Seit Donald Trump Handelskonflikte und andere Streitereien mit Verbündeten angezettelt hat und die Notenbank Fed sowie ihre Geldpolitik verbal angreift, ist der Dollar angeschlagen. In der Nacht zum Mittwoch nun fiel der Dollar-Index, der das Verhältnis der US-Währung zu sechs wichtigen anderen Währungen wiedergibt, auf das niedrigste Niveau seit Anfang des Jahres 2022. Zum Euro wertete der Dollar erstmals seit Juni 2021 wieder unter die symbolische Marke von 1,20 Dollar ab.
Das jüngste Kursminus war eine Reaktion auf Antworten des US-Präsidenten auf die Frage von Reportern, ob ihn der Kursrückgang der Währung beunruhige. „Nein, ich finde das großartig“, sagte er: „Ich denke, der Wert des Dollars – sehen Sie sich die Geschäfte an, die wir machen. Der Dollar läuft großartig.“ Damit befeuerte Trump den ohnehin stärksten Kursrückgang des Dollars seit seiner Einführung zusätzlicher Zölle im vergangenen Jahr. Dies hatte damals die Märkte ins Wanken gebracht und schürte Befürchtungen, unberechenbare politische Kurswechsel des Präsidenten könnten ausländische Investoren abschrecken.
Analysten: Dollar seckt in Vertrauenskrise
Für Analysten steckt der Dollar in einer Vertrauenskrise. Kyle Rodda, Marktanalyst von capital.com, sieht einen breiten dollarzentrierten Abverkauf, der sich über mehrere Märkte und Währungen ziehe. Grund dafür sei Trumps erratische Politik und Rhetorik. Ein Wendepunkt an den Märkten sei dessen Versuch gewesen, Europa in der Grönland-Frage unter Druck zu setzen. Für Eduard Baitinger, Leiter der Asset Allocation bei Feri gibt es einen intakten „Sell-America-Trade“. Dieser betreffe weniger die Qualität amerikanischer Unternehmen als er von der Währungsseite komme. Mit ihrer Befürwortung eines schwächeren Dollar untergrabe die US-Regierung das Vertrauen. Da der Dollar zugleich überbewertet sei, sei er für einen Vertrauensentzug anfällig. Auf längere Sicht könnte sich die Schwäche fortsetzen, wenn im Mai die Amtszeit von Fed-Chef Jerome Powell ende und diese dann eine im Sinn des Weißen Hauses willfährigere Führung erhalte. Eine Zinssenkungen würde den Renditevorteil der USA weiter schmälern, schreibt Thomas Hempell, Leiter des Makro- und Markt Research von Generali Investments.
Für Hempell geben Erholungstendenzen im Euroraum und geringere Renditeunterschiede zwischen europäischen Staatsanleihen dem Euro zudem Aufwärtspotential. Ein nachhaltiges Überschreiten der Marke von 1,20 Dollar aber hält er nicht für wahrscheinlich. Dagegen sprächen unter anderem robuste US-Konjunkturdaten und der KI-Boom einerseits sowie strukturelle Schwächen Europas wie Bürokratie und hohe Energiekosten. Analysten von Oxford Economics sehen sogar erheblichen Gegenwind.
1,20 Dollar ist Schmerzgrenze laut EZB
EZB-Vizepräsident Luis de Guindos hatte im vergangenen Jahr einen Kurs von 1,20 Dollar als eine Art Schmerzgrenze bezeichnet, obwohl dieser nur knapp über dem Durchschnittswert seit Einführung des Euros im Jahr 1999 liegt und vom Rekordhoch des Jahres 2008 von rund 1,60 Dollar weit entfernt ist. Indes wertete der Euro allein im vergangenen Jahr um rund 13 Prozent auf – die stärkste Aufwertung seit 2017.
Für internationale Anleger bleibe ein aktives Management der Dollarquote im Portfolio unerlässlich, sagt Baitinger. Man solle diese nicht als unbeabsichtigten Nebeneffekt eines hohen Anteils von US-Aktien behandeln. Zu Sensibilität rät auch Oxford Economics. Wer auf eine Gegenbewegung des Dollars setze, solle sich klarmachen, dass die Währung gegenüber politikgetriebenen Abverkäufen verwundbar sei.
Für US-Aktienanleger ist schwacher Dollar positiv
Diese Verwundbarkeit schlägt sich auch sehr eindeutig im starken Anstieg des Goldpreises nieder, der immer neue Rekordhöhen erreicht und mittlerweile mit rund 5260 Dollar die gerade erst übertroffene Marke von 5000 Dollar weit hinter sich gelassen hat. Rodda sieht bei Gold einen „TINA-Trade“: „There Is No Alternative“. Gold und andere Metalle könnten noch teurer werden. Denn viele andere Wertspeicher gebe es nicht. Dafür sind Anleihen- und Aktienmarkt viel zu sehr von den USA abhängig.
Für US-Aktienanleger ist der schwache Dollar eher positiv, da er die Gewinnmargen der Unternehmen stützt. Euro-Anleger können dagegen an den Kurssteigerungen nicht im selben Maß teilhaben. Zudem fallen Zins- und Dividendenzahlungen in Euro kleiner aus. Gleichzeitig belastet es die internationale Nachfrage nach Euro-Papieren, die für Dollar-Anleger teurer werden. Andererseits haben Umschichtungen aus Dollar-Papieren die Kurse bisher gestützt, auch den des Euro. Die Frage ist also am Ende, wie tief die Vertrauenskrise des Dollars schon ist und ob sie noch tiefer wird. Das wiederum hängt von Trumps Politik ab. Nach den bisherigen Erfahrungen dürfte diese zumindest weiter für Volatilität sorgen.
Source: faz.net