F.A.Z. Exklusiv: Zweites Deutsches Fernsehen streicht Generationenforscher Maas wie Experten

Er ist ein beliebter Experte, wenn es um Generationenforschung gibt: Der Psychologe Rüdiger Maas hat sich mit Studien und Büchern ein Renommee aufgebaut, wird vielerorts interviewt und zitiert, auch in der F.A.Z. Jüngst fasste die „Augsburger Allgemeine“ sein Wirken so zusammen: „Maas spricht in klaren Sätzen, vereinfacht manchmal zugunsten einer klaren These.“ Er saß bei „Markus Lanz“ und redete im „heute journal“ des ZDF. Nun hat ihn der Sender aus seiner Expertenliste gestrichen. Darin sind rund 500 Personen aufgeführt, die in Informationssendungen zu Wort kommen. Maas war bislang als Experte für das Thema „Generation Z“ (die zwischen 1997 und 2012 Geborenen) notiert. Gegen ihn gibt es Vorwürfe bezüglich der Darstellung seines Lebenslaufs, zuerst hatte die „Augsburger Allgemeine“ berichtet.

Strafbefehl wurde zurückgenommen

So wurde Maas der Missbrauch von Titeln vorgeworfen, weil er den akademischen Grad „Dr.“ ohne Zusatz des Hinweises auf die Universität Sofia in Bulgarien verwendet hat. Die Staatsanwaltschaft Augsburg erwirkte einen Strafbefehl von 60 Tagessätzen zu je 120 Euro. Hiergegen legte Maas Einspruch ein, am Donnerstag sollte die Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Augsburg stattfinden. Kurzfristig wurde die Sitzung am Mittwochnachmittag abgesetzt, ein Grund dafür wurde seitens des Gerichts nicht genannt. Nach F.A.Z.-Informationen wurde der Strafbefehl zurückgenommen. Ein von Maas beauftragtes Gutachten, das der F.A.Z. vorliegt, hatte den Generationenforscher entlastet. Dieser Meinung hatte sich das Gericht wohl angeschlossen. Damit ist dieser Vorwurf entkräftet.

Ein weiterer Vorwurf betrifft die Frage, ob sich Maas „Diplom-Psychologe“ nennen darf. Tatsächlich ist Maas „Diplom-Rehabilitationspsychologe“ nach Studium an der Hochschule Magdeburg-Stendal, einer Fachhochschule. Gegenüber der F.A.Z. sagt Maas: „Rehabilitationspsychologie ist ein psychologischer Studiengang mit starkem klinischen Bezug. In meiner Außendarstellung habe ich hierfür die gängige Kurzbezeichnung ‚Psychologe‘ verwendet. Die Berufsbezeichnung ‚Psychologe‘ wird dahingehend verstanden, dass der Verwender ein abgeschlossenes, umfassendes Hochschulstudium im Hauptfach Psychologie absolviert hat. Mein absolviertes Studium an der Hochschule Magdeburg-Stendal erfüllt diese Kriterien (umfassende psychologische Grundlagenausbildung nach DGPs-Standards, Methodik, Diagnostik). Die Formulierungen auf meiner Website wurden bereits präzisiert.“

Promotion an der Universität von Sofia

Der österreichische Publizist und Plagiatsforscher Stefan Weber meint, Maas dürfe sich auch nicht als „promovierter Psychologe“ bezeichnen. Maas ist zwar promoviert, aber nicht in Psychologie. Der Titel seiner Doktorarbeit lautet „Management of information processes for increasing the impact of media during the Corona pandemic“, was nach Webers Ansicht mit „Informationsprozessmanagement zur Erhöhung der Medienwirkung während der Corona-Pandemie“ zu übersetzen ist. Die Dissertation umfasst 155 Seiten und ist in zwei Bibliotheken in Bulgarien einsehbar. Auf die Frage, ob er für die Universität in Bulgarien einen Promotionsvermittler in Anspruch genommen hat und, falls ja, was das gekostet hat, antwortet Maas: „Ich habe auf regulärem Weg an der University of Library Studies and Information Technologies in Sofia promoviert.“ Eine weitere Doktorarbeit sei im Entstehen. Maas schreibt, nach eigener Aussage, zurzeit eine Dissertation zum Thema: „Sozialer Tod im digitalen Zeitalter: Eine generationenspezifische Analyse“.

Ein weiterer Streitpunkt ist, ob Maas angeben darf, einer psychotherapeutischen Tätigkeit nachzugehen. Maas ist kein Mitglied der Psychotherapeutenkammer Bayern, fand Weber heraus. Dazu sagt Maas der F.A.Z.: „Ich bin zugelassener ‚Heilpraktiker (Psychotherapie)‘ und habe vom Landratsamt Unterallgäu die Erlaubnis zur Ausübung der Psychologie und Psychotherapie im Jahr 2010 erhalten.“ Maas ergänzt, er nehme die Vorwürfe ernst, er hätte in seiner Selbstdarstellung „präziser sein müssen“. Das ändere jedoch nichts an der Substanz seiner Arbeit und auch nichts an seiner fachlichen Expertise. Das ZDF teilt auf Anfrage mit, man habe die Vorwürfe gegen Maas zur Kenntnis genommen und beobachte den weiteren Fortgang des Falls.

Source: faz.net