Entlassung von Kristi Noem: Die richtige Entscheidung aus den falschen Gründen

Kristi Noem führte einst einen Hund zu einer Kiesgrube und beendete sein Leben mit der kalten Präzision eines Mafia-Auftragsmörders. Am Donnerstag sah sich die Ministerin für innere Sicherheit mit der bitteren Wahrheit konfrontiert, dass auch sie entbehrlich ist.

Noem war damit das erste Kabinettsmitglied, das in Donald Trumps zweiter Amtszeit entlassen wurde – in krassem Gegensatz zu dem Chaos der ersten Amtszeit, das an das Raus und Rein an einer Drehtür erinnerte. Wie andere Mitglieder des Teams Trump hatte sie angenommen, dass demonstrative Loyalität gegenüber dem Präsidenten sie schützen würde.

Als Gesicht der Einwanderungskontrolle, das sich oft selbst ins Zentrum des Geschehens stellte, war es ihr gelungen, Trumps wichtigstes Thema zu einer politischen Belastung zu machen. Dazu kam ein katastrophaler Auftritt vor dem Kongress in der ersten Märzwoche. Das reichte dem US-Präsidenten, um seinen Reality-TV-Satz wieder aufleben zu lassen: „You’re fired!“ – Sie sind gefeuert!

Kristi Noem cosplayte jede Form von Grenzbeamten

Trump erzählte Anfang des Monats eine Geschichte über ein anderes Kabinettsmitglied: Energieminister Chris Wright, hatte kürzlich eine Rede gehalten, in der er, anstatt nur „Kohle“ zu erwähnen, jedes Mal den Ausdruck „saubere, schöne Kohle“ verwendete, um den Präsidenten zu beeindrucken. „Ich sagte: ‚Chris, ganz ruhig!‘“, erinnerte sich Trump vor einem amüsierten Publikum.

Noem war für die Einwanderungsbehörde das, was Wright für die Kohleindustrie war. Sie gab sich zu sehr Mühe. Performatives Cosplay war ein Ausdruck davon: Manchmal zog die 54-Jährige eine Schutzweste an und begleitete Beamte bei Razzien gegen Einwanderer, während Kameras filmten, obwohl die frühere Gouverneurin von South Dakota keinen Hintergrund in der Strafverfolgung hat.

Während ihres Besuchs in einem Gefängnis in El Salvador posierte sie vor einer Gruppe von tätowierten Männern mit nacktem Oberkörper hinter Gittern. Die Trump-Regierung hat in dieses Gefängnis Leute geschickt, die sie als Gangmitglieder beschuldigt. In den sozialen Medien bezeichnete Noem wegen Verbrechen verurteilte Einwanderer als „Dreckskerle“.

ICE-Beamte außer Kontrolle

Unterdessen herrschte unter ihrer Führung im Inland Terror: Maskierte Mitarbeiter der Einwanderungsbehörden (ICE) fielen in Los Angeles, Chicago und Washington ein und durchkämmten Nachbarschaften und Parkplätze von Baumärkten nach Leuten, die gegen das Einwanderungsgesetz verstoßen haben könnten.

Zunächst zeigte sich Trump unbeeindruckt und begrüßte den harten Kurs. Aber auch hier ging Noem zu weit. Die Razzien in Minneapolis gerieten mit groß angelegten Durchsuchungen und dem Einsatz von Tränengas auf den Straßen außer Kontrolle. Trump erkannte, wie negativ das auf seiner wichtigsten Plattform, dem Fernsehen, rüberkam.

Hastig warf Neom den beiden US-Bürgern, die in Minneapolis von Bundesbeamten erschossen worden waren, „inländischen Terrorismus“ vor – eine Behauptung, die durch Videoaufnahmen widerlegt wurde. Daraufhin entließ Trump Greg Bovino, den Architekten der Operation, der direkt Noem unterstellt war, und ersetzte ihn durch den Grenzschutzbeauftragten Tom Homan, mit dem Noem einen langen Machtkampf geführt hatte.

