Die meistgestreamte Band aller Zeiten ist zurück und die Fans können es kaum erwarten. BTS – sieben junge Männer, Millionen Fans weltweit. In Seoul ist der Hype riesig, das große Konzert steht kurz bevor.
Nach fast vier Jahren Pause stehen hier bald sieben junge Männer vor 250.000 Fans. Mitten in Seoul, wo gerade noch vor allem Autos und Busse fahren, hier auf dem Gwanghwamun Platz. Eine Frau mit Stirnfransen hat diesen sieben Männern ihr Leben zu verdanken.
Die Frau heißt Miso Bukenbaeva und sie „nur“ als Fan zu bezeichnen, wäre untertrieben. Sie ist sehr aufgeregt, kann seit Tagen kaum schlafen: „Mein Herz schlägt schon wie verrückt. Es sind nur noch wenige Tage, bis ich sie alle wiedersehe.“
Bukenbaeva ist 24 Jahre alt, Studentin aus Usbekistan und ein absoluter Glückspilz: Sie hat bei der Verlosung der Tickets einen Platz in der ersten Reihe ergattern können. Hunderttausende andere wollten das auch.
Die Rückkehr, das Comeback der wohl größten Männer-Popband der Welt wurde sehnlichst erwartet: BTS sind zurück – nach fast vier Jahren Pause als Gruppe. Dem strengen Militärdienst in Südkorea konnten sich selbst die sieben Superstars nicht entziehen. Ihr neues Album „Arirang“ erscheint am Freitag, das große Konzert findet am Samstag statt.
Fans der K-Pop-Band tanzen auf dem Gwanghwamun-Platz in Seoul.
Seoul im Ausnahmezustand
Man kann sich dem BTS-Hype in Südkoreas Hauptstadt nicht entziehen. Was auch daran liegt, dass für das Konzert die halbe Innenstadt gesperrt wird. Hochhäuser dürfen nicht betreten werden, U-Bahnen fahren nicht.
Das Comeback der Boygroup – ein weltweiter Hype, wie ein Deutscher vor Ort berichtet, der sich noch mit Merchandise, also Fanartikeln, eindecken will: „Ich weiß nicht, wie viele Leute extra nach Seoul geflogen sind, aber Seoul ist so busy wie noch nie.“
In Seouls Innenstadt flimmern riesige LED-Leinwände und alle paar Sekunden läuft Werbung für das Konzert oder natürlich das neue Album. Und wenn man die sieben Musiker nicht gerade in diesem Zusammenhang sieht, dann machen sie Werbung für Produkte wie Hautcremes oder auch Gin.
Ein beliebtes Fotomotiv sind die „BTS Stairs“, also Treppen, auf denen der überdimensionale Drei-Buchstaben-Schriftzug prangt. Da stehen die Fans Schlange. In diesen Tagen sind vor allem die Pilgerstätten von BTS sehr angesagt.
Wie das alte Wohnheim, wo die sieben Männer zusammen in einer WG gelebt haben, bevor sie berühmt wurden, wo heute ein Café ist. Oder das alte Bürogebäude ihrer Plattenfirma. Da ist die Fassade und sogar die Straße, der Asphalt, vollgekritzelt mit Liebesbotschaften der Fans.
Und auch in einem kleinen Restaurant, wo die Jungs während ihrer Ausbildung Bibimbap gegessen haben, ein traditionelles koreanisches Gericht aus Reis, Gemüse und Rind, kriegt man kaum noch einen Platz.
Erfolgsrezept: Tiefgründige Musik und skandalfreies Image
Doch woher der ganze Erfolg? Eine Spanierin in Seoul findet die Tiefgründigkeit überzeugend: „Man kann sich echt gut wiederfinden in den Botschaften, die in ihren Songs stecken.“ Ein Südkoreaner findet es toll, dass BTS die koreanische Kultur in der ganzen Welt verbreitet.
Die Fans beschreiben das globale Phänomen BTS schon ziemlich gut. Gezielt gecastet, lange ausgebildet und perfekt vermarktet. Die K-Pop-Gruppe allein ist ein echter Wirtschaftsfaktor in Südkorea, spült schätzungsweise bis zu fünf Milliarden Dollar pro Jahr ins Land.
Ihr skandalfreies Image und ihr immer freundliches Auftreten sei Kalkül ihres Managements, sagt Musikexperte Kim Doheon: „Sie sind höflich, haben gute Manieren und vermitteln das Bild von Menschen, die entschlossen ihre Träume verfolgen.“ Dies stehe im Gegensatz zum stereotypen Bild westlicher Popstars, die oft als etwas dekadent oder rebellisch gelten, während K-Pop-Idole dieses Bild nicht verkörpern würden.
Legendenstatus in Südkorea
Jeder in Südkorea kennt BTS. Ob Kinder oder Großeltern – diese sieben Männer sind mehr als zehn Jahren omnipräsent, da muss man das vergangene Jahrzehnt schon unter einem Stein geschlafen haben, wenn man das nicht mitbekommen hat. Aber, die Konkurrenz und die Präsenz anderer K-Pop-Gruppen ist in Südkorea natürlich nochmal um einiges größer als in Deutschland.
BTS sind die absoluten Vorreiter und haben sicher schon sowas wie Legendstatus, aber sie sind auch schon ein bisschen ein Klassiker der Szene. Sie bleiben trotzdem die Nummer Eins im K-Pop-Kosmos. Sie haben K-Pop nachhaltig groß gemacht – das ist und bleibt ihr Vermächtnis.
Engagement für mentale Gesundheit und Selbstliebe
BTS engagieren sich auch politisch. Sie sind im Weißen Haus aufgetreten, vor den Vereinten Nationen. Ihr Hauptanliegen: mehr Selbstliebe und mentale Gesundheit bei Teenagern und jungen Erwachsenen – genau das, was die junge Usbekin Bukenbaeva gebraucht hat: „Ich war am Boden. Es ist schrecklich, wenn deine Eltern nicht an dich glauben. Ich fühlte mich allein und verloren.“
Dann hörte sie die Rede vor den Vereinten Nationen und deren Songs. Während sie das sagt, laufen ihr Tränen über das Gesicht: „Erst da lernte ich, mir selbst zu vertrauen, auf mich zu achten und mich an erste Stelle zu setzen.“
Sie sagt: BTS haben ihr Leben gerettet. Ihr Dank: bedingungslose Fanliebe. Sie hat wegen der sieben Jungs ihre Heimat verlassen, ist nach Südkorea gezogen, hat die Sprache gelernt. Und Bukenbaeva ist kein Einzelfall. In der „Army“, so nennen sich die Fans von BTS, haben sich inzwischen 90 Millionen Mitglieder vernetzt.
Und für sie alle hat das Warten jetzt ein Ende: Die meistgestreamte Band aller Zeiten ist zurück, und Bukenbaeva ganz vorne mit dabei.
Source: tagesschau.de