Nach den tödlichen Schüssen eines Agenten der US-Einwanderungsbehörde ICE auf eine Frau in Minneapolis bieten die Schulen der Stadt einen Monat lang Fernunterricht an. Das teilte der Schulbezirk den Lehrkräften der Stadt in E-Mails mit, aus denen die Nachrichtenagentur AP zitiert. Der Schulbezirk reagierte damit auf Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit dem Einsatz und dessen Folgen.
In der Region befinden sich derzeit etwa 2.000 ICE-Beamte, die von der US-Regierung entsandt wurden. Am Mittwoch erschoss ein ICE-Agent in Minneapolis die 37-jährige dreifache Mutter Renee Nicole Good, die nach Darstellung des US-Heimatschutzministeriums versucht haben soll, Beamte der Einwanderungsbehörde mit ihrem Wagen zu erfassen. Die Regierung des Bundesstaates Minnesota und Augenzeugen bestreiten diese Angaben.
Weniger Schüler kommen zum Unterricht
Die verschärften Einwanderungsbestimmungen in den US-Städten haben laut Eltern und Lehrkräften zu einem Rückgang der Schulbesuchszahlen geführt. In anderen Städten setzen sich Aktivisten bereits für Fernlernangebote ein, insbesondere für Einwandererfamilien, die sich besonders gefährdet fühlen.
Das Angebot gehe auf ein dringendes Bedürfnis von Schülerinnen und Schülern ein, die derzeit nicht zum Unterricht kommen könnten, schrieb ein Mitarbeiter der Schulverwaltung von Minneapolis in einer E-Mail an die Lehrkräfte. Der Fernunterricht soll vorerst bis zum 12. Februar angeboten werden.
Zweifel an offizieller Darstellung zu tödlichen Schüssen
ICE ist eine Bundesbehörde des Heimatschutzministeriums und für Festnahmen, Inhaftierungen und Abschiebungen zuständig. Seit Beginn der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump wurde die Behörde stark ausgebaut. US-weit gibt es seit Monaten regelmäßig großangelegte Razzien gegen Migrantinnen und Migranten. Menschenrechtsorganisationen werfen ICE in diesem Zusammenhang die übermäßige Anwendung von Gewalt vor.
Im Fall der getöteten 37-jährigen Mutter stellten sich Trump und weitere Mitglieder seiner Regierung schnell hinter den Schützen. Trump behauptete, die Frau habe mit ihrem Fahrzeug einen ICE-Beamten „gewaltsam und vorsätzlich“ angegriffen. Der Beamte habe in einer lebensbedrohlichen Situation gehandelt und befinde sich inzwischen im Krankenhaus. An dieser Darstellung gibt es erhebliche Zweifel. Die bekannte demokratische Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez verurteilte die Tat als „öffentlichen Mord“.
Staatsanwältin sorgt sich um Zugang zu Beweismitteln
Die zuständige Staatsanwältin Mary Moriarty kündigte an, die Ermittlungen nicht allein der Bundespolizei FBI überlassen zu wollen. Sie rief die Öffentlichkeit auf, Videoaufnahmen und andere Hinweise im Zusammenhang mit dem Tod der Frau direkt an ihre Behörde zu senden. Die Regierung in Washington, D. C. hatte zuvor angekündigt, ausschließlich das FBI werde ermitteln.
Moriarty sagte in einer Pressekonferenz, ihre Behörde habe zwar in der Vergangenheit erfolgreich mit dem FBI zusammengearbeitet, sie sei jedoch besorgt über die Entscheidung der Regierung, andere Behörden von den Ermittlungen zum Tod der Frau am Mittwoch in Minneapolis auszuschließen. Konkret äußerte sie die Befürchtung, das FBI könnte Beweismittel nicht mit den Ermittlern des Bundesstaates Minnesota teilen. Die Staatsanwältin fügte hinzu, der Beamte, der den tödlichen Schuss abgegeben habe, habe keine vollständige Immunität, auch wenn die Trump-Regierung dies behaupte.