Europas größter Autokonzern: VW ist nicht zu steuern

Oliver Blume mobilisiert alle Kräfte, um die Zukunft des Volkswagen-Konzerns in ein besseres Licht zu rücken. Nach dem Gewinneinbruch im vergangenen Jahr will der Vorstandsvorsitzende von Europas größtem Autohersteller schon dieses Jahr die Wende schaffen. Sein Management senkt die Kosten und treibt den Abbau von 50.000 Stellen quer über alle Konzernmarken voran. Die Werke in Europa sollen so endlich wieder wettbewerbsfähig werden und die operative Umsatzrendite bis Ende des Jahrzehnts auf acht bis zehn Prozent steigen – etwa auf das Dreifache des heutigen Niveaus.

All das sorgt für Aufwind an der Börse. Doch die Risiken sind enorm. Blumes Sanierungsplan ist kaum mehr als ein Hoffnungswert, denn alle Zeichen sprechen gegen eine Trendumkehr.

Porsche bleibt ein Sorgenkind, Audi steckt im Tal

In China lässt sich durch den Preiskampf der einheimischen Hersteller kaum noch Geld verdienen. In Amerika kommt VW nicht voran. Trumps Zölle haben die dortigen Wachstumspläne durchkreuzt, und es wäre eine Illusion zu glauben, dass sich die Wolfsburger wieder zu einem relevanten Anbieter aufschwingen.

Porsche ist durch die überstürzte Elektrostrategie zum Sorgenkind geworden. Audi kommt bislang ebenfalls nicht aus dem Tal. Jetzt steht zu befürchten, dass der Krieg in Nahost die Konsumstimmung weiter drückt – ein zusätzlicher Ballast für die volatile Autobranche.

Die Wahrheit ist, dass der Umbau den Konzern noch über Jahre in Atem halten wird. Für Blume ist das ein Problem, denn er braucht schnelle Erfolge, um seine Position im Management zu stärken und die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch davon zu überzeugen, dass er die Sanierung im Griff hat.

Blume ist schon der dritte Vorstandsvorsitzende seit dem Dieselskandal, der sich bisher vergeblich an einer Neuausrichtung versucht. Doch die Beharrungskräfte im Moloch VW sind unverändert stark. IG Metall, Management und Großaktionäre verstricken sich unversöhnlich in Debatten über die Angemessenheit von Bonuszahlungen für Manager, über „Anerkennungsprämien“ für die Belegschaft oder Dividenden für die Anteilseigner. So verfestigt sich das Bild eines Unternehmens, dessen Komplexität nicht zu steuern ist.

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