Einnahmen durch Ölexport fehlenInsider: Druschba-Stopp setzt auch Ukraine zu
27.02.2026, 15:56 Uhr
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Der Ausfall der Druschba-Pipeline führt zu erheblichen diplomatischen Spannungen. Ungarn und die Slowakei sehen die Ukraine in der Verantwortung für eine Wiederinbetriebnahme der beschädigten Leitung. Dabei muss das Land durch den Druschba-Stopp ebenfalls auf Einnahmen verzichten.
Der seit einem Monat andauernde Stillstand der Druschba-Pipeline blockiert Insidern zufolge nicht nur russische Lieferungen, sondern auch den Export ukrainischen Rohöls. Vor der Beschädigung der Leitung habe die Ukraine die Trasse genutzt, um eigenes Öl in die Europäische Union zu leiten, sagten drei mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Dies war bislang öffentlich nicht bekannt. Der Lieferstopp entzieht der Ukraine damit dringend benötigte Einnahmen zur Deckung ihres Haushaltsdefizits und könnte Kiew zwingen, die eigene Ölförderung einzustellen.
Die Lieferungen über die Druschba-Pipeline nach Ungarn und in die Slowakei ruhen seit dem 27. Januar. Nach Darstellung der Regierung in Kiew wurden Pumpstationen in der Westukraine bei einem russischen Angriff beschädigt. Die Ukraine, deren eigene Raffineriekapazitäten durch russische Angriffe weitgehend zerstört sind, ist auf den Export ihres Rohöls angewiesen. Einem der Insider zufolge speiste die Ukraine vor dem Angriff monatlich rund 40.000 Tonnen Öl im westukrainischen Brody in das Netz ein. Das Öl sei in den Raffinerien des ungarischen Energiekonzerns MOL verarbeitet worden. Weder das ukrainische Energieministerium noch MOL oder die Regierungen in Budapest und Bratislava nahmen zunächst Stellung.
Der Ausfall der Pipeline hat zu erheblichen diplomatischen Spannungen geführt. Während die meisten EU-Staaten kein russisches Öl mehr importieren, sind Ungarn und die Slowakei weiterhin darauf angewiesen. Beide Länder werfen der Ukraine vor, die Reparatur der Leitung absichtlich zu verzögern. Ungarn blockiert auch deshalb einen EU-Kredit über 90 Milliarden Euro für Kiew sowie neue Sanktionen gegen Russland und bezichtigt die ukrainische Führung der Einmischung in die im April anstehenden Wahlen.
Für die Ukraine ist die Situation prekär. Seit Beginn der russischen Invasion vor vier Jahren unterliegen Informationen zur Ölverarbeitung und zum Export der Geheimhaltung. Bekannt ist jedoch, dass Russland seit Februar 2022 gezielt ukrainische Raffinerien angegriffen hat. Die Zerstörung der letzten verbliebenen Verarbeitungskapazitäten Mitte 2025 zwang das Land dazu, Treibstoff zu importieren und für das eigene Rohöl Exportwege zu finden. Da der Luft- und Seeweg blockiert ist, blieb nur die Druschba-Pipeline. Sollte der Exportstopp anhalten, droht laut den Insidern ein Förderstopp.
EU plant dauerhaftes Importverbot russischen Öls
Die Pipeline namens Druschba – zu Deutsch „Freundschaft“ – wurde in den 1960er Jahren gebaut und zählt zu den längsten der Welt. Ihre Bedeutung hat seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine jedoch stark abgenommen. Der südliche Strang, der durch die Ukraine führt, verzeichnete 2025 laut dem Beratungsunternehmen Expro mit 9,7 Millionen Tonnen ein Zehnjahrestief beim Transitvolumen. Davon gingen 4,9 Millionen Tonnen in die Slowakei und 4,35 Millionen Tonnen nach Ungarn. Tschechien stoppte den Bezug von russischem Öl im April 2025.
Die EU-Kommission hat sich in dem Streit bislang nicht auf eine Seite geschlagen, drängt den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban jedoch zur Freigabe der Ukraine-Hilfen. Zudem plant die EU-Kommission, am 15. April einen Gesetzentwurf für ein dauerhaftes Importverbot von russischem Öl vorzulegen.
Ungarn und die Slowakei vereinbarten am Freitag die Gründung eines gemeinsamen Ausschusses zur Untersuchung der Schäden an der Druschba-Ölpipeline. Ungarns Regierungschef Orban forderte die Regierung in Kiew in einem Facebook-Video auf, dem Gremium Zugang zu gewähren. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj lud parallel dazu den slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico zu Gesprächen in die Ukraine ein. In einem Telefonat habe Selenskyj vorgeschlagen, „alle bestehenden Probleme“ zwischen den beiden Ländern zu erörtern, teilt das Präsidialamt in Kiew mit.
Source: n-tv.de