Das Verteidigungsministerium hat Berichte über eine mögliche Bestellung zusätzlicher Tarnkappenjets des Typs F-35 zurückgewiesen. „Es gibt derzeit keine konkreten Planungen und keine politische Entscheidung für die Beschaffung weiterer F-35“, sagte eine Sprecherin auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa.
Deutschland hat bislang 35 Maschinen des US-Herstellers Lockheed Martin bestellt. Die Jets sollen die veraltete Tornado-Flotte der Luftwaffe ablösen, mit der Deutschland Kapazitäten für den Einsatz von Atomwaffen bereithält. Das Konzept der nuklearen Teilhabe sieht vor, dass Nato-Verbündete im Verteidigungsfall Zugang zu US-Atomwaffen erhalten.
Eine Aufstockung der F-35-Flotte wird vor allem für den Fall diskutiert, dass das gemeinsam mit Frankreich geplante Luftkampfsystem der Zukunft (FCAS) scheitert. Zugleich bestehen sicherheitspolitische Bedenken hinsichtlich einer größeren Abhängigkeit von den USA.
Merz nährt öffentlich Zweifel an FCAS
Laut dem Magazin Stern hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) das Kabinett nach einem Gespräch
mit Macron bereits Mitte Januar darüber informiert, dass es keinen gemeinsamen Kampfjet mehr geben werde. Das Handelsblatt berichtete ebenfalls von Überlegungen, die Pläne für den
Kampfjet aufzugeben.
Auch öffentlich äußerte der Bundeskanzler in dieser Woche Zweifel an dem Projekt: „Wir haben ein echtes Problem im Anforderungsprofil. Und wenn wir das nicht lösen können, dann können wir das Projekt nicht aufrechterhalten“, sagte Merz am Mittwoch.
Entscheidung in diesem Monat erwartet
Anders als Frankreich benötige Deutschland für die nächste Kampfjet-Generation kein atomwaffen- und flugzeugträgerfähiges Flugzeug. Frankreich will laut Merz nur eine Maschine bauen, die auf diese Spezifikationen ausgerichtet ist. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron steht öffentlich weiter zu dem Projekt, schließt ein Scheitern aber nicht aus. „Angesichts der strategischen Herausforderungen für unser Europa wäre
es unverständlich, wenn industrielle Differenzen nicht überwunden werden
könnten“, sagte Macron. Die Entscheidung über FCAS ist bereits zweimal verschoben worden. Nun soll sie bis Ende des Monats fallen.
Die Abkürzung FCAS steht für Future
Combat Air System. Zu diesem
Luftkampfsystem der Zukunft sollen neben Jets auch Drohnen und neuartige
Kommunikationssysteme gehören. Es soll ab den 2040er-Jahren das Rückgrat
der deutsch-französischen Luftverteidigung bilden. Bei der deutschen
Luftwaffe soll es langfristig den Eurofighter Typhoon und bei den
französischen Luftstreitkräften das Kampfflugzeug Rafale ablösen.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und die damalige Bundeskanzlerin
Angela Merkel (CDU) hatten das Vorhaben bei einem deutsch-französischen
Ministerrat 2017 auf den Weg gebracht. Zwei Jahre später gab Spanien
seine Beteiligung bekannt. Belgien hat seit 2023 eine Art
Beobachterstatus.