Epstein-Netzwerk: Ghislaine Maxwells Bluff

Ghislaine Maxwell bietet einen vermeintlichen Monsterdeal an. Zu dem internationalen Netzwerk des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein will sie nichts sagen, wenn sie nicht begnadigt wird. Doch sagte sie etwas, würde sie angeblich sowohl Bill Clinton als auch Donald Trump entlasten.

Mehr sagte sie bei einer Anhörung vor dem Aufsichtsausschuss des Repräsentantenhauses, zu der sie aus dem Gefängnis per Video zugeschaltet war, nicht. Zwei Präsidenten mit einer Klappe, lautet das Angebot der wegen Menschenhandels mit Minderjährigen zu zwanzig Jahren Haft verurteilten Mitverschwörerin Epsteins.

Maxwell geht aufs Ganze, aber blufft

Maxwell geht aufs Ganze, aber blufft. Sie hat nichts zu bieten, was sie nicht schon angeboten hätte. Bei einer Vernehmung mit dem stellvertretenden US-Justizminister Todd Blanche hatte sie bereits im August 2025 Clinton und Trump reingewaschen. Clinton sei mit ihr befreundet gewesen, nicht mit Epstein. Mit dessen „Lolita-Express“ sei Clinton nur geflogen, weil sie es vorgeschlagen habe. Auf Epsteins Missbrauchsinsel Little Saint James sei der frühere Präsident nie gewesen: „Er ist niemals, absolut niemals hingegangen.“ Und auch über Trump, der von sich selbst überliefert, er habe in einem seiner „besten Momente“ eine Einladung auf Epsteins Eiland abgelehnt, wisse sie nichts Nachteiliges zu sagen.

„Innocent of any wrongdoing“ – keines Fehlverhaltens schuldig – darauf lautete Maxwells Verdikt über Clinton und Trump. Dass sie mit Clinton eng war, wissen wir spätestens seit dem Auftauchen der Bilder mit den beiden (und einer weiteren Frau) im Pool, von denen aber nicht geklärt ist, wann und wo sie entstand. Erklären könnte das Clinton Ende des Monats, wenn er und seine Frau Hillary vor dem Kongress aussagen, wozu sie sich erst nach juristischen Drohungen bereiterklärten.

Womit aber will Ep­steins Chefzuhälterin bei Trump eine Begnadigung erwirken, wenn er gar nicht entlastet werden muss, und Clinton auch nicht? Maxwell betont dezidiert, dass die beiden nicht auf der Insel gewesen seien, auf der Elon Musk unbedingt Party machen wollte. Was sich dort abspielte, dürfte einem gar nicht so engen Kreis klar gewesen sein. Über den werden wir dank der mehr als drei Millionen Dokumente noch mehr erfahren: Weitere Namen werden auftauchen, das Bild einer internationalen Elite der Amoral wird sich verdichten und zugleich vieles im Dunkeln bleiben, weil das gigantische Konvolut, das das US-Justizministerium freigegeben hat, angeblich nur die Hälfte der Epstein-Akten ausmacht.

„All the President’s Men“ fällt uns da ein, der Originaltitel der im Deutschen „Die Unbestechlichen“ genannten Verfilmung des Watergate-Skandals von Alan Pakula mit Dustin Hoffman und Robert Redford in den Rollen der legendären Rechercheure Carl Bernstein und Bob Woodward von der „Washington Post“. Das war eine Sternstunde des Journalismus. Die könnte es bei all dem name dropping wieder geben, wenn sich herausstellt, in wessen (Geheim-)Diensten Jeffrey Epstein stand. Dazu könnte Ghislaine Maxwell sicherlich etwas sagen.

Source: faz.net