„Er hat kaum hinauf uns reagiert“ – Wal gibt keinen Laut mehr von sich

Das Drama um den an der Ostseeküste gestrandeten Wal geht weiter. Der Wasserschutzpolizei zufolge ist das Tier geschwächt. Auch der niedrigere Wasserstand macht die Rettungsaktion komplizierter.

Der an der Ostseeküste gestrandete Buckelwal hat sich nicht befreien können – und er lebt noch. Das Tier liege noch immer in der Bucht vor Wismar, sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei in Wismar der Nachrichtenagentur dpa am Montagmorgen. „Ja, der ist noch da. Die Situation ist noch so wie gestern.“ Das Tier habe sich nicht von der Stelle bewegt. Gleichzeitig habe es weniger Wasser gegeben. Das mache die Lage ein bisschen schwieriger, da der Wal so schlechter von der Stelle komme.

Wie es nun weitergeht, konnte der Sprecher nicht sagen. Das müssten die Experten entscheiden, wenn sie sich ein Bild von der Lage gemacht hätten. Dazu sind Beamte der Wasserschutzpolizei gemeinsam mit Meeresbiologen von Greenpeace kurz nach 7.00 Uhr mit einem Schlauchboot zu dem Wal gefahren,

Gegenüber der „Bild“-Zeitung sagte ein Greenpeace-Sprecher über das Tier: „Er hat kaum auf uns reagiert und bewegt sich nicht. Wir werden jetzt mit den Behörden besprechen, wie wir dem Wal am besten helfen können.“ Er war „Bild“ zufolge mit auf dem Boot.

Der Wal liege unverändert da und atme in regelmäßigen Abständen, heißt es in dem Bericht. Aus dem Wasser rage nur sein Rücken, zudem sei der Zustand der Haut schlecht. „Timmy“, wie die Zeitung den Wal nennt, gebe keinen Laut von sich.

Das Tier sei in der Nacht durchgängig beobachtet worden und habe auch geatmet, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums von Mecklenburg-Vorpommern. In der Nacht war die Polizei für die Bewachung zuständig. „Es wurde ein Schichtsystem eingerichtet, um zu gewährleisten, dass der Wal nicht unbeobachtet ist.“ Am Sonntag hatte das Deutsche Meeresmuseum davon gesprochen, dass der Wal sehr geschwächt und die Atemfrequenz reduziert sei.

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Wie es dann weitergeht – ob also der Wal weiter seine Ruhe bekommen oder er für einen Aufbruch aus eigenem Antrieb angestupst werden soll – hänge von der Situation ab. Aktuell ist es in der Wismarer Bucht recht windig und es regnet.

Die Reise des Wals

Seit Anfang März war der Wal den Angaben zufolge immer wieder an der Ostseeküste aufgetaucht, zunächst im Hafen von Wismar, später in der Lübecker Bucht und an der Küste bei Steinbeck (Kreis Nordwestmecklenburg). Das Tier hatte sich demnach in einem Netz verfangen. Einsatzkräfte und Meeresschützer der Organisation Sea Shepherd hatten es von einem Teil des Materials befreit.

Am vergangenen Montagmorgen war der Meeressäuger dann auf einer Sandbank vor dem Timmendorfer Strand bei Lübeck entdeckt worden. Eine umfangreiche Rettungsaktion startete, in der Nacht zu Freitag befreite sich der Buckelwal dann selbst mithilfe einer per Bagger ausgegrabenen Rinne. Am Samstag war der Wal dann allerdings wieder gestrandet – und zwar in der Wismarbucht.

Seitdem hält das Drama um den Buckelwal an. In der Nacht zu Sonntag konnte sich der Meeressäuger bei steigendem Wasserstand zunächst selbst von einer Sandbank vor der kleinen Insel Walfisch in der Wismarbucht freischwimmen. Doch wenig später lag er erneut fest – ganz in der Nähe, an einer etwa zwei Meter tiefen Stelle. Augenscheinlich regungslos lag er am Sonntag dort, nur ab und zu stieß er eine Wasserfontäne in die Luft.

Behörden ziehen Sperrgebiet um Wal

Die Behörden haben nach eigenen Angaben ein Sperrgebiet im Umkreis von 500 Metern rund um den Wal gezogen, in das kein Schiff oder Boot hineinfahren darf. Zahlreiche Schaulustige standen am Wochenende auf der Seebrücke, um einen Blick auf das Tier erhaschen zu können.

Der Direktor des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund, Burkard Baschek, sagte, der Wal liege in einer Wassertiefe, die etwa der in der Nacht zu Sonntag entspreche, als sich das Tier selbst befreit habe. Er beschrieb die jüngste Situation deshalb nicht als Strandung, sondern als „Leibaufsetzen“ des Wals.

dpa/lay

Source: welt.de

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