Die Grausamkeit lässt sich in einer nüchternen Excel-Tabelle verstecken. In Zahlenkolonnen, Namenslisten, Fußnoten und Spiegelstrichen. Das Unsagbare kommt dann fast harmlos daher. Und es klingt fast nach alltäglichem Geschäft, wenn in einer Präsentation der Deutschen Bank zu Jeffrey Epstein auf Seite 21 ein Kapitel überschrieben ist mit: „Zusammenfassung von Zahlungen an offenbar ausländische Models“. Dabei geht es in Wahrheit wohl darum, mit Zahlungen junge Frauen in das ausbeuterische System Epstein zu locken.
Im September 2019 – Epstein ist da schon einen Monat tot – erstellte die Deutsche Bank dieses vertrauliche Dokument, das ihre Geschäftsbeziehung mit dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein aufarbeitet. Adressiert ist es an die Staatsanwaltschaft von New York. Dort war Epstein von 2013 bis 2018 Kunde der Bank. Mehrere Dutzend Konten führte er bei dem Geldinstitut, der Zahlungsverkehr für seine Stiftung, sein Flugzeug, seine Ranch, alles wurde über die Bank abgewickelt. Die Präsentation ist Teil der drei Millionen Unterlagen umfassenden letzten Tranche der Epstein-Files, die das US-Justizministerium vergangene Woche veröffentlicht hat. In dem Dokument werden nicht nur die Geschäfte eines äußerst wohlhabenden Kunden beschrieben. Es zeigt auch detailliert, wie das System Epstein funktionierte. Jungen Frauen wurden Studiengebühren, Sprachkurse und Ausgaben für Aufenthaltstitel erstattet. Epstein konnte da sehr großzügig sein.