Auf die Autonomiebestrebungen unterschiedlicher Regionen in Europa mag man in Deutschland mit neutralem Interesse schauen. Man sieht sie dann als Angelegenheiten der betroffenen Staaten. Oder man blickt darauf mit besorgter Ablehnung: Was, wenn sich dort jeweils die prosperierenden Regionen herauslösten und viele geschwächte Rumpfstaaten zurückblieben?
Für Europa, genauer die EU, wären das keine guten Aussichten – und Regionen, die auf mehr Eigenständigkeit pochen, gibt es einige auf dem Kontinent.
Zusammenarbeit über die Grenze hinweg
Geht es um Unabhängigkeitsbestrebungen im Elsass, sieht die Sache anders aus. Diesem Teil Frankreichs fühlen sich viele Menschen in Deutschland verbunden: persönlich, regional oder auch nur touristisch, vor allem aber aus historischen Gründen. Und wird dann noch argumentiert, eine größere Autonomie in Straßburg werde auch zu mehr grenzüberschreitender Zusammenarbeit mit Deutschland führen, dann könnte man das begrüßen.
Aber sind das europäische Zusammenwachsen und die Förderung der deutschen Sprache wirklich die vordringlichen Anliegen der Autonomiebewegung im Elsass? Oder sind das nur Argumente, mit denen man dort einer ungeliebten Gebietsreform nach dem Vorbild der deutschen Bundesländer entrinnen möchte? Dann wäre das Problem hausgemacht: in Paris.
Source: faz.net