Der Umsatz der Gesellschaft, die als Auftragsfertiger für die Tesla Motors Netherlands B.V. Elektrowagen baut, sank von gut 7,8 Milliarden Euro im Jahr 2023 auf knapp 7,7 Milliarden Euro, obwohl erstmals auch Erträge aus der Erstattung von Aufwendungen für Prozess- und Fertigungsentwicklungen durch Tesla als Umsatz verbucht wurden. Der Umsatz von Elektrowagen an die Vertriebsorganisation von Tesla steuerte mit gut 7,5 Milliarden Euro etwa 300 Millionen Euro weniger als 2023 bei. „Dies resultiert im Wesentlichen aus den gesunkenen Produktionskosten“, heißt es im Geschäftsbericht.
Auslastung des Werks liegt unter 60 Prozent
Die Fahrzeugproduktion in der Fabrik in Grünheide stieg 2024 leicht auf 211.235 Stück. 2023, das erste volle Kalenderjahr nach dem Produktionsstart im Frühling 2022, waren 200.200 Wagen vom Band gerollt. Die Auslastung des Werks liegt weiter unter 60 Prozent der jährlichen Produktionskapazität von 375.000 Fahrzeugen. Eigentlich hatte sich Tesla für 2024 eine Produktionsmenge von 287.000 Fahrzeugen in Grünheide vorgenommen.
Die Herstellungskosten in der Fabrik sanken 2024 trotz der leichten Produktionssteigerung von rund 7,6 Milliarden Euro auf etwa 7,4 Milliarden, obwohl auch hier zum ersten Mal die Aufwendungen für Prozess- und Fertigungsentwicklung mitberücksichtigt wurden. „Dies resultiert im Wesentlichen aus der verbesserten Kapazitätsauslastung und einer effizienteren Produktion“, heißt es im Geschäftsbericht. Tesla investiert dafür weiter in die Automatisierung des Werks, 2024 lagen die Investitionen in Sachanlagen bei 500 Millionen Euro.
Das Betriebsergebnis der Tesla Manufacturing Brandenburg SE liegt mit 157 Millionen Euro für 2024 rund zehn Millionen Euro unter dem Vorjahr. Unter dem Strich steht nach Steuern mit 56 Millionen Euro Gewinn ein etwa fünf Millionen geringerer Überschuss. Über die Zukunftsfähigkeit des Standorts Grünheide, über die angesichts der stark rückläufigen Absatzzahlen von Tesla in vielen europäischen Märkten seit Monaten gerätselt wird, lassen beide Werte nur wenig Rückschlüsse zu. Sie ergeben sich in erster Linie aus der Geschäftsbeziehung zur konzerneigenen Vertriebsgesellschaft und den internen Verrechnungspreisen. Die Steuern auf Einkommen und Ertrag der Tesla Manufacturing Brandenburg SE beliefen sich 2024 auf 31 Millionen Euro, fünf Millionen mehr als im Vorjahr.
IG Metall spricht von „verdecktem Stellenabbau“
Interessant sind einen Monat vor der Betriebsratswahl in Grünheide auch die Zahlen zur Beschäftigung in dem Werk. Wie das „Handelsblatt“ vor wenigen Tagen unter Bezug auf die Einladung zur Betriebsratswahl Anfang März in Grünheide berichtete, ging die Aufforderung zur Teilnahme in diesem Jahr an 10.703 Beschäftigte, während vor zwei Jahren noch 12.415 Mitarbeiter im Wahlregister standen. Das bedeutet einen Rückgang von knapp 14 Prozent in den vergangenen zwei Jahren, deutlich mehr als der 2024 von Tesla-Chef Elon Musk für den Gesamtkonzern angekündigte Stellenabbau von zehn Prozent.
Die Werkleitung in Grünheide hatte vor knapp zwei Jahren versichert, dass an dem Standort vor den Toren Berlins nur etwa 400 Stellen im Rahmen eines Freiwilligenprogramms entfallen sollten. Die IG Metall spricht wenige Wochen vor der Betriebsratswahl von „verdecktem Stellenabbau“. Stellen von Gekündigten würden nicht nachbesetzt und stattdessen die Arbeit verdichtet, obwohl das Limit sowohl in der Produktion als auch im Engineering und in der Verwaltung mit wenigen Ausnahmen überschritten sei, kritisiert die Gewerkschaft.
