Der baden-württembergische Energieversorger EnBW verteidigt das Netzpaket von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). „Ich halte die Idee, den Ausbau der erneuerbaren Energien mit dem Ausbau der Netze zu synchronisieren, für richtig“, sagte Vorstandschef Georg Stamatelopoulos am Mittwoch bei der Bilanzpressekonferenz in Stuttgart.
Der Manager verwies dabei darauf, dass sein Unternehmen schon seit 2023 jeden Solar- und Windpark mit einem Batteriespeicher ausstatte. „Das machen wir, um das Netz zu entlasten“, erläuterte Stamatelopoulos weiter. „Für uns ist ein gutes Projekt für erneuerbare Energien keines, bei dem wir nur gute Wind- oder günstige Pachtverhältnisse haben. Ein gutes Projekt ist eines, bei dem der Netzanschluss vorhanden ist.“
Ein Gesetzentwurf der Wirtschaftsministerin sieht vor, dass Netzbetreiber Neuanschlüsse von Ökostromanbietern ablehnen dürfen, wenn die Produzenten nicht von vornherein verzichten, auch dann bezahlt zu werden, wenn ihr Strom dort nicht abgenommen werden kann. Mit dem Entwurf reagiert Reiche darauf, dass Anbieter bisher auch ans Netz angeschlossen und honoriert werden, wenn sie am Bedarf vorbei produzieren und die Leitungskapazitäten nicht ausreichen. Umweltverbände und Grüne werfen Reiche vor, den Ausbau von Ökostrom auszubremsen.
EnBW fordert Ausschreibungen für die Gaskraftwerke
Diese Kritik kommt nach Auffassung des EnBW-Chefs vor allem von Anbietern, die im Gegensatz zu Unternehmen wie EnBW, die sowohl die Ökostromerzeugung als auch den Netzausbau effizient organisieren müssen, nur an ihren Solar- oder Windpark denken. „Da wird gesagt, dass da einfach Projekte für erneuerbare Energien kaputt gemacht werden“, sagte Stamatelopoulos.
Anders liege die Sache beim sogenannten Redispatch-Vorbehalt. Reiches Idee ist, dass Ökostromanbieter in Gebieten, in denen die angeschlossenen Anlagen im Vorjahr mehr als drei Prozent ihres Stroms nicht liefern konnten, weil er sich wegen Netzengpässen nicht wegleiten ließ, zehn Jahre lang auf Entschädigungen bei Abregelungen verzichten sollen. Das könne besser geregelt werden, erklärte der EnBW-Chef.
Vor allem jedoch mahnte Stamatelopoulos an, dass neben der Reform der Netzentgelte auch die Ausschreibungen für die Gaskraftwerke, die im Fall von Dunkelflauten die Stromversorgung sicherstellen sollen, endlich auf den Weg gebracht werden. „Es ist unwahrscheinlich, dass das bis September gelingt, es wäre aber auch ein Erfolg, wenn wir es bis zum Jahresende schaffen“, sagte er.
Dabei müsse der Ausbau der Erneuerbaren mit der Ausschreibung für die Kraftwerke gekoppelt werden, weil Betreiber bei ihrem Angebot sonst keine seriösen Kalkulationen vornehmen könnten. Stamatelopoulos begrüßte, dass die Bundesregierung beim Aufbau eines notwendigen Kapazitätsmarktes mittlerweile für ein Zentralmodell nach belgischem Vorbild votiere.
Insgesamt hat der Energieversorger 2025 mit 7,6 Milliarden Euro in den Ausbau der Transport- und Verteilnetze, in Windparks an Land und auf See, in Solaranlagen und flexibel einsetzbare Gaskraftwerke investiert. Das sind 22 Prozent mehr als im Vorjahr. 800 Megawatt installierte Leistung aus Ökostrom kamen hinzu, die nun zwei Drittel der eigenen Erzeugung ausmachen. Bis 2030 soll der Anteil der Erneuerbaren an installierter Erzeugungsleistung auf bis zu 80 Prozent steigen. Das bereinigte operative Gewinn (Ebitda) lag im vergangenen Jahr den Angaben nach bei 5,1 Milliarden Euro (plus 3,4 Prozent).