Endlich Freitag: Ukraine-Krieg, The Notwist, Robert Walser

Hallo,

all eyes on Naher Osten.

Da geht schon fast ein wenig unter, dass in der Ukraine ja immer noch gekämpft wird.

Einer, der das Ohr nahe an den russischen Militärbloggern und ihren Telegram-Accounts hat, ist der Autor Nikita Gerasimow, der seit nunmehr vier Jahren kundige Beiträge über den Ukrainekrieg für den Freitag schreibt. Entdeckt wurde Gerasimow, der in Berlin lebt und an der FU sowie in Moskau studiert hat, von uns auf Twitter. So kommt man manchmal zu seinen Autoren.

Nun ist Gerasimow wieder einmal tief in die ukrainischen und russischen Kriegsdebatten eingetaucht und hat ein sensationelles Gerücht registriert. Der Krieg soll nicht mit einem Waffenstillstand enden oder gar mit einem Friedensvertrag, sondern schlicht „auslaufen“. Unter dem Titel „Kalter Anker“ hätte die russische Führung einen Plan ausgearbeitet, der ein Auslaufen bis zur Einstellung der Kampfhandlungen bis zum 15. Mai 2026 vorsieht. Der ukrainischen Führung liege der Plan vor.

„In den darauffolgenden Monaten soll der Krieg in der breiten Medienlandschaft mit sporadischen standardisierten Meldungen über den Beschuss der Grenze oder ‚Provokationen des Gegners‘ auskommen. Insgesamt gäbe es, so heißt es, beim ‚Kalten Anker‘ einen 18-monatigen Zeitplan, der grob gerechnet bis zum Beginn des US-Wahlkampfes um die nächste Präsidentschaft im Jahr 2028 reichen soll.“

Dass das einigermaßen abenteuerlich klingt, weiß auch Gerasimow. Und er verweist darauf, dass es in der Vergangenheit immer wieder Gerüchte über ein baldiges Kriegsende gegeben hat, die sich nicht bewahrheitet haben. Befeuert wird das jüngste Gerücht aber durch einen traurigen Grund. Durch die Eskalation des USA-Israel-Iran-Konflikts stünde ein solches „Auslaufen“ im Interesse aller Akteure.

1. Heute wichtig

  • Gesunde Pilznetzwerke helfen Bäumen und Pflanzen beim Wachsen und sind daher für eine erfolgreiche Wiederaufforstung von entscheidender Bedeutung. Das einzige Problem: Über diese unterirdische Ökologie ist fast nichts bekannt
  • Ministerpräsident mit Migrationshintergrund: Viele, die Özdemirs Wahlsieg als Zäsur feiern, scheinen zu vergessen, zu welchem Preis er gewonnen hat
  • Slavoj Žižek: Vampirfilme erzählen viel über Eliten und Klassen. Oscar-Favorit Sinners ist nicht nur in dieser Hinsicht außergewöhnlich

2. Made My Day

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Echt jetzt? An schlechten Tagen kann diese Rubrik zum Fluch werden. Ich gestehe, dass ich heute mit dem falschen Bein aufgestanden bin. Nichts, was mich erheitern konnte. Kann ja mal vorkommen. Zumal heute Freitag, der 13., ist. Ich war fest entschlossen, das zu schreiben, was ich gerade schreibe. Aber angekommen in unserer Redaktion, stelle ich fest, dass man bei unserer Kaffeemaschine die Milch endlich wieder aufschäumen kann. Nach Wochen wurde endlich die neue Düse geliefert. Es sind manchmal eben wirklich die kleinen Dinge, die ins Gewicht fallen.

3. Kultur-Tipp

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Apropos kleine Dinge: Okay, er wird manchmal immer noch mit Martin Walser verwechselt. Aber längst ist der Schweizer Schriftsteller Robert Walser (1878–1956) kein „Geheimtipp“ mehr. Ich gebe zu, als ich tief in den 1980er Jahren in seiner Heimatstadt Biel-Bienne zur Schule ging, habe ich ihn noch ignoriert. Aber irgendwann kam auch ich nicht mehr an ihm vorbei. Müsste ich Robert Walsers Stil in einem Satz beschreiben, würde ich sagen, dieser ist raffiniert und einfach zugleich, immer auf die vermeintlichen Nebensächlichkeiten achtend.

Walser war ein Einzelgänger und gleichzeitig gut vernetzt in der deutschen Zeitungswelt. Annähernd tausend Texte schrieb er für Zeitungen. Seine Feuilletons füllen sechs Bände der „Berner Ausgabe“, die bei Suhrkamp erschienen sind. Diese Woche wurden sie im LCB am Wannsee vorgestellt. Einen guten Eindruck von seiner Prosa gibt das Seestück (hier aus der Gutenbergbibliothek). Der See hat keinen Namen, aber es ist der Bieler See, an dem auch ich viele laue Nächte verbracht habe.

4. Lese-Empfehlung

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➜ Indie: Eine halbe Ewigkeit begleiten The Notwist aus Weilheim uns durchs musikalische Leben. Die Band um die Brüder Markus und Micha Acher ist stilistisch schwer auf einen Nenner zu bringen. Dominierte anfangs eher der Indie-Rock, kamen dann bald Electronica und Ambient dazu, meistens aber waren die Songs von einer melancholischen Stimmung getragen. Ob das auch für ihr neues Album News from Planet Zombie gilt, erfährt man im Artikel von Thaddeus Herrmann.

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In den 1990er Jahren machte das oberbayerische Weilheim musikalisch weltweit von sich reden. Abseits der Metropole München mit ihren Clubs und Konzerthallen hatte sich hier im Alpenvorland, 30 Kilometer vom Starnberger See entfernt, eine Szene entwickelt, die sich anschickte, Geschichte zu schreiben.

Im Zentrum: The Notwist, die Band der beiden Brüder Markus und Micha Acher. Gemeinsam mit dem Schlagzeuger Martin Messerschmidt arbeiteten sie seit den späten 80ern mit Versatzstücken aus Metal und Hardcore an einem Sound, der zwar Tradition und Reputation hatte, aber gegenüber der Verve von House und Techno oder dem Boom des Dancefloors wie ein Paralleluniversum erschien.

Und doch gab es eine Überschneidung. Das Kollektive, das Gemeinschaftliche, das die Nächte auf den Raves für viele so einzigartig machte, bestimmte auch das Tun von The Notwist. Man kann es Vetternwirtschaft nennen oder die Tugend, die aus der Not entstand: Hier, in der oberbayerischen Provinz, spielte jeder mit jedem.

Kurze Wege, künstlerische Notwendigkeiten, freundschaftliche Bande und vor allen Dingen musikalische Neugier machten The Notwist Song um Song, Album um Album nicht nur zu einer immer besseren Band, die ihren ureigenen Sound fand, sondern auch zum Mittelpunkt eines Netzwerks von Menschen mit Instrumenten.

zum ganzen Text

Ich wünsche Ihnen einen gutgelaunten Freitag, den 13.,

Ihr Michael Angele

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