Epstein-Files: Wer ist Medienmogul Casey Wasserman?

Casey Wasserman ist einer der erfolgreichsten Medien- und Sportunternehmer der Welt. Sein milliardenschweres Konglomerat Wasserman betreut zahlreiche bekannte Prominente aus den Bereichen Musik, Film und Sport. Dazu zählen Fußballer wie Federico Valverde (Real Madrid) und John Stones (Manchester City).

Im Sektor Musik vertritt Wasserman als Booking- und Full-Service-Agentur Beletage-Acts wie Coldplay, Ed Sheeran, Kendrick Lamar, Pharrell Williams, SZA und Lorde. Nicht zuletzt stehen Hollywood-Größen wie Brad Pitt, Florence Pugh und Adam Sandler im Portfolio. 2021 wurde der deutsche Boxstall Sauerland übernommen und in das Vertical Wasserman Boxing überführt.

In die Öffentlichkeit rückte Casey Wasserman zuletzt als Vorsitzender des Organisationskomitees der Olympischen Sommerspiele 2028 in Los Angeles. Nun tauchte sein Name in den Epstein-Files auf, woraufhin einige Musiker:innen die Zusammenarbeit offiziell mit ihm beendeten. Darunter auch Superstar Chappell Roan, die ihre Kündigung am Montag, den 9.2. auf Instagram ihren 7,7 Millionen Follower:innen mitteilte. Ihre Maßstäbe für ihr Team seien hoch und sie „habe die Pflicht, sie zu schützen“.

Die Namen Epstein und Maxwell werden hier zwar nicht explizit erwähnt, aber weiter im Post heißt es: „Kein Künstler, Agent oder Mitarbeiter sollte jemals dazu verpflichtet werden, Handlungen zu verteidigen oder zu ignorieren, die so tiefgreifend mit unseren eigenen moralischen Werten im Widerspruch stehen. Ich habe großen Respekt und Anerkennung für die Agenten und Mitarbeiter, die unermüdlich für ihre Künstler arbeiten, und ich weigere mich, tatenlos zuzusehen. Künstler verdienen eine Agentur, die ihren Werten entspricht und ihre Sicherheit und Würde wahrt. Diese Entscheidung spiegelt meine Überzeugung wider, dass ein sinnvoller Wandel in unserer Branche Verantwortlichkeit und eine Führung erfordert, die Vertrauen verdient.“

Casey Wasserman: Aus dem Schatten seines Großvaters Lew

Bereits 2024 beendete Billie Eilish ihre Partnerschaft mit Wasserman. Im August des Jahres veröffentlichte die Daily Mail einen Bericht, in dem der CEO als „serieller Fremdgeher“ beschrieben wurde. Über Jahre soll er Affären mit wesentlich jüngeren Mitarbeiterinnen geführt haben. Das war für die Grammy-Gewinnerin und ihren Bruder Finneas mit ein Grund, zum Konkurrenten WME zu wechseln. Wasserman bestritt die Vorwürfe vehement.

Aber wie konnte der 1974 geborene Casey Wasserman sich so ein Imperium aufbauen? Eine wesentliche Rolle spielte sein Großvater Lew Wassermann, der als einer der letzten großen Hollywood-Mogule der Geschichte gilt. Im 20. Jahrhundert leitete er über Jahrzehnte das Medienimperium MCA (Music Corporation of America), aus dem später Universal hervorging. Der Sohn jüdisch-ukrainischer Eltern etablierte Leinwandikonen wie James Stewart, Bette Davis, Jane Wyman und Henry Fonda und machte Regisseure wie Alfred Hitchcock weltweit bekannt.

Lew Wasserman war gemeinsam mit seiner Ehefrau Edie seit der Geburt seines Enkels Casey 1974 dessen Hauptbezugspersonen. Großvater Lew nahm seinen Enkel früh mit auf Veranstaltungen und zu Verhandlungen. Dort soll Casey viel vom unternehmerischen Talent seines Großvaters abgeguckt haben.

Enges Verhältnis zu Großeltern

In einem kürzlich erschienenen Interview mit dem Branchenmedium Hits erklärt Casey Wasserman, dass er ein viel engeres Verhältnis zu seinen Großeltern hatte, als zu seiner leiblichen Mutter Lynne Wasserman. Das erste Konzert, das er mit seinen Großeltern besuchte, war eine Show von Frank Sinatra im Universal Amphitheater. Als Casey Wasserman 16 war, übernahm Lews MCA das Musiklabel Geffen Records (Nirvana, Aerosmith, Sonic Youth). Dort war auch seine Lieblingsband Guns N’ Roses unter Vertrag.

