Daniel Ek hat Spotify zwar nicht alleine gegründet, sondern gemeinsam mit Martin Lorentzon. Doch nicht nur weil Lorentzon sich schon vor vielen Jahren aus dem Tagesgeschäft des Unternehmens zurückgezogen hat, wird Spotify von vielen primär mit dem Namen Ek verbunden.
Daran dürfte sich auch wenig ändern, wenn Ek zum 1. Januar 2026 die operative Führung des Musikstreaming-Marktführers an Gustav Söderström und Alex Norström übergibt. Wie das schwedische Unternehmen am Dienstag mitteilte, werde Ek künftig als geschäftsführender Vorsitzender des Verwaltungsrats fungieren und als dieser „die Kapitalallokation bestimmen und die langfristige Planung gestalten“ sowie das Führungsteam unterstützen und beraten.
Im Gegensatz zu der US-typischen Interpretation der „Chairman“-Rolle wird der 42 Jahre alte Schwede so auch weiterhin aktiv an der künftigen Ausrichtung des Dienstes mitwirken. Söderström und Norström sollen in der neuen Konstellation an ihn berichten.
Spotify ist an der Börse fast 150 Milliarden Dollar wert
Gustav Söderström ist derzeit verantwortlich für Technik und Produkt, Alex Norström fungiert als „Chief Business Officer“. Beide sind seit vielen Jahren im Unternehmen und zählen zu Eks engsten Mitstreitern. Seit Anfang 2023 haben sie ihre bisherigen Funktionen inne, in denen sie seit einiger Zeit auch an der Investorenkonferenz zur Vorlage der Quartalszahlen des Unternehmens teilnehmen. Zuvor sprachen dort nur Ek selbst und Spotifys Finanzchef.
Entsprechend heißt es in der Mitteilung, dass diese „Evolution“ formalisiere, wie Spotify seit 2023 ohnehin arbeite. Söderström und Norström verantworteten schon jetzt maßgeblich die Entwicklung und operative Umsetzung leiten. „In den letzten Jahren habe ich einen Großteil des Tagesgeschäfts und der strategischen Ausrichtung von Spotify an Alex und Gustav übergeben“, wird Ek in der Mitteilung zitiert. Der Schritt zum Jahreswechsel passe letztlich einfach die Titel an die bestehende Arbeitsweise an.
Warum Spotify lange Verlust machte
In einem Video auf LinkedIn sagte der zweifache Vater Ek Spotify sei für ihn so etwas wie ein drittes Kind und es fühle sich an, als mache es jetzt seinen Abschluss. Zudem hob Ek die Rolle des Duos bei der Einführung des Hörbuch-Angebots, des Ausrollens von Video-Podcasts oder der Entwicklung neuer Funktionen wie AI DJ und das jüngst angekündigte Ausrollen der (seit Jahren erwarteten) HiFi-Funktion hervor.
Ek und Lorentzon hatten Spotify im Jahr 2006 gegründet und im April 2018 in New York an die Börse gebraucht. Heute kommt der Dienst – die werbebasierte Gratis-Version mitinbegriffen – auf mehr als 696 Millionen monatlich aktive Nutzer und rund 276 Millionen Abonnenten. Die Marktkapitalisierung beträgt knapp 149 Milliarden Dollar, wobei die Aktie nach der Ankündigung vorbörslich rund 3 Prozent nachgab.
Eks Investment in Helsing
Der Dienst dominiert seit Jahren den Markt für Musikstreaming und hat sich auch gegen Konkurrenz aus dem Hause Apple, Amazon und Google behauptet. Allerdings konnte Spotify in seiner Geschichte erst ein Jahr mit Gewinn abschließen. 1,14 Milliarden Euro Gewinn standen für 2024 unterm Strich zu Buche. Der Umsatz belief sich auf 15,67 Milliarden Euro. Die schwarzen Zahlen folgten auf einen Strategieschwenk, breit angelegte Preiserhöhungen und einen stärkeren Fokus auf Effizienz. Nicht zuletzt drei Entlassungswellen gehörten dazu, nachdem der Dienst im Zuge der Pandemie besonders stark gewachsen war und viele neue Stellen geschaffen hatte.
Zuletzt hatte es abermals Kritik an Ek selbst gegeben. Vereinzelte Künstler – etwa die britische Gruppe Massive Attack – zogen ihren Katalog von Spotify ab. Der Grund: Mit seinem Investmentvehikel Prima Materia führte Ek im Juni die 600 Millionen Euro schwere Finanzierungsrunde von Helsing an. Das Münchner Start-up produziert unter anderem Kamikazedrohnen, die im Ukrainekrieg zum Einsatz kommen. Ek ist seit 2021 Anteilseigner und auch nach wie vor größter Einzelaktionär von Spotify.
In einer Mitteilung an die Belegschaft, betonte Ek, dass er schon vor Jahren erklärt habe, dabei helfen zu wollen, dass aus Europa heraus Unternehmen entstehen, „die neue Technologien entwickeln, um einige der größten Herausforderungen unserer Zeit anzugehen“. Details zu weiteren Plänen in dieser Hinsicht nannte er zunächst nicht, ausreichend Zeit für Spotify dürfte er aber weiter einplanen. Das unterstrich er in seiner Mitteilung auch nochmal selbst: „Wir könnten nicht besser aufgestellt sein, und um es klar zu sagen, ich gehe nicht“.