Der Frankfurter Ableger der US-Investmentbank Jefferies ist nur wenigen Kennern des hiesigen Finanzplatzes ein Begriff. Doch jetzt bekommt die kleine Bank Ärger mit der Bankenaufsicht im Zusammenhang mit dem Fall, der den Bankenplatz seit eineinhalb Jahren wie kein anderer in Atem hält: Die italienische Bank Unicredit versucht, die Commerzbank zu übernehmen, und viel spricht dafür, dass Jefferies zu Unicredits tatkräftigsten Helfern gehört. Und deshalb hat das Institut nach Informationen der F.A.Z. Ärger mit den Bankaufsehern der Bundesbank. Wer ist diese nur Insidern bekannte Bank und wie fügt sich die Sonderprüfung der Bundesbank ein in die Übernahmeschlacht rund um die Commerzbank?
Jefferies ist eine auf das Kapitalmarktgeschäft spezialisierte Bank. Im Ende November 2024 (neuere Geschäftszahlen liegen im „Unternehmensregister“ nicht vor) zu Ende gegangenen Geschäftsjahr erhielten die überwiegend im Investmentbanking (123), im Zinsgeschäft (23) und im Aktiengeschäft (25) tätigen 250 Mitarbeiter der Jefferies GmbH zusammen Löhne und Gehälter von 136 Millionen Euro, also einer guten halben Million je Kopf. Das Betriebsergebnis vor Steuern kletterte durch die Erbringung von Bank- und Finanzgeschäften wie „der Anschaffung und Veräußerung von Finanzinstrumenten im eigenen Namen auf fremde Rechnung“ von 30 auf 41 Millionen Euro. Doch darüber verliert selbst die spezialisierte Finanzpresse keine großen Worte.
Jefferies hat durch Derivate Zugriff auf 10,3 Prozent der Stimmrechte
Ins Blickfeld geriet Jefferies im Oktober 2024, als die kleine Bank plötzlich mithilfe von Call- und Put-Optionen über 5,33 Prozent aller Commerzbank-Aktien mit Stimmrechten verfügte. Das musste Jefferies der Aufsicht innerhalb von vier Tagen berichten, die Commerzbank wiederum musste Jefferies’ Überschreiten der Schwelle von 5 Prozent im Rahmen ihrer aktualisierten Aktionärsstruktur binnen drei Tagen mitteilen – so das übliche Prozedere.
Zuletzt ist der Anteil der Put- und Call-Optionen („Instrumente“), mit denen sich Jefferies Zugriff auf Commerzbank-Aktien gesichert hat, nach einer Stimmrechtsmitteilung vom 5. März 2026 sogar auf 10,3 Prozent angewachsen, wie auf der Homepage der Commerzbank etwas versteckt nachzulesen ist. Das ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert.
Schon im Oktober 2024 galt es als sehr wahrscheinlich, dass Jefferies ähnlich wie die britische Bank Barclays und die US-Bank Bank of America im Auftrag der italienischen Bank Unicredit agiert. Unicredit war einen Monat zuvor, im September 2024, durch den Kauf eines Aktienpaketes von der Bundesregierung zum Großaktionär der Commerzbank aufgestiegen. Daraufhin entschied die Bundesregierung, keine weiteren Commerzbank-Aktien aus Staatsbesitz mehr zu verkaufen und die Eigenständigkeit der Commerzbank zu unterstützen.
Unicredit fehlt EZB-Erlaubnis für Aufstockung bei Commerzbank
Unicredit dagegen will die Commerzbank erkennbar komplett übernehmen. Die italienische Bank hat ihren Aktienanteil auf 26 Prozent aufgestockt und sich mit Hilfe von derivativen Instrumenten den Zugriff auf weitere 3 Prozent an der Commerzbank gesichert. Das Überschreiten von 30 Prozent scheute Unicredit bisher wie der Teufel das Weihwasser. Dafür gab und gibt es Gründe. Umso wichtiger sind Helfer an der Seite Unicredits wie mutmaßlich eben Jefferies, die sich wohl im Auftrag Unicredits Commerzbank-Aktien gesichert haben.
Dabei gibt es seit dem 22. Februar 2026 für Unicredit eine Erleichterung: Die italienische Bank darf nun den weiteren Erwerb der Commerzbank auch oder nahezu vollständig mit Aktien bezahlen. „Falls Unicredit seinen Anteil von derzeit 26 Prozent auf mehr als 30 Prozent aufstockt, wird das gesetzlich gebotene Mindestangebot an die übrigen Aktionäre fällig. Es muss aber ab Sonntag nicht mehr nur Barmittel, sondern darf auch oder sogar nur eigene Aktien als Kaufpreis enthalten“, schrieb die F.A.Z. am Tag zuvor. Doch am 16. März 2026 hat Unicredit nun, wie berichtet, ein freiwilliges Übernahmeangebot angekündigt, mit dessen Hilfe die italienische Bank die Schwelle von 30 Prozent überschreiten dürfte.
