Endlich Freitag: Collien Fernandes, Manosphere, Blue Moon und Gen X

Das Thema sexualisierte Gewalt bestimmt die Medien. Dokumentationen wie die Netflix-Produktion „Inside the Manosphere“ versuchen, dem Thema Misogynie und neue Rechte auf die Spur zu kommen: der „Freitag“-Blick auf den Tag

Hallo,

die vergangene Woche stand mal wieder ganz im Zeichen eines Themas, vor dem man am liebsten gar nichts mehr hören möchte, während man gleichzeitig über nichts anderes reden kann.

Der von Collien Fernandes gegenüber Ex-Mann Christian Ulmen erhobene Vorwurf der „virtuellen Vergewaltigung“ hat das Problem der sexualisierten Gewalt erneut in den Vordergrund gerückt. Für uns hat die Autorin Samira El Ouassil dazu geschrieben; Josefa Kobling schildert eigene Erfahrungen mit Deepfakes im Netz und ich habe mir die Netflix-Doku Inside the Manosphere angeschaut.

Justin Theroux bemüht sich darin zwar, die Misogynie dieses Influencer-Milieus herauszuarbeiten, versäumt es aber meiner Ansicht nach, genügend auf den rechts-populistischen Hintergrund aufmerksam zu machen.

1. Heute wichtig

2. Made My Day

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Captain Kirk: Die Verehrung für den Vulkanier Spock („Faszinierend!“) hat nicht zuletzt durch Sheldon in Big Bang Theory eine gewisse Normalisierung erfahren. Meine lebenslange Schwäche für Captain Kirk ist mir dagegen in Wahrheit immer noch ein bisschen peinlich.

Trotzdem, seit der Begegnung als Fernsehkind mit den Abenteuern des Raumschiffs Enterprise, wo Captain Kirk den unendlichen Weiten des Weltraums seinen locker-ironischen Führungsstil entgegensetzte, sind mir Figur und Schauspieler sympathisch geblieben.

Vor wenigen Tagen wurde William Shatner 95 und postete auf X ein Bild von sich, Zigarre rauchend, am abendlichen Meeresstrand. Dazu zwei Lebenslektionen: „Verschwende nie eine gute Zigarre!“ und „Vertrau keinem, der sagt, du solltest dich deinem Alter entsprechend benehmen.“ Letzteres gilt sicher auch für Nichtraucher.

Eine Würdigung

3. Kultur-Tipp

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➜ Gut zu sehen:

Was ist das beste Zitat aus Casablanca? Ich habe letzte Woche an dieser Stelle ja schon mal den „Beginn einer wunderbaren Freundschaft“ ins Spiel gebracht. „Ich seh’ dir in die Augen, Kleines“ oder „Verhaften Sie die üblichen Verdächtigen!“ sind weitere würdige Kandidaten. Aber der Mann im Zentrum von Richard Linklaters Film Blue Moon – der heute im Kino anläuft – weiß es besser. Für ihn ist es: „Nobody ever loved me that much“ – „Mich hat noch niemand so geliebt …“

Der Film spielt an einem einzigen Abend, es ist der 31. März 1943, nebenan hat das Musical Oklahoma! („Titel, die ein Ausrufezeichen brauchen, solltest du meiden!“) gerade seine Premiere, und Lorenz Hart (ein großartiger Ethan Hawke) ätzt in der Bar nebenan mit dem Mann hinter der Theke (Bobby Cannavale) über Casablanca, die Liebe und den Verrat des Komponisten Richard Rodgers, der 20 Jahre lang mit ihm, Hart zusammen Musicals und Songs geschrieben hat – wie den titelgebenden Blue Moon – und nun für Oklahoma! in Oscar Hammerstein einen wohl kommerziell erfolgreicheren Partner gefunden hat.

Der reale Lorenz Hart verstarb acht Monate später im Alter von nur 48 Jahren. Linklaters Film ist weniger Biopic als Hommage an ein zu selten besungenes Broadway-Genie, das sein scharfzüngiges Talent im Alkohol verschwendete.

Zum Trailer

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4. Lese-Empfehlung

➜ „Ist die Gen X die unterschätzte größte Generation?“ Diese Frage geistert seit einiger Zeit durch die Feuilletons. Auch wir haben uns schon einige Male mit ihr beschäftigt, mit Definition, Musik– und Filmgeschmack. Und haben jetzt Frank Spilker von der Band Die Sterne gefragt, wie er seinen Gen-Z-Kids die Gen X erklärt.

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Eigentlich reagiere ich zunehmend allergisch, wenn es wieder einmal darum geht, Menschen in Gruppen und Subgruppen einzuteilen, die angeblich so verschieden sind. Als hätten wir nicht schon genug davon. Neben Nation, Geschlecht, Race, Sexualität und Sub-sub-sub-Identität jetzt auch noch Generation.

Was ist aus den guten alten Klassen, Schichten und Ständen geworden, die es tatsächlich immer noch gibt? Nicht mehr wichtig? Nicht mehr erwähnenswert? Warum tragen die Herrscher aus dem Mittelalter immer noch ihre Köpfe auf den Schultern, während der militärisch-industrielle Komplex sich selbst ins Amt setzt und das Volk schon wieder „No Kings“ schreien muss? Ist das die Antwort? Sind wir einfach abgelenkt?

zum ganzen Text

Das wär’s für heute. Ich werde am Wochenende versuchen, ein wenig Abstand zu den Schlagzeilen zu gewinnen und wünsche allen eine gute Zeit!

Viele Grüße,

Ihre Barbara Schweizerhof

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