Es ist der wohl unwahrscheinlichste Auftritt des diesjährigen Weltwirtschaftsforums: Elon Musk, der in den vergangenen Jahren keine Gelegenheit ausließ, das Treffen in den Schweizer Alpen als elitären Debattierklub und „unelected world government“ zu verspotten, ist in diesem Jahr gekommen. Der Chef von Tesla und Chefingenieur von Space X nutzte die große Bühne, auf der eben noch der ukrainische Präsident gestanden hatte, auch nicht für Abrechnungen, sondern für die Ausbreitung seines technokratischen Evangeliums.
Im Zentrum stand dabei der Begriff des Überflusses. Musk zeichnete das Bild einer Weltwirtschaft, die kurz vor einer historischen Explosion steht. Sobald Künstliche Intelligenz und Robotik vollständig verbreitet seien, so seine These, würden sich die klassischen Knappheitsprobleme der Menschheit auflösen.
„Wir steuern auf eine Zukunft zu, in der Güter und Dienstleistungen für jeden verfügbar sind“, prognostizierte Musk. In dieser Vision verfügt jeder Mensch – mindestens – über einen eigenen Roboter, sei es zur Kinderbetreuung oder zur Pflege der Eltern. Es war der Entwurf einer Post-Arbeitsgesellschaft, vorgetragen mit jener nüchternen Selbstverständlichkeit, die Musks Auftritte oft kennzeichnet.
Altern als „lösbares Problem“
Die Grenzen des Machbaren verschob er sogar ins Biologische: Das Altern der menschlichen Zelle bezeichnete Musk als ein „lösbares Problem“. Es sei wahrscheinlich, dass die Menschheit Wege finden werde, diesen Prozess nicht nur zu verlangsamen, sondern umzukehren. Ob das allerdings gesellschaftlich wünschenswert wäre, sei eine andere Frage, denn dann würde die Dynamik der Jugend unterdrückt.
Auch in der Energiefrage zeigte sich Musk pragmatisch und zollte China Anerkennung für dessen „gewaltige Leistungen“ beim Ausbau der Infrastruktur. Er wiederholte seine These, dass eine Solarfläche von 100 mal 100 Meilen genüge, um die Hälfte des Strombedarfs der Vereinigten Staaten zu decken. Die Energiewende erscheint in Musks Weltbild nicht als ideologisches Projekt, sondern als reine Rechenaufgabe der Physik. KI-Rechenzentren im Weltall zu betreiben, sei eine kluge Idee. Und was die Entwicklungsgeschwindigkeit der KI betreffe, so sei es wahrscheinlich, dass sie in spätestens zwei Jahren schlauer sei als ein Mensch.