EZB lässt Leitzins trotz Ölpreisschock unverändert

Stand: 19.03.2026 • 14:53 Uhr

Die Leitzinsen für die Euro-Länder bleiben bei 2,0 Prozent. Obwohl die gestiegenen Energiepreise zu höherer Inflation führen dürften, verändert die Europäische Zentralbank den Zinssatz nicht.

Die Europäische Zentralbank tastet ihren Leitzins auch nach Ausbruch des Iran-Kriegs und dem damit einhergehenden Ölpreisschock nicht an. Die EZB hält den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins damit zum sechsten Mal in Folge bei 2,0 Prozent, wie die Notenbank in Frankfurt heute mitteilte: „Der Krieg im Nahen Osten hat zu deutlich unsichereren Aussichten geführt. Er hat Aufwärtsrisiken für die Inflation und Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum zur Folge.“

Damit folgt die EZB dem Kurs anderer westlicher Notenbanken: Bereits gestern hatte die US-Notenbank Federal Reserve ihren Leitzins nicht angerührt, ebenso wie die Schweizerische Nationalbank (SNB) und die Bank of England.

Die SNB hat den Leitzins ein weiteres Mal bei null Prozent belassen, womit er auf dem niedrigsten Niveau aller größeren Währungsräume liegt. Die Bank of England beließ ihren Leitzins heute angesichts der mit dem Ölpreisschock drohenden Inflationsgefahr bei 3,75 Prozent.

Großbritannien hat das höchste Leitzinsniveau in der Gruppe der sieben größten westlichen Industrieländer (G7). Dabei hat die Notenbank die Zinsen seit Mitte 2024 bereits sechsmal gelockert – zuletzt im Dezember. Doch die Teuerungsrate ist in Großbritannien nach wie vor hoch, sie lag zu Jahresbeginn bei 3,0 Prozent.

Inflation in Eurozone könnte deutlich steigen

In der Eurozone war die Teuerung zuletzt deutlich niedriger. Mit einer Rate von 1,9 Prozent im Februar liegt die Inflation nahe am mittelfristigen Ziel der Notenbank von 2 Prozent. Doch mit dem Krieg im Nahen Osten und dem Ölpreisschock wächst die Sorge vor einem starken Anziehen der Inflation.

„Der Krieg im Nahen Osten hat die Rahmenbedingungen für die EZB verändert. Die Inflationsrate wird selbst bei einer allmählichen Entspannung der Ölmärkte höher sein als bislang gedacht“, urteilt Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust. Auch EZB-Chefvolkswirt Philip R. Lane warnte bereits vor den Folgen eines länger andauernden Kriegs im Nahen Osten. Dies könne die Wirtschaft bremsen und die Inflation anheizen: „Eine Eskalation des Konflikts im Nahen Osten ist eines der wichtigsten Risikoszenarien, die von der EZB beobachtet werden.“

Die Folgen des Iran-Kriegs haben mit steigenden Spritpreisen und teurerem Gas längst auch Deutschland erreicht. Zöge sich der Krieg über Monate hin, würde der Ölpreis weiter steigen und mit ihm die Inflation in der Eurozone „schätzungsweise auf mindestens drei Prozent“, sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

„Trauma von 2022 wirkt nach“

Die EZB will Beobachtern zufolge verhindern, dass sie auf eine mögliche neue Preiswelle zu spät reagiert. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 stand die Zentralbank in der Kritik, den damaligen Preisanstieg lange unterschätzt zu haben. Die Inflation im Euroraum schnellte zeitweise auf mehr als zehn Prozent nach oben. Das kostete die Verbraucher Kaufkraft und die EZB Glaubwürdigkeit.

„Der EZB-Rat wird diesen Fehler kein zweites Mal begehen wollen“, sagte Friedrich Heinemann vom ZEW-Institut: „Auch wenn heute noch kein Zinsschritt erfolgt ist, wird das Trauma von 2022 nachwirken und ein frühes Einschreiten gegen den Inflationsanstieg begünstigen. Die Wahrscheinlichkeit von bis zu zwei Zinsschritten vor der Sommerpause ist deshalb hoch.“

Source: tagesschau.de