„Als Guns N’ Roses wenige Jahre später mit Metallica tourten, rief ich im Büro meines Großvaters an und fragte ihn nach vier Tickets für die Show im Rose Bowl“, erklärt er in dem Gespräch. „Mein Opa erwiderte: ,Wenn du da hinwillst, ruf David Geffen selbst an!’, und er legte auf. Also rief ich bei Geffen Records an, ließ mich durchstellen, und als David Geffen am Hörer war, schwitzte ich vor Aufregung.“ David Geffen gab ihm letztlich acht Tickets. „Komm morgen in mein Büro und hol dir die Tickets ab“, soll der Labelgründer gesagt haben. Es sei ein prägender Moment für den jungen Casey gewesen, aber was soll ein David Geffen auch sagen, wenn der Enkel seines Chefs nach Tickets fragt?

Epstein-Files: Hatte Wasserman eine Affäre mit Ghislaine Maxwell?

Um sich ein Standbein aufzubauen, das nicht direkt mit den Feldern seines Großvaters konkurrierte, baute Casey seine Karriere mit Sport auf. Mit 24 Jahren kaufte Casey für fünf Millionen Dollar das American-Football-Team Los Angeles Avengers. Im gleichen Jahr gründete er seine nach ihm benannte Sport- und Management-Agentur, nachdem er dafür seinen Familiennamen Nye aufgegeben und den prominenten Geburtsnamen seiner Mutter und seines Großvaters übernommen hatte.

Am Anfang des neuen Jahrhunderts kaufte er unter anderem die Filmproduktion 411 auf, die sich mit Skatevideos einen Namen machte, und arbeitete zudem für die William J. Clinton Foundation. In jenen Jahren traf er auch Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell im Rahmen einer umfangreichen Afrikareise im Herbst 2002.

Die Delegierten der Clinton-Stiftung reisten in dem Flugzeug von Epstein unter anderem nach Ghana, Nigeria, Ruanda und Südafrika. In einer aktuellen Stellungnahme beteuert Casey Wasserman, er habe keine „persönliche und geschäftliche Beziehung zu Jeffrey Epstein“ gepflegt. Dafür, so lässt sich aus den Epstein-Akten schließen, knisterte es zwischen Casey Wasserman und Ghislaine Maxwell umso mehr. Die veröffentlichten E-Mail-Korrespondenzen, spielten sich vornehmlich im Frühjahr 2003 ab.

„Wo bist du? Ich vermisse dich!“, schreibt die 13 Jahre ältere Maxwell an Wasserman am 1. April des Jahres. Am Folgetag beschreibt Maxwell eine Massage, die sie Wasserman anbietet: „Umm – all die Reibung – bist du sicher, dass du das aushältst? Der Gedanke alleine verschlägt mir den Atem“, heißt es in der Mail. „Es gibt einige besondere Stellen, die einen Mann verrückt werden lassen. Ich würde es gerne bei dir ausprobieren und du sagst mir, ob es funktioniert.“ Die Antwort von Wasserman: „Nimm mich!“ In späteren Mails geht es um Orte für mögliche gemeinsame Treffen. Wasserman schwärmt vom Lederoutfit, das Maxwell offenbar bei deren Treffen trug. In einer Mail vom 7. April schreibt Maxwell: „Ich kann nicht schlafen. Wo bist du, wenn ich dich brauche?“

Too big to fail?

Auch wegen dieser Mails steigt nun der öffentliche Druck auf Wasserman als Chef der Olympischen Sommerspiele 2028. Nach Chappell Roan und Billie Eilish distanzierten sich auch Bands wie Wednesday und Dropkick Murphys in den letzten Tagen von Wasserman. Der beteuert wiederum, dass er zu der Zeit von den kriminellen Machenschaften Epsteins nichts wusste. Unglaubwürdig bleibt allerdings, dass jemand, der von Kindesbeinen an Teil der Entertainment-Elite ist, sich mit Ende 20 schon mit Bill Clinton und anderen hochrangigen Menschen umgab und nicht zuletzt sich über 20 Jahre lang ein branchenübergreifendes Milliardenunternehmen zusammenkaufte, von alledem nichts wusste.

Mitwisserschaft ist zumindest nach deutschem Recht eine Straftat. Casey Wasserman ist unter Umständen nur ein weiteres Puzzlestück von vielen in der Aufdeckung des weltumspannenden Epstein-Skandals. Wie viele andere dürfte er aber „too big to fail“ sein, ein Mindset, das nicht nur Trump und seine Regierung zum dominierenden wie dominanten Mindset in der Causa Epstein etabliert haben. Seinen Posten als Olympia-Chef soll er nämlich weiterhin behalten. Die meisten seiner Superstars wie Brad Pitt, Kendrick Lamar und Ed Sheeran halten ihre Füße ebenfalls still.

Sie wissen alle zu gut, dass man sich mit den Großen im Geschäft nicht anlegt, weil diese wie Harvey Weinstein in der Lage sind, Karrieren auf Fingerzeig zu zerstören. Daher ist der Schritt von Chappell Roan bedeutsam. Sich nämlich mit den Opfern zu solidarisieren und nicht mit den Profiteuren und Tätern. Ob ihre Karriere darunter leiden wird und sie unter Umständen von der Unterhaltungsindustrie isoliert wird, muss die Zukunft zeigen. Dann würde wieder Courage bestraft und keine Mittäterschaft.

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