgeräte (BSH) kämpft zurzeit mit vielen Problemen – und die Tage während der Corona-Pandemie, in denen Europas Marktführer für Haushaltsgeräte Sonderschichten anordnete, um die Nachfrage zu bedienen, scheinen länger zurückzuliegen als nur einige Jahre. „Die Zeiten, in denen Wachstum in unserer Branche quasi automatisch kam, sind vorbei“, sagte BSH-Chef Matthias Metz am Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz in München. „Was wir erleben, ist kein kurzfristiger Wandel, sondern ein Zeitenwechsel in unserer Industrie.“

Ein Zeitenwechsel, der die Erlöse hat stagnieren lassen. BSH setzte 2025 15,0 Milliarden Euro um, das ist ein Rückgang um 1,6 Prozent. Vor allem in China ging der Absatz zurück, während sich die Verkäufe in Europa und Nordamerika sogar minimal erhöhten. Eine Trendwende erkennt der BSH-Chef in diesen Signalen allerdings nicht. „Eine echte Erholung der Märkte ist nicht absehbar. Auch für 2026 rechnen wir unverändert nicht mit Rückenwind“, sagte Metz.

Insgesamt schließt BSH vier Produktionsstätten

Im Gegenteil: BSH geht von einer weiter sinkenden Nachfrage aus und hat begonnen, seine Produktionskapazitäten anzupassen. Im Oktober verkündete das Unternehmen, zwei deutsche Werke zu schließen: die Fabrik für Backöfen und Dunstabzugshauben im badischen Bretten sowie das Werk für Waschmaschinen im brandenburgischen Nauen. Zudem gibt BSH eine Fabrik für Backöfen in La Follette im US-Bundesstaat Tennessee sowie ein Werk für Geschirrspüler und Kompaktkühlschränke im spanischen Esquíroz auf. „Wir haben diese Entscheidungen jedoch nicht getroffen, um kurzfristig die Bilanz zu polieren“, sagte BSH-Finanzchef Thorsten Lücke. „Wir mussten sie aus einer Gesamtverantwortung gegenüber unseren 56.000 Mitarbeitern weltweit genau so treffen.“

Trotz der für die Produktionsschließungen notwendig gewordenen Rückstellungen hat BSH das Jahr 2025 mit einem Gewinn abgeschlossen. „Ohne die Sonder- und Einmaleffekte, die sich aus der Restrukturierung ergeben, haben wir uns operativ in der Profitabilität im Vergleich zum Vorjahr verbessert“, erklärte Lücke. Den genauen Gewinn nennt BSH nicht. Im Bosch-Konzern gehört BSH mit den Elektrowerkzeugen zum Bereich Konsumgüter, der 2024 bei einem Umsatz von 20,3 Milliarden Euro eine Umsatzrendite von 2,4 Prozent erzielt hat. Die aktuellen Zahlen stellt Bosch im April vor.

Zur Jahreswende 2023/24 hatte BSH wegen der schwachen Nachfrage einen Abbau von global 3500 Stellen angekündigt, aber erklärt, an den sechs deutschen Produktionsstandorten festhalten zu wollen. „Verantwortung heißt, sich nicht auf Erfolgen auszuruhen oder abzuwarten, sondern rechtzeitig zu handeln“, sagte Metz zur neuen Ausgangslage. Aber auch nach den Anpassungen sei BSH der Hausgerätehersteller mit den meisten Fabriken in Deutschland und Europa. „In den vergangenen drei Jahren haben wir rund 300 Millionen Euro in unsere deutschen Projekte investiert“, erklärte Metz – darunter eine Versandanlage in Giengen und ein Kleinteilelager in Dillingen sowie KI-Labore in Regensburg und Traunreut.

Hoffnung, dass auch in Bretten und Nauen neu investiert und die Schließung noch mal revidiert werden könnte, gibt es aber nicht. „Wir haben klar entschieden“, sagte Finanzchef Lücke. „Und aus der wirtschaftlichen Notwendigkeit heraus werden wir an der Entscheidung festhalten, die wir für erforderlich und notwendig halten.“

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