Bill Clinton hat vor seiner Befragung vor dem US-Repräsentanten jede Kenntnis von Straftaten des Sexualstraftäters Epstein zurückgewiesen. In einer Erklärung schrieb der Ex-US-Präsident, er habe „nichts gesehen und nichts Falsches getan“.
Der frühere US-Präsident Bill Clinton hat vor Kongressmitgliedern zu seinen einstigen Kontakten zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein ausgesagt. In einer Stellungnahme, die er auf der Plattform X postete, teilte er mit Blick auf Epstein mit: „Ich habe nichts falsch gemacht“. Er sei sich keiner Straftaten des Finanziers bewusst gewesen.
Seine Bekanntschaft mit Epstein, der 2019 gestorben war, sei nur kurz gewesen und habe geendet, Jahre bevor dessen Verbrechen ans Licht gekommen seien. Clinton betonte, er habe während seiner begrenzten Kontakte „keinerlei Anzeichen“ für das tatsächliche Geschehen wahrgenommen. Er wolle unter Eid nichts sagen, dessen er sich nicht sicher sei. „Sie werden mich oft sagen hören, dass ich mich nicht erinnere“, schrieb er. Spekulationen oder Mutmaßungen wolle er nicht äußern – er werde „nicht 24 Jahre später Detektiv spielen“.
Bekanntschaft breit dokumentiert
Bill Clintons Verhältnis zu Epstein und dessen ehemaliger Freundin Ghislaine Maxwell in der Zeit zwischen Ende der 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre ist öffentlich bekannt. In den vergangenen Wochen sind mehrere Fotos des Ex-Präsidenten in den Dokumenten zu den Ermittlungen gegen Epstein und Maxwell aufgetaucht, die vom US-Justizministerium veröffentlicht wurden.
Es wirke zumindest so, dass sie alle sehr vertraut waren und sich gut kannten, so ARD-Korrespondentin Gudrun Engel. Es gebe die Information, dass Epstein allein 17 Mal im Weißen Haus zu Gast war, als Bill Clinton Präsident war und dass Clinton mindestens 27 Mal sich in einem Flugzeug befunden hat, das Epstein gehört oder dass er gechartert hatte. Später habe Epstein die Stiftung der Clintons, auch nach dessen Zeit als Präsident, finanziell deutlich unterstützt.
Was sind die Epstein-Files?
Die sogenannten Epstein-Files bezeichnen eine umfangreiche Sammlung von Dokumenten, Zeugenaussagen und Gerichtsunterlagen rund um den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Der US-Multimillionär soll über Jahre hinweg ein Netzwerk zum sexuellen Missbrauch junger Frauen und Minderjähriger aufgebaut haben. Epstein wurde 2019 erhängt in seiner Gefängniszelle in New York aufgefunden, bevor es zu einem Strafprozess kommen konnte.
Im Mittelpunkt der Epstein-Files stehen Gerichtsakten aus Zivilprozessen, vor allem aus einem Verfahren der Epstein-Vertrauten Ghislaine Maxwell, die 2021 wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch verurteilt wurde. Viele dieser Unterlagen waren lange unter Verschluss. Anfang 2024 ordnete ein US-Gericht an, zahlreiche Dokumente öffentlich zugänglich zu machen. Es folgten weitere Veröffentlichungen.
Die Akten enthalten unter anderem Aussagen von Opfern und Zeugen, E-Mails, Fotos, Videos sowie Namen von Personen, die mit Epstein in Kontakt standen. Darunter finden sich Prominente aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Die bloße Nennung eines Namens bedeutet keine Schuld. Zahlreiche Personen werden lediglich erwähnt, ohne dass ihnen strafbares Verhalten vorgeworfen wird.
Die Akten belegen, wie weitreichend Epsteins Kontakte waren und wie er offenbar seinen Reichtum und Einfluss nutzte, um sich und andere Beteiligte zu schützen. Zugleich zeigen sie, dass Justizbehörden schon früh Hinweise auf mögliche Straftaten Epsteins hatten. So meldeten sich bereits Anfang der 2000er-Jahre mehrere junge Frauen bei Polizei und Staatsanwaltschaft, ohne, dass es zu einer umfassenden Strafverfolgung kam. Eine vollständige Aufarbeitung steht bis heute aus.
Aussage hinter verschlossenen Türen
Die Aussage fand hinter verschlossenen Türen in Clintons Wohnort Chappaqua im US-Bundesstaat New York statt. Es ist das erste Mal, dass ein ehemaliger US-Präsident dazu gezwungen wurde, vor Mitgliedern des Kongresses auszusagen. Am Donnerstag hatte das bereits seine Ehefrau, Ex-Außenministerin Hillary Clinton, getan.