Luxusausgaben und private Skandale

Außerdem gab es zunehmend Kritik an Noem wegen der Art und Weise, wie das Ministerium für Innere Sicherheit (DHS) die vom Kongress bewilligten Milliardenbeträge ausgab. Unter anderem ging es um den Kauf von zwei Gulfstream G700 Luxusjets für 172 Millionen US-Dollar während eines Regierungs-Shutdowns sowie um das Tempo der durch die Federal Emergency Management Agency (Fema) genehmigten Notfallfinanzierung für Katastrophenhilfe.

Dazu kamen Noems persönliche Skandale, darunter die lang anhaltenden Gerüchte um eine außereheliche Affäre mit ihrem Top-Berater Corey Lewandowski, der 2016 Trumps erster Wahlkampfmanager war. Auch er wurde nun entlassen.

Zuvor war angeblich ein Pilot der US-Küstenwache entlassen worden, nachdem eine von Noems persönlichen Decken im Flugzeug zurückgelassen worden war – nur um wieder eingestellt zu werden, weil niemand anderes für den Rückflug zur Verfügung stand.

Kristi Noems entscheidender Fehler: Die falschen Lügen über Donald Trump erzählen

Die Probleme spitzten sich diese Woche zu, als Noem sich zwei Tage lang einer Befragung im Kapitol stellen und von den Republikanern ungewöhnlich scharfe Kritik einstecken musste. Ein besonderer Stein des Anstoßes war eine 220 Millionen Dollar teure Werbekampagne, die eine Szene zeigte, in der Noem in ihrem Heimatstaat South Dakota auf einem Pferd am Mount Rushmore ritt.

Noem erzählte den Mitgliedern des Kongresses, dass Trump im Voraus von der Kampagne gewusst habe, doch Trump bestritt dies in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. „Davon habe ich niemals etwas gewusst“, sagte er.

Das brachte das Fass zum Überlaufen. Trump war „angeblich besonders verärgert“ über Noems aus seiner Sicht verräterische Antwort, berichtete Punchbowl News, und fragte die Republikaner, ob er sie entlassen solle. Kurz darauf gab er in den sozialen Medien bekannt, dass Noem künftig eine andere Aufgabe erhalte: Sonderbeauftragte für die von Trump initiierte multinationale Militärzusammenarbeit Shield of the Americas. Neuer Chef für Heimatschutz werde Markwayne Mullin, ein republikanischer Senator aus Oklahoma.

Die schlechteste US-Ministerin für innere Sicherheit

Noem zu entlassen, war die richtige Entscheidung aus dem falschen Grund. Die demokratische Senatorin für Massachusetts, Elizabeth Warren, kommentierte kurz nach der Entlassung: „Verstehe ich das richtig: Trump hat Noem gefeuert, nachdem sie gelogen hatte und herauskam, dass sie über 200 Millionen Dollar an Steuergeldern für Werbung für sich selbst ausgegeben hat. Aber als zwei Amerikaner von ihren Bundesbeamten getötet wurden, hat er keinen Finger gerührt?“

Tatsächlich werden viele Noem als schlechteste US-Ministerin für innere Sicherheit betrachten, die es je gab. Sie verteufelte Einwanderer und brachte Leid über nicht kriminelle, arbeitende Einwanderer und Familien. Die Zahl der Todesfälle in Einwanderungshaft stieg während ihrer Amtszeit auf den höchsten Stand seit zwei Jahrzehnten. Gleichzeitig wurde die Zahl der Mitarbeiter in den Aufsichtsbehörden des Ministeriums für Innere Sicherheit drastisch reduziert.

Miles Taylor, der während Trumps erster Amtszeit Personalchef des Ministeriums war, schrieb auf X: „Kristi Noem wird dafür in Erinnerung bleiben, dass sie das amerikanische Volk genauso behandelt hat wie ihre Hunde.“

ArchitektenArtBeamteBeraterChicagoChrisDollarDonaldEinstEl SalvadorElizabethFamilienFernsehenGeschichteHintergrundHundeICE-Innere SicherheitInterviewKamerasKohleKongressKristiKritikKurzLanglebenLewandowskiLos AngelesMedienMilesMinneapolisMountMüheNeuerNewsNoemRazzienRegierungSelbstSicherheitSkandaleSteinStraßenTaylorTerrorismusTomTrumpTVUSUS-DollarVerbrechenWarrenWashingtonWeilWeiseWerbungWrightX
Comments (0)
Add Comment