Ein neues Auto soll den größten Leistungssprung in der Geschichte der Formel E darstellen. Motorleistung und Batteriekapazität steigen massiv an, Testfahrer sind beeindruckt vom GEN4.
Dieses Auto ist ein Meilenstein für die Formel E. Aktuell läuft die zwölfte Saison der vollelektrischen Rennserie. Während der Kampf um die Meisterschaftskrone in vollem Gang ist, beginnen im Hintergrund bereits die Vorbereitungen für eine neue Ära. Denn in der kommenden Saison starten die Formel-E-Piloten in einem neuen Auto: dem GEN4.
Die harten Fakten: 600 kW (816 PS) statt 350 kW (476 PS) Höchstleistung, permanenter Allradantrieb und neue Reifen (Bridgestone statt Hankook). Außerdem hat der Wagen eine verbesserte Energie-Rückgewinnung beim Bremsen und eine Batteriekapazität von bis zu 55 kWh (aktuell 38,5 kWh) – für „mutigere Rennstrategien“, so die Entwickler. Der E-Bolide stellt damit den bislang größten Leistungssprung in der Meisterschaft dar. Und rückt die Formel E ein Stück näher an die Formel 1 heran.
Auffällig ist auch: Das Auto, erstmals seit der GEN1-Ära wieder mit ausgeprägtem Heckflügel, erinnert viel mehr als das kantige und schmale Vorgängermodell an einen herkömmlichen Formel-Wagen. Laut Formel E ist der GEN4 zudem das nachhaltigste Rennauto im Motorsport. Die Konstruktion besteht demnach zu 100 Prozent aus recycelbaren Materialien und hat einen Anteil von mindestens 20 Prozent recyceltem Inhalt.
Formel-E-Chef Jeff Dodds sagte bei der Vorstellung des Autos: „Der GEN4 ist weit mehr als ein Rennwagen. Er repräsentiert über ein Jahrzehnt Fortschritt, Innovation und Ehrgeiz im elektrischen Rennsport.“ Und weiter: „Gemeinsam mit der Fia (Motorsport-Weltverband; d. Red.) entwickelt, ist sie die fortschrittlichste, anspruchsvollste und nachhaltigste Maschine, die wir je gebaut haben, und definiert neu, was in puncto Leistung und Umweltverantwortung möglich ist.“
„Fühlt sich an wie ein anderer Sport“
Die registrierten GEN4-Hersteller – Porsche, Nissan, Stellantis, Jaguar, Lola Cars und Mahindra – haben bereits die ersten Tests hinter sich gebracht. Porsche-Pilot Nico Müller sagte nach der Testfahrt im spanischen Almería: „Der GEN4 ist ein richtiges Biest – mit unheimlich viel Leistung und Traktion durch den permanenten Allradantrieb. Man könnte fast sagen, es fühlt sich an wie ein anderer Sport.“
Auch wenn technisch enorm aufgerüstet wird, will die Formel E ihrem Rennkonzept treu bleiben. Die Eigenentwicklung am Elektromotor und der Software ist zwar erlaubt, da viele Komponenten in den Fahrzeugen jedoch verpflichtend baugleich sind, versprechen die Rennen Spannung und Chancengleichheit. Alle Teams und Fahrer gehen mit einem Einheitschassis und den gleichen Reifen an den Start, die Batterie der Formel E ist ebenfalls ein Einheitsbauteil.
Während an der Performance mit den GEN4-Autos geschliffen wird, kämpft Porsche-Pilot Pascal Wehrlein (31) – Weltmeister von 2024 – aktuell darum, im GEN3-Evo seinen Titel zurückzuholen. Er sagte vor der Saison über die Zweifachbelastung: „Das bedeutet für das Team doppelten Aufwand und eine große Herausforderung.“ Nach den vergangenen Rennen im saudi-arabischen Dschidda liegt er aktuell auf Rang eins. Und seine Mission ist klar: „Ich will wieder Weltmeister werden.“
Source: welt.de