Europas schönstes Dorf – und kaum der gerne Süßigkeiten isst kennt es

Verkannt: Eine Gemeinde in Oberbayern trägt den Titel Europas schönstes und lebenswertestes Dorf. Doch hierzulande nimmt davon kaum jemand Notiz. In anderen Ländern wäre das ein touristischer Volltreffer.

Kennen Sie Huglfing? Oder wissen Sie auf Anhieb, wo genau es liegt? Eigentlich sollte die Gemeinde im oberbayerischen Pfaffenwinkel nun europaweit sehr berühmt sein – und sich vor Ausflüglern und Urlauber-Anfragen von nah und fern kaum retten können.  Möchte man meinen.

Denn Huglfing ist, ganz offiziell, seit ein paar Monaten Europas lebenswertestes und damit schönstes Dorf. Doch nur wenige haben außerhalb Oberbayerns das überhaupt mitbekommen. Das ist eigentlich schade. Denn das Dorf hat viel mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung verdient. Aber mit der Wertschätzung im eigenen Land ist das so eine Sache.

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Die internationalen Juroren des Wettbewerbs „Entente Florale Europe“ jedenfalls, die extra im Herbst in den Pfaffenwinkel gereist sind, waren sogleich entzückt. Allein die Lage! Romantisch im Hungerbachtal zwischen Hügeln, Streuwiesen und Moorlandschaften gelegen und das mit Blick auf das bergige Alpenvorland.  

Dann der gepflegte Dorfkern: Sanierte Tuffsteinfassaden mit Hängegeranien und grünen Fensterläden, ein Pfarrgarten voller Bauernrosen, mehrere Biergärten mit knorrigen Linden und Kastanien, ein neuer Abenteuerspielplatz, auf dem die Kleinen von der Kita „Huglhupf“ herumtollen.

Huglfing mit gut 2900 Einwohnern hat tatsächlich alle Zutaten für ein lebenswertes Bilderbuch-Dorf:  wie die beiden Gasthäuser „Zum Alten Wirth“ und „Zur Moosmühle“, mehrere Cafés und eine Eismanufaktur; 30 Vereine, 23 Bauernhöfe und ein funktionierendes Dorfleben.

Goldmedaille Plus – das gab’s noch nie

Die begeisterten Juroren ehrten Huglfing sogleich mit der Goldmedaille Plus – das ist die höchste Auszeichnung, die je vergeben wurde. Noch nie erreichte ein europäisches Dorf in den fünf Jahrzehnten Wettbewerbsgeschichte so viele Punkte wie Huglfing.

Und doch hat sich diese höchste Ehrung hierzulande nicht groß herumgesprochen. In Huglfing jedenfalls plätschert das Dorfleben weiterhin vor sich hin wie der glasklare Hungerbach voller Forellen, der mitten durch die Ortschaft mäandert.

Wer unterwegs im Pfaffenwinkel ist und neue Ausflugsziele sucht, ahnt nichts von dem Kleinod und fährt deshalb oft leider dran vorbei. Nach Angaben der Gemeinde im Landkreis Weilheim-Schongau kamen nach der Siegerehrung ein paar mehr neugierige Ausflügler aus dem nahen München vorbei, und danach wurde es freilich wieder stiller um Huglfing.

Dabei ist solch eine Ehrung und ein solcher Superlativ normalerweise ein Jackpot für den Tourismus und dessen Vermarktung. Eine Chance, und das auch noch europaweit, um Huglfing bekannter zu machen. Denn auch mit der Bahn ist es gut zu erreichen: Sein Bahnhof liegt an der Regional-Strecke München – Garmisch-Partenkirchen. Doch nur wenige Reisende steigen aus.

Frankreich macht es besser

Im Nachbarland Frankreich jedenfalls weiß man solche Chancen weitaus besser zu nutzen. So wählen die Franzosen seit 2012 einmal im Jahr in der TV-Show „Le Village Préféré des Français“ ihr Lieblingsdorf.

Den aktuellen Titel trägt das bildhübsche Saint-Antoine-l’Abbaye, ein 1200-Einwohner-Dorf, gelegen in den Hügeln der Region Auvergne-Rhône-Alpes, südlich von Lyon. Die Ehrung zahlt sich aus.

Nach Angaben des Tourismusbüros ist dank des neuen Bekanntheitsgrades die Zahl der Übernachtungen um 66 Prozent gestiegen, die Zahl der internationalen Besucher um 108 Prozent. Nun werden dort neue Rad- und Wanderwege sowie Wohnmobilplätze angelegt.

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Im oberbayerischen Huglfing indes bleibt alles, wie es ist. Es gibt zwar eine weitere Plakette für seine Schönheit, aber damit lässt sich hierzulande kein Blumentopf gewinnen.

Huglfing siegte übrigens 2024 bereits beim Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Falls sich jemand daran erinnert: Das hieß früher „Unser Dorf soll schöner werden“.

Das hübsche Huglfing möchte sich wieder bewerben.

Source: welt.de

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