In Kubas Hauptstadt Havanna sind die Auswirkungen der verschärften US-Sanktionen immer stärker zu spüren. Aufgrund des daraus resultierenden Treibstoffmangels seien von 106 Müllwagen nur noch 44 einsatzbereit, berichtete etwa das staatliche Nachrichtenportal Cubadebate. An den Straßenecken der Hauptstadt stapelten sich Abfälle. In anderen Städten der Insel warnten Einwohner in sozialen Medien vor Risiken für die öffentliche Gesundheit. UN-Generalsekretär António Guterres sei sehr besorgt über die Lage, sagte sein Sprecher Stéphane Dujarric.
Autofahrerinnen und Autofahrer müssen laut Berichten der Nachrichtenagentur AP teils mehrere Monate auf einen Tanktermin warten. Um Chaos vor Tankstellen zu vermeiden, hatte die kubanische Regierung vergangene Woche die Nutzung der App Ticket vorgeschrieben, um Termine zu erhalten. Doch Fahrer in Kubas Hauptstadt Havanna berichteten AP, dass ihnen die App erst in mehreren Wochen oder Monaten Termine zuteile.
Ein Liter Benzin kostet bis zu sechs Dollar
Die kubanische Regierung hat zudem den Verkauf von Benzin in Landeswährung zu subventionierten Preisen eingestellt und verkauft nun nur noch teureren Kraftstoff, der in US-Dollar bezahlt werden muss.
Ein Liter Benzin kostet an Tankstellen derzeit 1,30 US-Dollar und auf dem wachsenden Schwarzmarkt bis zu sechs Dollar (umgerechnet etwa fünf Euro). Staatsbedienstete in Kuba verdienen weniger als 20 US-Dollar im Monat, wenn ihre in kubanischen Pesos ausgezahlten Gehälter umgerechnet werden. Wenn Autofahrer schließlich tanken dürfen, können sie an den Tankstellen nur 20 Liter Benzin kaufen.
Spanien will humanitäre Hilfe in Form von Lebensmitteln und wichtigen medizinischen Produkten in das Land schicken und dabei Kanäle der Vereinten Nationen nutzen. Das kündigte das spanische Außenministerium nach einem Treffen der Außenminister beider Länder in Madrid an.
Zuvor hatte bereits Mexiko 800 Tonnen humanitäre Hilfe nach Kuba geliefert. Zwei Marineschiffe mit Hilfsgütern aus Mexiko trafen in der vergangenen Woche in dem Karibikinselstaat ein.
Hintergrund der aktuellen Krise auf Kuba ist der Einbruch der nationalen Ölversorgung in den vergangenen zwei Monaten. Venezuela, einst Kubas wichtigster Lieferant, hat seine Lieferungen Mitte Dezember eingestellt. Auch die Regierung in Mexiko stoppte die Transporte, nachdem die US-Regierung den Ländern, die Kuba beliefern, mit Zöllen gedroht hatte. Die USA halten seit 1960 ein Embargo gegen Kuba aufrecht. Die Regierung von Präsident Donald Trump hat ihre Haltung jedoch in den vergangenen Monaten verschärft und Sanktionen gegen Schiffe verhängt, die Öl auf die Insel bringen. Damit soll der Druck für einen politischen Wandel in Kuba erhöht werden. Die UN haben die USA wiederholt aufgefordert, das Embargo zu beenden. Kuba hat bereits mit häufigen Stromausfällen sowie Lebensmittel- und Medikamentenknappheit zu kämpfen.