Amerikanische Botschafter neigen manchmal dazu, sich in den Ländern, in denen sie auf Posten sind, aufzuführen wie koloniale Vizekönige. Auch unter demokratischen Präsidenten haben US-Vertreter die diplomatischen Grenzen bisweilen arg gedehnt, etwa in Ungarn.
Aber die von Donald Trump entsandten treiben es besonders bunt. In Deutschland erinnert man sich noch schlecht an einen gewissen Herrn Grenell. Jetzt hat der US-Botschafter in Brüssel sein Gastland im Befehlston angewiesen, eine Ermittlung fallen zu lassen.
Für einen Rechtsstaat inakzeptabel
Das ist für einen Rechtsstaat nicht akzeptabel. Auch, ja, erst recht, wenn die Intervention von einem Verbündeten kommt, muss man sie entschieden zurückweisen. So hat es Belgiens Außenminister auch getan.
Die Sache, um die es geht, ist weniger eindeutig. Drei jüdische Beschneider sollen ohne das gesetzlich vorgeschriebene medizinische Fachpersonal Zirkumzisionen vorgenommen haben. Solche Vorschriften sind in Europa üblich; Deutschland, wo es eine etwas andere Regelung gibt, die Religionsgemeinschaften besser entgegenkommt, ist eher die Ausnahme.
Wenn es in Antwerpen nun um einen mutmaßlichen Gesetzesverstoß geht, ist gegen Ermittlungen nichts einzuwenden, auch wenn der Hinweisgeber eine dubiose Gestalt sein soll. Und wenn ein Botschafter sich nach einem Verfahren erkundigen will, gibt es erprobte diplomatische Wege.
Source: faz.net