Energiewende: Warum welcher Offshore-Ausbau so schleppend verläuft

Der amerikanische Präsident hat beim Ausbau der Windkraft schon Tabula rasa gemacht. „Statt ineffiziente Windräder zu bauen, die Geld verlieren, schalten wir sie ab und genehmigen keine neuen“, wetterte Donald Trump, der von dem Thema geradezu besessen scheint, bei seinem Auftritt auf dem Weltwirtschaftsforum am Mittwoch im schweizerischen Davos. Sie würden bloß „Landschaften ruinieren und Vögel töten“. Aufgrund der fehlenden politischen Unterstützung haben viele Energieversorger ihre Projekte vor der amerikanischen Ostküste inzwischen auf Eis gelegt.

Doch auch in Europa hinkt der Ausbau der Windkraft in Nord- und Ostsee den selbst gesteckten Zielen hinterher. Im ersten Halbjahr 2025 wurden nach Angaben des Branchenverbands Windeurope gerade einmal 741 Megawatt neu gebaut – der Großteil davon in Großbritannien, der Rest in Frankreich (siehe Karte). Das waren 30 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. In Deutschland kam im genannten Zeitraum kein einziges Windrad neu hinzu. Erst im Dezember folgten zwei Windräder im von EnBW betriebenen Windpark He Dreiht.

Insgesamt sind in deutschen Gewässern nun 9300 Megawatt installiert. Von den 30.000 Megawatt, die man sich bis 2030 vorgenommen hat, ist das weit entfernt. Zumal die letzte große Ausschreibung im August überhaupt keine und diejenige im Juni zuvor nur wenige Bieter gefunden hatte. Interessenten verwiesen im Anschluss auf die stark gestiegenen Bau- und Finanzierungskosten infolge geopolitischer Spannungen. Weitere Probleme seien ein geringeres Tempo bei der Elektrifizierung und die damit verbundene geringere Stromnachfrage, Engpässe im Stromnetz, bei Häfen und Schiffen, Lieferketten- sowie anhaltende Genehmigungsprobleme, heißt es seitens des Verbandes.

Probleme auch im Ausland

Auch in anderen Ländern führt dieser Cocktail an Problemen zu dürftigen Aussichten in den kommenden Jahren. „Aktuell ist auf vielen europäischen Märkten ein massives Wegbrechen von Projekten zu beobachten“, heißt es in einem Positionspapier des VDMA von Anfang Dezember. In Dänemark und den Niederlanden verliefen Ausschreibungen, ähnlich wie in Deutschland, zuletzt ohne Ergebnis. Die niederländische Regierung hat im Sommer wegen der steigenden Kosten ihr Ausbauziel für 2040 sogar von 50.000 auf 30.000 bis 40.000 Megawatt heruntergeschraubt. Auch in Frankreich läuft es für Investoren nicht gut.

Auf dem Papier gilt das Land eigentlich schon seit Jahren als Windkraft-Eldorado. Neben vielen wenig besiedelten Regionen im Landesinneren bieten Tausende Kilometer Küste im Norden, Westen und Süden ein gewaltiges Potential, das bislang kaum ausgeschöpft wird. Auch bei der Netzverfügbarkeit sieht es nach Ansicht des Verbands gut aus. Trotzdem sind dort offshore gerade einmal Windräder mit einer Leistung von 1600 Megawatt installiert. 1500 Megawatt befinden sich aktuell im Bau. Geht es nach Präsident Emmanuel Macron, sollen es bis Mitte dieses Jahrhunderts 45.000 Megawatt sein.

In Deutschland soll nun eine Umstellung der Förderung die Wende bringen. Das aktuelle Ausschreibungsverfahren, bei dem Interessenten auf eine möglichst niedrige staatliche Förderung bieten – die theoretisch auch negativ sein kann, sodass Bieter für Flächen zahlen müssen –, führe zu „immensem Kostendruck auf die Lieferkette“ und gefährde die „Realisierung, Resilienz und den sicheren Betrieb von Projekten“, kritisiert der VDMA.

