Europäische Zentralbank: Inflation im Euroraum sinkt uff 1,7 Prozent

Die Inflation im Euroraum belief sich im Januar auf 1,7 Prozent. Das hat das europäische Statistikamt Eurostat in Luxemburg am Mittwoch aufgrund einer ersten Schätzung mitgeteilt. Im Dezember hatte die Rate 1,9 Prozent betragen, nach 2,1 Prozent im November. Insbesondere die Teuerung der Energie hat sich gegenüber Dezember verändert, die Preise gingen im Januar auf Jahressicht um 4,1 Prozent zurück; im Dezember waren es 1,9 Prozent gewesen.

Damit hat sich die Inflation seit dem stürmischen Herbst 2022 mit zweistelligen Inflationsraten wieder deutlich gemäßigt. In der Europäischen Zentralbank (EZB) ist die Rede davon, die Inflationsraten schwankten jetzt um das Ziel der Notenbank von mittelfristig zwei Prozent. Bundesbankpräsident Joachim Nagel vertrat die Einschätzung, in Deutschland könnten die Raten in der ersten Jahreshälfte sogar unter das EZB-Ziel rutschen, in der zweiten Jahreshälfte würden sie aber steigen.

Kaffee und Gurken teurer, Butter wieder etwas günstiger

Nach wie vor ist die Teuerung für Dienstleistungen wie Versicherungen, Autoreparaturen oder die Pflege überdurchschnittlich. Die Preise für Energie dagegen sind in vielen Euroländern im Schnitt niedriger als vor einem Jahr. Die Preise für Lebensmittel entwickeln sich unterschiedlich; manche wie beispielsweise die für Kaffee, Schokolade und Gurken sind sehr stark gestiegen, andere sogar gefallen. Butter beispielsweise war zuerst sehr teuer geworden, dann ging der Preis jedoch deutlich zurück.

Je nach Euroland gibt es erhebliche Unterschiede hinsichtlich der Inflation. In Deutschland belief sich die Inflationsrate nach dem Harmonisierten Verbraucherpreis-Index (HVPI), der für Vergleiche mit anderen Ländern verwendet wird, im Januar auf 2,1 Prozent. In Frankreich dagegen ist die Inflation deutlich niedriger: Die Inflationsrate sank dort auf 0,4 Prozent.

In Österreich sinkt die Inflation

Im Nachbarland Österreich hat sich der Preisauftrieb zu Jahresbeginn deutlich verlangsamt. Die Inflationsrate sank im Januar auf 2,0 Prozent, wie das Statistikamt in Wien nach einer ersten Schätzung mitteilte. Im Dezember hatte die Teuerung noch 3,8 Prozent betragen.

Damit nähert sich Österreich wieder dem Ziel der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent an, nachdem das Land im Jahr 2025 noch zu den inflationsstärksten im Euroraum gehört hatte. Der nach europäischen Standards berechnete Harmonisierte Verbraucherpreisindex HVPI fiel in Österreich ebenfalls auf 2,0 Prozent.

Die höchsten Inflationsraten verzeichneten den Angaben zufolge die Slowakei mit 4,2 Prozent, Kroatien mit 3,6 Prozent sowie Irland und Lettland mit jeweils 2,6 Prozent. Am niedrigsten fiel der Preisanstieg in Frankreich mit 0,4 Prozent, Finnland mit 1,0 Prozent und Belgien mit 1,4 Prozent aus.

Das neue Euroland Bulgarien hatte im Januar eine Inflationsrate von 2,3 Prozent. Dort hatte es erhebliche Sorgen gegeben, dass mit der Euroeinführung zum Jahresbeginn die Preise steigen und sich der Euro als „Teuro“ erweisen könnte.

Angemessene Leitzinsen

Die Zahlen sind auch deshalb von besonderer Relevanz, weil die EZB am Donnerstag über die Leitzinsen entscheiden will. Es gilt als relativ sicher, dass sie die Zinsen weder senkt, noch erhöht. Die Inflationszahlen dürften das eher bestätigen. Bundesbankpräsident Joachim Nagel hatte im Interview mit der F.A.Z. angedeutet, er halte das derzeitige Leitzinsniveau für angemessen.

„Die EZB wird die Zinsen voraussichtlich nicht ändern“, sagte Commerzbank-Ökonom Marco Wagner. Es wäre das fünfte Mal in Folge: Nach einer Phase mit steigenden und einer mit fallenden Leitzinsen ist die Notenbank nun offenbar in eine Phase mit Zins-Stagnation eingetreten. Bastian Freitag von Rothschild & Co spricht von „Ruhe an der Zinsfront“.

Diskutiert wird, ob der starke Euro Auswirkungen auf die Geldpolitik der EZB haben wird. Die anhaltende Aufwertung könnte die EZB bald dazu zwingen, „geldpolitisch zu reagieren“, sagte Österreichs oberster Zentralbanker Martin Kocher der Zeitung „Financial Times“.

Source: faz.net