Tesla versucht diesem Eindruck entgegenzutreten. „Im Vergleich zum Jahr 2024 hat es keinen nennenswerten Stellenabbau bei der Stammbelegschaft gegeben, und das ist auch weiterhin nicht geplant“, sagt Werkleiter André Thierig. Die Arbeitsplatzsicherheit an dem Standort sei weiterhin gegeben. Schwankungen in der Zahl der Gesamtbelegschaft, zu der eine große Anzahl von Zeitarbeiterinnen und Zeitarbeitern zählt, seien auch in dieser Größenordnung „vollkommen normal“. Der Rückgang in der Gesamtbelegschaft über die vergangenen zwei Jahre sei nicht auf eine Drosselung der Produktion oder rückläufige Nachfrage zurückzuführen, sondern habe mit Effizienzverbesserungen in der Fabrik und damit verbunden mit einem geringeren Bedarf für Zeitarbeit zu tun.
Die Risiken für den Standort haben weiterhin Bestand
Der jüngste Geschäftsbericht der Tesla Manufacturing Brandenburg SE weist die Zahl der Beschäftigten zum Stichtag Ende 2024 mit 11.003 aus. Im Laufe des Geschäftsjahres 2024 ist die Belegschaft in der Fabrik in Grünheide demnach um etwas mehr als ein Zehntel geschrumpft. Im gleichen Tempo wurden 2024 konzernweit Stellen bei Tesla abgebaut. In Grünheide betraf der Stellenabbau vor allem Zeitarbeiter. In den Löhnen und Gehältern in Höhe von rund 600 Millionen Euro waren 2024 knapp 30 Millionen Euro Restrukturierungskosten enthalten.
Die Zahl der fest angestellten Beschäftigten in Grünheide stieg laut Geschäftsbericht im Jahr 2024 leicht an auf 9974. Allein in der Produktion waren zum Ende des Geschäftsjahres 8675 Mitarbeiter fest angestellt, fast 200 mehr als Ende 2023. Der Anteil der Zeitarbeiter in dem Werk in Grünheide, die vor allem in der Produktion zum Einsatz kommen, reduzierte sich im gleichen Zeitraum von mehr als einem Fünftel auf unter zehn Prozent der Gesamtbelegschaft.
Auf der Einladungsliste für die Betriebsratswahl im März stehen 300 Mitarbeiter weniger, als zum Stichtag Ende 2024 in Grünheide beschäftigt waren. Welcher Anteil an dem Rückgang im vergangenen Jahr auf Zeitarbeiter entfiel, lässt sich daraus nicht ableiten. An der Betriebsratswahl teilnehmen können nur Zeitarbeiter, die mindestens sechs Monate in dem Werk beschäftigt sind.
Der Kampf um die Deutungshoheit rund um die Beschäftigungszahlen in Grünheide wird mindestens bis zur Betriebsratswahl anhalten. Über die weitere Entwicklung am einzigen europäischen Produktionsstandort von Tesla wird vor allem der Markterfolg des hier gefertigten Model Y entscheiden. Im vergangenen Jahr verzeichnete das Auto in vielen europäischen Märkten einen Nachfragerückgang. Positive Entwicklungen in einzelnen Ländermärkten wie Norwegen sowie neue Absatzmärkte wie Kanada konnten das nur zum Teil ausgleichen.
Die im jüngsten Geschäftsbericht der Tesla Manufacturing Brandenburg SE enthaltene Prognose einer „stabilen Produktionsmenge“ für das Werk in Grünheide und damit eine Auslastung der Fabrik von wenigstens 56 Prozent dürfte Tesla 2025 nur knapp erreicht haben. Die meisten der im Geschäftsbericht für 2024 enthaltenen Risiken für den Standort Grünheide haben weiterhin Bestand. Nur die Gefahr einer „Konkurrenz der Tesla-Fahrzeuge untereinander“ ist gesunken, nachdem Konzernchef Elon Musk gerade das Ende für die Produktion der Modelle X und S angekündigt hat.