Windeurope wünscht sich stattdessen die Einführung von zweiseitigen Differenzverträgen („CfDs“). Dabei würden Betreiber und Staat einen Vertrag mit einem festgelegten Referenzpreis schließen. Läge der Marktpreis dann unter dem Referenzpreis, würde der Staat dem Betreiber die Differenz zahlen. Umgekehrt – wenn der Marktpreis höher als der Referenzpreis läge – würde der Betreiber dem Staat die Differenz erstatten. Dies soll die Investitionssicherheit der Projektierer erhöhen und insbesondere die Finanzierung der kapitalintensiven Projekte erleichtern. Auch soll die Wahrscheinlichkeit erhöht werden, dass die Projekte, nachdem sie bezuschlagt wurden, tatsächlich realisiert werden.

Bundeswirtschaftsministerin Kathe­rina Reiche (CDU) gilt als Anhängerin dieses Instruments. Die aktuelle Förderung kann jedenfalls nur noch bis Ende dieses Jahres aufrechterhalten werden – dann endet die beihilferechtliche Genehmigung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes durch Brüssel. Und die Europäische Kommission hat schon durchblicken lassen, dass sie in Differenzverträgen ein geeignetes Förderinstrument sieht. Weiterhin soll es die Möglichkeit geben, erzeugten Strom direkt an große Abnehmer zu verkaufen.

Differenzverträge als Lösung?

In anderen Ländern funktioniert das Instrument der Differenzverträge schon. Vor wenigen Tagen erst wurden im Vereinigten Königreich 8,4 Gigawatt bezuschlagt – die bisher größte erfolgreiche Auktion in Europa jemals. In der Ausschreibung erfolgreiche Unternehmen wie RWE erhalten somit über 20 Jahre garantierte Erlöse. Auch in Frankreich ist die Förderung über Differenzverträge schon gängige Praxis.

„Frankreich verfügt über ein gutes Offshore-Windauktionssystem“, heißt es von Windeurope. Die genannten Faktoren trügen dazu bei, die Kosten für Offshore-Windenergie zu senken, und böten Entwicklern starke Anreize, an den französischen Offshore-Windauktionen teilzunehmen.

In der Praxis bläst Investoren in dem Land jedoch seit einigen Monaten kräftiger Gegenwind entgegen. Die allgemeine politische Instabilität, gepaart mit einem energiepolitischen Zickzackkurs, hat viele ausländische Unternehmen verschreckt. Die Anti-Windkraft-Stimmung ist noch feindseliger als in Deutschland.

Sie wird von den weiter erstarkenden Rechtspopulisten befeuert. Mittelständler, Banken und Investmentfonds, aber auch Konzerne haben sich in der Folge aus dem Land verabschiedet. RWE hat seinen Rückzug aus einem Offshore-Konsortium mit Totalenergies angekündigt, Iberdrola seine Onshore-Aktivitäten verkauft.

Schon seit Monaten wartet die Energiewirtschaft vergeblich auf ein Dekret oder Gesetz zur mittelfristigen energiepolitischen Planung. In diesem Rahmen will die Regierung in Paris Ziele für Erzeugung und Verbrauch sowie konkrete Ausbaupfade für die kommenden zehn Jahre festlegen.

Am Montag treffen sich in Hamburg zunächst einmal die Energieminister zahlreicher Anrainerstaaten zum sogenannten „Nordseegipfel“, von dem ein klares Signal der Zusammenarbeit ausgehen soll, um den Ausbau weiter zu beschleunigen. Ziel sei es, die unterschiedlichen Offshore-Flächen besser zu einem „einzigen großen Nordseekraftwerk“ zu vernetzen, heißt es aus dem Bundeswirtschaftsministerium.

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