EU-Länder greifen mit mehreren Maßnahmen für Spritpreisen ein

Stand: 07.04.2026 • 14:49 Uhr

Der Preis für Diesel hat in Deutschland ein neues Rekordhoch erreicht. Während hierzulande nur die 12-Uhr-Regel gilt, setzen andere Staaten in Europa auf Zuschüsse, Steuersenkungen und Preisdeckel.

Die Spritpreise in Deutschland steigen trotz 12-Uhr-Regel immer weiter. Diesel hat heute den siebten Tag in Folge ein neues Allzeithoch aufgestellt. Im bundesweiten Durchschnitt hat Diesel erstmals mehr als 2,50 Euro pro Liter gekostet.

Starke Preisanstiege seit Einführung der 12-Uhr-Regel

Direkt nach der mittäglichen Erhöhung ermittelte der ADAC einen Preis von 2,502 Euro pro Liter. Das waren neun Cent mehr als noch eine halbe Stunde zuvor. Superbenzin der Sorte E10 verteuerte sich um 7,6 Cent auf 2,235 pro Liter.

Verglichen mit dem letzten Tag vor Einführung der 12-Uhr-Regel am 1. April hat sich E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt um 8,5 Cent je Liter verteuert, Diesel um 12,7 Cent. Im Vergleich zum letzten Tag vor Ausbruch des Iran-Kriegs beträgt der Anstieg sogar gut 41 Cent bei E10 und fast 70 Cent bei Diesel.

Warum Diesel stärker steigt als Benzin

Dass Diesel seit Beginn des Iran-Kriegs deutlich stärker zugelegt hat als Benzin, hat mehrere Gründe. Diesel ist für Industrie und Landwirtschaft besonders wichtig und wird teilweise auch als Ersatz für Gas genutzt.

Hinzu kommt eine strukturelle Besonderheit des deutschen Marktes: Nach Angaben des Bundeskartellamts ist Deutschland bei Benzin Nettoexporteur, während ein erheblicher Teil des Dieselbedarfs importiert werden muss. Deshalb reagieren die Dieselpreise an den Zapfsäulen hierzulande stärker auf Verwerfungen auf den internationalen Märkten und die steigende globale Nachfrage.

Griechenland hilft mit Zuschüssen und Preisgrenzen

Die hohen Kraftstoffpreise belasten private Haushalte und Unternehmen erheblich. Während Deutschland bislang zurückhaltend vorgeht und lediglich die 12-Uhr-Regel eingeführt hat, gehen viele Regierungen in Europa inzwischen mit Zuschüssen, Steuersenkungen oder Preisgrenzen deutlich offensiver vor.

So können in Griechenland Privatpersonen und Selbstständige mit niedrigen und mittleren Einkommen über den staatlichen „Fuel Pass“ Hilfen für April und Mai beantragen. Für Autos gibt es 50 Euro auf dem Festland und 60 Euro in Inselregionen, für Motorräder 30 beziehungsweise 35 Euro.

Parallel dazu hat die Regierung die Gewinnmargen bei Kraftstoffen für Raffinerien und Tankstellen bis zum 30. Juni gedeckelt. Wer gegen die Verordnung verstößt, muss mit Strafen in Millionenhöhe rechnen.

Italien senkt Steuern auf Benzin und Diesel

Italien setzt vor allem über den Steuerhebel an. Rom reduzierte die Verbrauchsteuer auf Benzin und Diesel zunächst per Dekret bis zum 7. April und verlängerte die Maßnahme dann bis zum 1. Mai. Dafür wurden laut Wirtschaftsminister Giancarlo Giorgetti erst 417,4 Millionen Euro und anschließend weitere 500 Millionen Euro eingeplant. Mit dieser Maßnahme werden die Kraftstoffpreise um 25 Cent pro Liter gedämpft.

Österreich setzt auf Spritpreisbremse

In Österreich trat zum 1. April die Spritpreisbremse in Kraft. Ziel ist es, die Preise an den Tankstellen um rund zehn Cent je Liter zu drücken. Zudem sind Preiserhöhungen an Tankstellen in der Alpenrepublik zumindest bis Mitte April nur dreimal die Woche erlaubt. Ein Senken der Preise ist jederzeit möglich.

Polen und Tschechien drücken die Steuern

Polen hat die Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel von 23 auf acht Prozent gesenkt; zusätzlich bestimmt das Energieministerium täglich einen Höchstpreis für die Kraftstoffe.

In Tschechien werden ab dem 8. April die Gewinnmargen der Ölkonzerne bei Diesel und Benzin begrenzt. Zudem senkt die Regierung in Prag die Verbrauchssteuer auf Diesel.

Slowenien deckelt Spritpreise

Besonders günstig ist Tanken derzeit in Slowenien. Nach Angaben des ADAC sind die Kraftstoffpreise in dem EU-Land bis vorerst 7. April gedeckelt; demzufolge kostet Benzin 1,62 Euro je Liter und Diesel 1,81 Euro je Liter. Zudem gelten Mengenbegrenzungen: Privatpersonen dürfen nur noch höchstens 50 Liter Benzin oder Diesel pro Tag tanken.

Mit Informationen von Angela Göpfert, ARD-Finanzredaktion.

Source: tagesschau.de