Es gehe in dem Ausschuss nicht darum, neue Ermittlungen anzustoßen, so ARD-Korrespondentin Engel – das dürfe er rechtlich auch gar nicht. Vielmehr wolle man Transparenz zu schaffen und einmal klar aufzufächern, dass es ein riesengroßes Netzwerk und Geflecht gab, in dem sich die Reichen und die Schönen offenbar immer alle auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, nämlich Epstein einigen konnten.
Hillary Clinton ebenfalls vorgeladen
Hillary Clinton sagte Abgeordneten, sie habe nichts von den kriminellen Machenschaften des inzwischen verstorbenen Epstein gewusst, dem sexueller Missbrauch von Mädchen vorgeworfen wird. Zudem könne sie sich nicht daran erinnern, ihn getroffen zu haben.
Die frühere First Lady sagte, sie gehe davon aus, dass ihr Mann aussagen werde, dass er ebenfalls nichts von dem sexuellen Missbrauch durch den Finanzier Epstein gewusst habe zu der Zeit, als die beiden noch Kontakt zueinander hatten.
Forderung nach Aussage Trumps
Im Lager der Demokraten des zu Epstein ermittelnden Kongressausschusses wird die erzwungene Aussage von Bill Clinton als Präzedenzfall gesehen, der auch für Donald Trump gelten sollte. Auch dieser hatte Beziehungen zu Epstein. „Wir fordern umgehend, dass wir Präsident Trump bitten, vor unserem Ausschuss auszusagen“, sagte der demokratische Abgeordnete Robert Garcia. Der republikanische Vorsitzende des Ausschusses, James Comer, ist aber nicht dazu bereit.
Trump selbst versuche immer wieder, das ganze Thema in Richtung Clinton von sich wegzuschieben, meint ARD-Korrespondentin Engel. Durch die Aussagen sei es jetzt eher wahrscheinlich geworden, dass „das Ganze wie ein Bumerang zurückkommt und auch Trump irgendwann vorgeladen wird“.
Wer war Jeffrey Epstein?
Jeffrey Epstein war ein US-amerikanischer Finanzmanager und Multimillionär, der vor allem durch den Aufbau eines massiven Missbrauchsnetzwerks bekannt wurde. Er wurde 1953 in Brooklyn, New York, geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Epsteins Eltern gehörten der Mittelschicht an. Sein Vater arbeitete für die Stadt New York, seine Mutter war Hausfrau.
Nach einem Studium ohne Abschluss arbeitete Epstein in den 1970er-Jahren als Lehrer an einer Elite-Privatschule in Manhattan. Über Kontakte wechselte er später in den Finanzsektor. Dort machte er rasch Karriere, zunächst bei einer Investmentbank. Wie genau er sein Vermögen aufbaute, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Bekannt ist, dass er als Vermögensverwalter für wohlhabende Kunden tätig war. Er pflegte einflussreiche Netzwerke zu Spitzenpolitikern, Unternehmern, Wissenschaftlern und Prominenten.
Zu seinem Besitz gehörten mehrere Luxusimmobilien, darunter auch eine Privatinsel auf den Virgin-Islands, bekannt als „Little Saint James“. Nach Aussagen von Opfern soll die Insel ein zentraler Ort für die sexuellen Übergriffe gewesen sein. Eine wichtige Rolle dabei spielte Epsteins Vertraute Ghislaine Maxwell, die ihm half, junge Frauen und Minderjährige für ihn anzuwerben, zu kontrollieren und zu missbrauchen.
Bereits in den 1990er-Jahren gab es erste strafrechtliche Beschwerden gegen Epstein wegen sexueller Übergriffe. 2008 wurde er als Sexualstraftäter verurteilt. Er hatte sich vor einem US-Gericht unter anderem schuldig bekannt, eine Minderjährige zur Prostitution angestiftet zu haben. Er erhielt eine 18-monatige Haftstrafe, von der er etwa 13 Monate verbüßte. Durch einen umstrittenen Deal konnte er die meiste Zeit davon außerhalb des Gefängnisses verbringen.
2019 wurde Epstein wegen schwerer Vorwürfe erneut verhaftet. Kurz danach wurde er erhängt in seiner Gefängniszelle in New York aufgefunden, bevor es zu einem Strafprozess kommen konnte.
Source: tagesschau.de