Fans von E-Autos werden bei Lamborghini vorerst nicht auf ihre Kosten kommen. Der Hersteller von Luxussportwagen hat sein Ziel aufgegeben, bis zum Ende des Jahrzehnts seinen ersten vollelektrischen Wagen auf den Markt zu bringen. Anders als der Erzrivale Ferrari, der am 25. Mai in Rom sein erstes vollständig batteriebetriebenes Fahrzeug vorstellen will, hat der zum VW-Konzern gehörende Hersteller Lamborghini entsprechende Pläne eingestellt. Dies berichtete der Vorstandsvorsitzende Stephan Winkelmann im Gespräch mit Journalisten. „In den Umfragen unter unserer Klientel wurde die Ablehnungsrate nicht kleiner, sondern immer größer“, sagte der Manager.
Vor allem „emotionale“ Gründe macht das Unternehmen dafür aus: „Die Kunden sagen, wir kaufen heute einen Lamborghini, weil wir uns einen Traum erfüllen wollen und nicht weil wir von A nach B auf einer täglichen Basis fahren wollen“. Die Emotionen erzeugten Elemente wie Vibrationen, wie sich das Lenkrad anfühle sowie der Sound des Motors. „Dieses Emotionale kann man nicht auf anderen Wegen herbeiführen“ als mit einem Verbrennungsmotor, der aber durch eine Batterie in der Hybridform unterstützt werden könne. Zudem spielten bei den Kunden nach Winkelmanns Ansicht Themen wie niedrige Restwerte für einen eventuellen Weiterverkauf eine Rolle, ferner Fragen zu Ladezeiten und Ladestationen, Reichweiten und eine sich verändernde Gesetzgebung. Durchschnittlich würden die Lamborghini-Fahrer ihre Wagen nur 4000 bis 5000 Kilometer im Jahr fahren. Der Emissionsaspekt stehe da nicht im Vordergrund. Der Lamborghini-Chef erinnerte auch daran, dass er nur knapp über 10.000 Fahrzeuge im Jahr verkaufe – im Vergleich zu 80 Millionen Fahrzeugen, die auf dem weltweiten Automarkt im Jahr zugelassen werden.
Lamborghini: Erfahrung von Rolls-Royce kein Mutmacher
Ferrari ist da freilich anderer Ansicht. Der italienische Hersteller erwartet für sein E-Modell namens Luce in den kommenden Jahren erhebliche Aufträge und sieht sich beim Thema der Elektrik technologisch als Marktführer. Winkelmann indes deutete an, dass bisherige Erfahrungen mit vollelektrischen Modellen im Luxussegment, etwa bei Rolls-Royce, eher enttäuschend ausfielen.
Auf jeden Fall hat die vorläufige Einstellung der E-Auto-Pläne bei Lamborghini im vergangenen Jahr das Ergebnis belastet. Der operative Gewinn fiel von um 8 Prozent auf 768 Millionen Euro. Dabei schlugen sich auch die Zölle in den Vereinigten Staaten nieder, dem wichtigsten Markt vor Deutschland. Beim Modell Revuelto habe man die Preise nur um 10 Prozent und bei den Modellen Urus und Temerario jeweils nur um 7 Prozent erhöht. Zum Zollniveau von 15 Prozent blieb somit eine Lücke. In den USA sanken die Verkäufe im vergangenen Jahr um 10 Prozent auf knapp 3000 Fahrzeuge, in Deutschland legten sie dagegen um diesen Prozentsatz auf rund 1100 Wagen zu. Als dritter Belastungsfaktor für den Gewinn erwiesen sich zudem die Wechselkurse in Form des gestiegenen Euro.
Bei Absatz und Umsatz lief es indes besser. Lamborghini überstellte 10.747 Fahrzeuge an die Kunden und erhöhte seine Erlöse um gut 3 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro – jeweils die höchsten Werte der Unternehmensgeschichte. In einen herausfordernden Jahr habe man „Komplexität gemeistert“. Winkelmann betonte, dass man weiter an der vollelektrischen Technologie arbeite, doch ohne Zieldatum für die Einführung. Die Umstellung der Modellpalette auf Hybridversionen sei abgeschlossen. Das Super-SUV Urus, das als Vollstromer geplant war, soll nun als Plug-in Hybrid auf den Markt kommen.