Dass sich München in Berlin bedankt, ist in der Politik ein Ausnahmefall. Anders bei der Bayerischen Landesbank (BayernLB): Der Vorstandsvorsitzende Stephan Winkelmeier schickte am Donnerstag ein „dickes Dankeschön nach Berlin“. Denn dort sitzt die Direktbankeinheit DKB, die im zurückliegenden Jahr einen Rekordgewinn von 1,176 Milliarden Euro erzielte und damit den Vorjahreswert um fünf Prozent übertraf. Die Tochtergesellschaft ist seit Jahren die Ertragssäule im Konzern der Münchner Landesbank.
Im Geschäftsjahr 2025 entfielen 85 Prozent des Gewinns auf die inzwischen fast sech Millionen Kunden zählende DKB. „Eine BayernLB ohne DKB kommt in meiner Gedankenwelt gar nicht vor. Sie ist ein integraler Bestandteil der Gruppe“, antwortete Winkelmeier auf die Frage, was die BayernLB ohne die DKB wäre.Viele Fragen drehten sich auf der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag um die Direktbank, die sich bis zum Jahr 2030 ein ehrgeiziges Programm verordnet hat.
36 Prozent mehr Gewinn und 40 Prozent mehr Einlagen
Das Ergebnis vor Steuern soll auf rund 1,6 Milliarden Euro steigen, das wären 36 Prozent mehr als 2025. „Wir sind technologisch, organisatorisch und kulturell so aufgestellt, dass wir dieses Ziel aus eigener Kraft realisieren“, zeigte sich DKB-Vorstandschef Sven Deglow zuversichtlich. Das Provisionsergebnis, das 2025 bei 201 Millionen Euro lag, soll sich mehr als verdoppeln. Die Kundeneinlagen will die DKB um 40 Prozent auf 137 Milliarden Euro erhöhen. Wachstum strebt die Direktbank insbesondere im Wertpapiergeschäft an, das Deglow als zweites Ankerprodukt neben dem Girokonto betrachtet. Künstliche Intelligenz sei für die DKB kein Leuchtturmprojekt, sondern fester Bestandteil des Bankbetriebs.
In Sorge um den Standort
„Unser Jahresergebnis spiegelt die Robustheit unseres Geschäftsmodells und die Stärke unserer Tochter DKB wider. Trotz des gesunkenen Zinsniveaus haben wir insgesamt solide Erträge erzielt“, zog BayernLB-Chef Winkelmeier Bilanz für 2025. Der Ausblick ist angesichts der erheblichen geopolitischen Risiken und wirtschaftlichen Herausforderungen von Vorsicht geprägt. Der Vorstand erwartet 2026 ein Ergebnis in der Bandbreite von 1,1 bis 1,3 Milliarden Euro. Für 2025 hatte der Vorstand 1,0 bis 1,3 Milliarden Euro prognostiziert und das obere Ende der Spanne leicht übertroffen. Auf eine ähnliche Entwicklung hofft Winkelmeier auch in diesem Jahr.
Die wirtschaftliche Lage in Deutschland schätzt er pessimistisch ein. Er vermisst ein klares Bekenntnis zum Industriestandort und in der Politik den Mut zu Entscheidungen. Die Investitionsoffensive mit dem Sondervermögen von 500 Milliarden Euro werde ein Desaster, wenn es nicht für investive, sondern für konsumtive Zwecke eingesetzt werde. Winkelmeier schloss sich der Kritik von Wirtschaftsforschungsinstituten an, wonach Investitionen aus dem normalen Haushalt in das Sondervermögen verschoben würden.
Source: faz.net