Eskalation in Nahost: Zwei Staaten übernehmen Hotelkosten zu Händen gestrandete Reisende


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Durch den Krieg mit Iran sitzen Tausende Touristen im Nahen Osten fest – an Flughäfen, in Hotels und auf Schiffen. Zumindest Reisende in zwei Staaten haben eine Sorge weniger.

Geplant war ein erholsamer Urlaub – nun sitzen Tausende Reisende in einer Krisenregion fest, die unter Raketenbeschuss steht. Durch den Konflikt zwischen Israel, den USA und dem Iran sind am Wochenende auch viele deutsche Reisende im Nahen Osten und anderen Weltregionen gestrandet. An Flughäfen und auch auf Kreuzfahrtschiffen, vor allem in der Golfregion, ging nichts mehr.

Etwa in den Vereinigten Arabischen Emiraten: An den beiden großen Flughäfen von Dubai – am internationalen Flughafen DXB und am Al Maktoum Airport (DWC) – wurde der Flugverkehr bis auf Weiteres ausgesetzt. Die Stimmung unter den Reisenden war einem Medienbericht zufolge angespannt. „Am Dubai International Airport herrscht das blanke Chaos“, zitierte die „Bild“ am Samstag einen deutschen Urlauber. „Tausende Menschen versuchen, das Terminal zu verlassen. Es gibt keine Ausgänge, die Züge zwischen den Terminals sind defekt. Es gibt keine Ansagen, kein Personal.“

Flüge in den Nahen Osten wegen Iran gestrichen

Nach Angaben der Plattform Flightradar24 wurden an sieben großen Flughäfen der Nahost-Region mehr als 3400 Flüge gestrichen – betroffen waren neben Dubai auch etwa Abu Dhabi und Doha. 

Die Lufthansa hat Flüge in die Region gestrichen: „Aufgrund der aktuellen Situation im Nahen Osten setzen die Airlines der Lufthansa Group Flüge nach Tel Aviv, Beirut, Amman, Erbil, Dammam und Teheran bis einschließlich 8. März aus“, heißt es auf der Lufthansa-Homepage. „Die folgenden Lufträume werden ebenfalls bis einschließlich 8. März nicht genutzt: Israel, Libanon, Jordanien, Irak, Katar, Kuwait, Bahrain, Dammam und Iran. Darüber hinaus setzen die Airlines der Lufthansa Group Flüge von und nach Dubai bis einschließlich 4. März aus. Zudem wird der Luftraum der Vereinigten Arabischen Emirate bis einschließlich 4. März nicht genutzt.“

Auch „Emirates“ erklärt auf der deutschsprachigen Homepage: „Aufgrund mehrfacher regionaler Luftraumsperrungen hat Emirates den gesamten Flugbetrieb von und nach Dubai bis zum Dienstag, den 3. März, 15:00 Uhr (Dubai-Zeit) vorübergehend ausgesetzt.“

„Condor“ informiert Flugreisende: „Aufgrund der aktuellen Sicherheitslage im Nahen Osten und den damit verbundenen Auswirkungen auf verschiedene Lufträume und Flughäfen, werden die Condor-Flüge zwischen Berlin sowie Stuttgart und Dubai bis einschließlich 2. März 2026 ausgesetzt. Darüber hinaus finden Condor-Flüge von und nach Sulaymaniyah bis einschließlich 3. März 2026 nicht statt. Gäste werden darüber entsprechend informiert.“

Bundesaußenminister Johann Wadephul sieht keine Möglichkeit, im Nahen Osten gestrandete Deutsche ausfliegen zu lassen. „Dazu sind wir nicht in der Lage“, sagt Wadephul in einem „Bild“-Interview und verweist darauf, dass die Lufträume in der Region für zivile Flugzeuge gesperrt seien. Stattdessen versuche das Auswärtige Amt, die Betroffenen mit den notwendigen Informationen zu versorgen. Alle deutschen Auslandsvertretungen seien geöffnet.

Staaten übernehmen Hotelkosten

Die Vereinigten Arabischen Emirate übernehmen nach Behördenangaben angesichts der Eskalation zwischen Israel, den USA und dem Iran die Kosten für Unterkünfte von gestrandeten Passagieren im Land. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur WAM teilte die Generalbehörde für Zivilluftfahrt mit, dass dies „alle Unterbringungs- und Verpflegungskosten für betroffene und gestrandete Passagiere“ betreffe. 

Flughäfen und nationale Fluggesellschaften haben den Angaben nach bereits rund 20.200 Passagiere betreut, deren Flüge verschoben werden mussten. Es wurden vorübergehende Unterkünfte, Mahlzeiten und Erfrischungen bereitgestellt, zudem wurde die Umbuchung der Flüge nach den genehmigten Betriebsplänen erleichtert. Zu den Maßnahmen gehöre auch die Umleitung einiger Flüge zwischen den Flughäfen des Landes.

In Saudi-Arabien teilte das Außenministerium mit, dass König Salman auf Vorschlag von Kronprinz Mohammed bin Salman die Unterbringung aller im Land gestrandeten Golfstaaten-Bürger an Flughäfen genehmigt habe, bis deren sichere Rückkehr in ihre Heimat möglich sei.

Kreuzfahrt-Touristen sitzen auf Schiffen fest

Betroffen sind auch Kreuzfahrten: So lag etwa die „MSC Euribia“ der Schweizer Reederei MSC Cruises mit einer Kapazität für mehr als 6000 Passagiere einem Bericht zufolge in Dubai fest. Die Orient-Kreuzfahrt, die eigentlich am Sonntag starten sollte, wurde kurzfristig abgesagt.

Vom deutschen Anbieter TUI Cruises liegen die Kreuzfahrtschiffe „Mein Schiff 4“ und „Mein Schiff 5“ mit einer Kapazität für insgesamt gut 5000 Reisende fest. „Die Sicherheit unserer Gäste und der Crew hat für uns jederzeit oberste Priorität“, hieß es auf der Website des Anbieters. Eine planmäßige Durchführung der Reisen sei derzeit nicht verantwortbar. Die Gäste befänden sich weiterhin an Bord der beiden Kreuzfahrtschiffe, hieß es.

Reiseveranstalter kümmert sich um Hotelzimmer

Der Touristikkonzern Dertour hat nach eigenen Angaben derzeit eine niedrige vierstellige Gästezahl in von Reisewarnungen betroffenen Nahost-Gebieten. Der zweitgrößte deutsche Reiseveranstalter nannte am Montagmorgen die Länder Vereinigte Arabische Emirate, Saudi-Arabien, Katar, Bahrain, Oman, Jordanien, Israel und Kuwait. Zu Dertour gehören auch die Veranstalter ITS, Meiers Weltreisen und Clevertours. 

Wie lange die Luftraumsperrungen dauern würden, sei derzeit unklar. „Gäste, die aufgrund von Luftraumsperrungen vor Ort derzeit nicht nach Hause fliegen können oder auf einen Weiterflug warten, sind von uns informiert worden und werden vor Ort betreut“, hieß es in einer Mitteilung. Den Gästen stünden lokale Reiseleitungen als Ansprechpartner zur Verfügung. „Die Reiseleitungen werden die Hotelunterbringung entsprechend verlängern oder alternative Zimmer in anderen Hotels zur Verfügung stellen.“ Über neue Rückreisemöglichkeiten werde man schnellstmöglich informieren.

tkr / mit Agenturen

Source: stern.de