Mit dem freiwilligen, in seinen Konditionen allerdings unattraktiven Angebot vermeidet Unicredit das Pflichtangebot an alle Aktionäre, das mit dem Erwerb von 30 Prozent der Commerzbank-Aktien fällig geworden wäre. Jedoch ist zu erwarten, dass immerhin so viele Commerzbank-Aktionäre das Angebot zum Umtausch in Unicredit-Aktien annehmen werden, dass Unicredit die Schwelle von 30 Prozent überschreitet.
Gleichwohl fehlt der italienischen Bank bisher die Genehmigung der Europäischen Bankenaufsicht der EZB dafür, ihren Anteil auf mehr als 30 Prozent auszudehnen. Widerstand von der EZB muss Unicredit eher nicht befürchten. Doch was bisher nur Eingeweihte wussten: Auch die nationalen Bankaufseher mischen in diesem Übernahme-Krimi mit.
Bundesbank findet bei Sonderprüfung bei Jefferies Mängel
Nach Informationen der F.A.Z. hat die Bundesbank, die sich mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) die Bankenaufsicht in Deutschland teilt, die Jefferies GmbH einer Sonderprüfung unterzogen. Dem Vernehmen nach monierten die Bankaufseher mangelndes Risikomanagement beim mutmaßlichen Unicredit-Helfer. Schließlich erlauben die Put- und Call-Optionen Jefferies Zugriff auf Commerzbank-Aktien im aktuellen Wert von mehr als 3,6 Milliarden Euro. Das wäre für eine Bank mit einer Bilanzsumme, also der Aufstellung aller Vermögenswerte von gerade mal annähernd 3 Milliarden Euro, eine Unwucht. Allerdings muss Jefferies nur die Long-Derivate-Positionen melden. Ob und inwieweit diesen gegenläufige Short-Positionen entgegenstehen, mit denen Jefferies das eigene Risiko ausbalanciert, ist für die Öffentlichkeit nicht erkennbar.
Aus dem jüngsten Geschäftsbericht geht nur hervor, wie handelslastig das Geschäft der Jefferies GmbH ist. Der Löwenanteil der 3 Milliarden Euro großen Bilanzsumme von Jefferies entfällt auf einen Wertpapierhandelsbestand von 2,5 Milliarden Euro. Das Eigenkapital wird im jüngst verfügbaren Geschäftsbericht mit 216 Millionen Euro angegeben.
Nach Informationen der F.A.Z. hat die Bundesbank in ihrer Sonderprüfung etliche Mängel im Risikomanagement der Jefferies GmbH festgestellt. Üblicherweise verhängen die Bankenaufseher bei Feststellungen Mängeln der Kategorie „F4“ Geldstrafen. In diesem Fall dürfte die Bundesbank außerdem verlangen, dass Jefferies ihre Mitarbeiter im Risikomanagement aufstockt und etwa Personal vom deutlich größeren Standort London an den Dienstsitz Frankfurt beordert.
Plant Sumitomo Mitsui einen kompletten Kauf von Jefferies?
Die Bundesbank wollte sich zu der Sonderprüfung bei Jefferies nicht äußern. Eine Sprecherin sagte der F.A.Z., die Bundesbank kommentiere Einzelfälle nie, es gelte Vertraulichkeit. Sie verwies lediglich auf die Internetseite der Bundesbank, auf der die mit der Bafin für dieses Jahr festgelegten Arbeitsschwerpunkte im nationalen Bankenaufsichtsprogramm zu finden sind. Dort heißt es etwa, dass im Vergleich zu 2025 die geopolitischen Spannungen und daher auch „die wirtschaftlichen Unsicherheiten noch einmal zugenommen“ hätten. Deshalb würden Bundesbank und Bafin 2026 das Risikomanagement von Banken besonders im Blick behalten.
Die Bank Jefferies wollte sich am Mittwoch in Frankfurt nicht äußern. Derweil berichtete die Zeitung „Financial Times“, Japans zweitgrößte Bank Sumitomo Mitsui Financial arbeite an einem Plan, die US-Bank Jefferies komplett zu übernehmen. Sumitomo besitzt schon 20 Prozent an Jefferies, beide Banken sehen sich offenbar als Partner. Allerdings ist der Aktienkurs von Jefferies seit September um 40 Prozent gefallen. Die US-Wertpapieraufsicht SEC prüft die Geschäftsbeziehung von Jefferies zum insolventen Autozulieferer First Brands, der stark von privaten Kreditfonds finanziert wurde, die nun vielfach Anleger nicht auszahlen können. Der Ärger mit der deutschen Bankenaufsicht ist also bei weitem nicht das einzige Aufsichtsthema, das die Geschäftsführung von Jefferies gerade in Atem hält.
Source: faz.net