Epstein-Files: Warum Trump simpel nicht ins Wanken gerät

Rund drei Millionen Seiten wurden im Epstein-Fall veröffentlicht. Sie flattern im Cyberspace herum und müssen mühsam ausgewertet werden. So richtig haben sie den mächtigen Männern der USA nicht geschadet. Allen voran nicht Donald Trump


Seine Fans kennen ihn. Aber noch wichtiger: Sie sehen in ihm, was sie sehen wollen

Foto: Timothy A. Clary/Getty Images


Es ist unbestreitbar: Die vielen Namen mit Verbindungen zu Jeffrey Epstein haben Donald Trumps Freundschaft zu diesem Mann im Endeffekt ein wenig normalisiert. Trump komme in den Dokumenten häufiger vor als Harry Potter in den sieben Harry-Potter-Büchern, meinte ein demokratischer Kongressabgeordneter. Es gibt sie offenbar, diese Männer-Solidarität der Eliten und ihrer Steigbügelhalter. Auch wenn es um Missbrauch von Kindern und jungen Frauen geht.

Voller Hoffnung hatten manche Trump-Gegner spekuliert, Epstein würde den Präsidenten zum Stolpern oder gar zu Fall bringen. Die MAGA-Bewegung würde sich vielleicht streiten oder gar in einen Zwist verfallen.

Es ist nicht so gekommen, und nun erscheint es fast müßig, weiter zu forschen in den Papieren und nach „dem Beweis“ zu suchen. Die Epstein-Affäre erinnert ein wenig an die Suche nach Trumps geheimen Steuerdokumenten, die den Showman und Immobilienunternehmer bloßstellen sollten. Die New York Times hat 2020 teilweisen Zugang erhalten: Der vielfache Millionär habe 2016 und 2017 nur 750 Dollar Einkommensteuer gezahlt, berichtete die Zeitung. Das war interessant, doch überraschend eher nicht.

Der perfekte Skandal für eine Zeit der alternativen Realitäten

An die zwei Millionen Epstein-Dokumente sollen noch unter Verschluss sein. Sollte darin mehr gefunden werden zu Trump? Das glauben seine Leute offenbar nicht. Fake News halt. Die „Epstein Files“ sind der perfekte Skandal für eine Zeit der alternativen Realitäten, auf die sich Trumps Amtsführung gründet. So habe in Minneapolis ICE losschlagen müssen gegen die aus Somalia stammenden Menschen mit ihren kriminellen Machenschaften, heißt es. Wahlen seien Trump gestohlen worden. Migranten aus Haiti würden Haustiere verzehren, hieß es. Viele Amerikaner wollten das glauben.

Noch im Sommer 2025 hatte Trump behauptet, die Epstein-Papiere seien von Barack Obama und Joe Biden erfunden worden. Und ein bisschen weiter zurück: 2017 verbreiteten die Q-Anon-Manipulatoren die These von einem geheimen Netzwerk, mit dem Demokraten die Welt beherrschen und einen Sexring mit Kindern betreiben würden. Donald Trump werde kommen als Retter. Das wurde damals geglaubt, nicht nur am ganz rechten Rand der Republikanischen Partei.

Wenn man Millionen Seiten Material hat, verlieren zwei oder drei möglicherweise brisante Seiten die Aussagekraft. Und wer will schon annehmen, dass das US-Justizministerium trotz der sichtbaren Inkompetenz bei der Veröffentlichung, geplant oder nicht, die besonders anrüchigen Passagen, sollte es diese geben, nicht geschwärzt hat.

Trump-Fans sehen in ihm, was sie wollen

Die US-Amerikaner kennen Trump. Das heißt, sie sehen in ihm, was sie sehen wollen. Da braucht es keine Epstein-Files. 2016 wählten US-Amerikaner Trump erstmals zum Präsidenten. Das geschah wenige Wochen nach Bekanntwerden einer Videoaufzeichnung, auf der Trump prahlte, dass man als Star mit Frauen alles machen könne.

So haben die in den Epstein-Files erwähnten Menschen in Kauf genommen, dass Epstein 2008 wegen Anstiftung zur Prostitution verurteilt worden ist, und in einem weiteren Fall wegen der Prostitution einer Minderjährigen. Und trotzdem war Handelsminister Howard Lutnick 2012 auf Epsteins Insel in der Karibik. Und der heute für die staatlichen Krankenversicherungsprogramme zuständige Mehmet Oz hat den Sexualstraftäter laut einer der Mails in den Files noch 2016 zu einer Valentin-Party eingeladen.

Trumps Fans und Geldgeber suchen die Nähe zur Macht, die er ausstrahlt. Ähnlich wie bei Epstein.

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