Auch wenn die Innenstädte vor Weihnachten stärker frequentiert waren, führte das laut HDE nicht automatisch zu einem schwungvollen Weihnachtsgeschäft.
Volle Innenstädte, aber sparsame Kunden: Das Weihnachtsgeschäft frustriert viele Einzelhändler. Nicht nur Spekulatius und Lebkuchen wurden verschmäht. Doch in einigen Branchen lief es deutlich besser.
Im Weihnachtsgeschäft müssen Einzelhändler manchmal das tun, was vor allem Fußballtrainer machen. Läuft es nicht rund, werfen sie in der Schlussphase alles nach vorn. So startete die Modekette Peek & Cloppenburg zum letzten Adventswochenende eine große Werbekampagne – mit bis zu 50% Rabatt auf Mäntel, Jacken und Pullover. Auch Otto, Galeria und andere lockten mit Nachlässen. Auf den letzten Metern versuchten die Unternehmen, das Weihnachtsgeschäft noch zu retten. Ob das reicht?
Sinnbildlich zeigt sich die Lage bei Weihnachtssüßwaren. Die Nachfrage nach Gebäck wie Spekulatius und Lebkuchen, Stollen oder Schoko-Weihnachtsmännern war diesmal deutlich geringer als 2024. Nach Angaben des Marktforschers NIQ lagen die verkauften Stückzahlen bis Anfang Dezember rund 15% niedriger. Die gestiegenen Preise schreckten Verbraucher ab, Packungen kosteten im Schnitt rund 12% mehr als im Vorjahr. Mehr als zwei Drittel der Ware wurde im Sonderangebot gekauft, 2024 lag der Anteil noch bei etwa der Hälfte.
Konkurrenz durch Temu und Shein
Dabei war in den deutschen Fußgängerzonen im November und Dezember durchaus viel los – mehr als im Vorjahr, wie Daten von NIQ zeigen. Die Besucherzahlen in 283 gemessenen Innenstadtlagen stiegen demnach um mehr als 10% auf 507 Millionen. Am besten besucht waren die Friedrichstraße und der Alexanderplatz in Berlin.
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Das Weihnachtsgeschäft kommt nicht in Gang
Der Frust wird größer. Auch die Woche vor dem dritten Advent hat im stationären Modehandel enttäuscht. Von Weihnachtsgeschäft keine Spur, urteilen zahlreiche Händler. So lief das Geschäft in der 50. Woche.
Für den Einzelhandel sei dies nicht spürbar gewesen, sagt HDE-Hauptgeschäftsführer Genth. Stärker frequentierte Innenstädte führten nicht automatisch zu einem schwungvollen Weihnachtsgeschäft. Zwar erfreuten sich die Weihnachtsmärkte vielerorts guter Resonanz. Über 70% der Unternehmen berichteten dem HDE zufolge jedoch von schlechteren Besucherzahlen im Vergleich zum Vorjahr.
Frust verursachten auch die ursprünglich chinesischen Shopping-Portale Temu, Shein oder AliExpress, die den Händlern beträchtliche Umsätze wegnahmen. Laut einer YouGov-Befragung kaufte jeder fünfte Verbraucher in Deutschland dort Weihnachtsgeschenke. Der Handelsverband schätzt, dass Temu und Shein im November und Dezember hierzulande bis zu 1 Mrd. Euro Umsatz erzielen.
Wo die Menschen sparen und wo nicht
Der Modehandel ist davon besonders betroffen. „Wir liegen definitiv unter dem Vorjahr“, sagt Axel Augustin, Geschäftsführer des Branchenverbandes BTE. Im vergangenen Jahr profitierte die Branche von einem Wintereinbruch im November. „Das sorgte für Bedarfskäufe, weil die Menschen warme Jacke brauchten.“ Diesmal blieb der Wetter-Effekt aus.
Auch Douglas spürte die Kaufzurückhaltung. Im wichtigen letzten Quartal litt das Geschäft darunter, dass Kunden stärker auf Preise achteten und der Rabattdruck hoch gewesen sei, berichtete die Parfümeriekette kürzlich.
Doch gespart wird nicht überall gleichermaßen. „Bei Reisen sind die Bürger in Deutschland derzeit bereit, Geld auszugeben, um in diesen unsicheren Zeiten dem Alltag zu entfliehen und gemeinsam Zeit zu verbringen“, sagt HDE-Hauptgeschäftsführer Genth. Die gestiegenen Ticketpreise würden dabei offensichtlich akzeptiert.
Welche Geschenke liegen unter dem Weihnachtsbaum?
In einigen Branchen lief das Geschäft besser. Laut Handelsverband zählten Gutscheine und Spielwaren erneut zu den beliebtesten Geschenken. Bücher, Uhren und Schmuck waren Genth zufolge ebenfalls begehrt. Eine große Nachfrage verzeichneten nach NIQ-Angaben auch technische Konsumgüter. Deutlich besser als im Vorjahr verkauften sich unter anderem Roboterstaubsauger (plus 24%), Heißluftfritteusen (plus 15%), Desktop-PCs (plus 18%) und Laptops (plus 13%). Der Online-Handel profitierte zum Jahresende besonders, begünstigt durch die Rabattaktion Black Friday.
Einzelhandel
Weihnachtsgeschäft: Händler hoffen auf Endspurt
Viele Händlerinnen und Händler sind mit dem Weihnachtsgeschäft unzufrieden. Es bleibt die Hoffnung auf die letzten Tage vor dem Fest und die Zeit zwischen den Jahren.
Mit dem Heiligabend ist das Weihnachtsgeschäft nicht abgeschlossen. Nach den Feiertagen beginnt eine kurze, aber wichtige Nachspielzeit, die dem Handel Hoffnung macht. Viele Kunden nutzen die freien Tage zwischen Weihnachten und Neujahr zum Einkaufen, geben Geldgeschenke aus und lösen Gutscheine ein. Häufig belassen sie es nicht dabei, sondern legen noch etwas obendrauf. Immerhin 14% der Händler gaben in einer HDE-Umfrage an, dass die Zeit nach den Feiertagen die umsatzstärkste Phase im Weihnachtsgeschäft ist.
Der Einzelhandel rechnet im November und Dezember hierzulande mit Erlösen von 126,2 Mrd. Euro. Dies entspräche einem nominalen Plus von 1,5% im Vergleich zum Vorjahr. Real, also nach Abzug der Preissteigerungen, bliebe der Umsatz damit jedoch allenfalls auf einem ähnlichen Niveau. Eine abschließende Bilanz will der Verband erst im Januar ziehen.