„Ein heimtückischer Feind“Mit Schmalz trotzen ukrainische Drohnenpiloten dem Eiswetter
17.02.2026, 16:10 Uhr
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Täglich setzen Ukrainer und Russen Hunderte Drohnen an der Front ein. Doch das derzeitige Wetter bringt besondere Herausforderungen mit sich. Ukrainische Drohnenpiloten berichten von vereisten Kameras, tiefen Wolken und Batterien, die sich bei den Minusgraden viel schneller entladen.
So kalt war es noch nie in den vier Jahren Krieg: Temperaturen von bis zu minus 20 Grad machen nicht nur den Soldaten in der Ukraine zu schaffen, sondern auch ihren Drohnen. „Die Batterien entladen sich viel schneller, die Kameras und Kabel frieren ein“, sagt ein ukrainischer Drohnenpilot mit dem Kampfnamen Ali. Die Folgen können fatal sein. Vor Kurzem sei die Kamera einer Abfangdrohne im Flug vereist und habe deshalb einen russischen Angriff nicht vereiteln können, erzählt er.
Drohnen spielen im Ukraine-Krieg eine entscheidende Rolle. Beide Seiten setzen täglich Hunderte der günstigen, batteriebetriebenen Fluggeräte ein. Sie helfen, feindliche Stellungen zu erkunden, können aber auch gezielt mit Sprengsätzen angreifen. Die Abfangdrohnen aus dem Kunststoff Polystyrol, die die Piloten der 18. Brigade der ukrainischen Armee nahe der südlichen Front gerade starten, sehen aus wie Spielzeuge. Um elektronischen Störsignalen zu entgehen, sind einige Drohnen inzwischen durch sehr dünne Glasfaserkabel mit der Steuerung verbunden.
„Frost, tiefe Wolken, Nebel. Bei solchem Wetter ist es für eine Drohne schwierig zu fliegen. Es kann Kurzschlüsse geben, sie kann in der Luft auseinanderbrechen,“ sagte Nasarij, einer der Truppführer der Brigade.
Denys Schtilierman ist Chefkonstrukteur bei Fire Point, einem Unternehmen, das die ersten Langstrecken-Drohnen der Ukraine herstellt. Er kennt einen einfachen, aber wirkungsvollen Trick, um die Drohnen vor der Eiseskälte zu schützen. „Wir schmieren sie einfach mit Schmalz ein, und schon heben sie ab. Kein Scherz, so machen wir das“, sagt er. Das Fett bilde eine zusätzliche Isolierschicht gegen den Frost.
Die Fluggeräte sind für die Kriegsführung viel zu wichtig geworden, als dass das Militär bei widrigem Wetter darauf verzichten könnte. „Drohnen werden unabhängig von den Bedingungen eingesetzt. Wir haben gewisse Grenzen, aber wir müssen sie einsetzen“, sagt Schtilierman.
Der Winter ist nicht nur eine technische Herausforderung, er macht die Drohnen auch noch gefährlicher: Bei klarem Himmel kann die weiße Schneedecke zu einer tödlichen Falle für die Soldaten werden, die versuchen, sie zu überqueren. „Es ist dann sehr leicht zu erkennen, wo jemand gelaufen oder gefahren ist, da die Spuren im Schnee deutlich zu sehen sind“, sagt ein Pilot der Achilles-Brigade mit dem Decknamen Lafayette. Einige Drohnen sind auch mit Wärmebildkameras ausgestattet. Im Winter können sie Menschen wegen des größeren Unterschieds zwischen Körper- und Umgebungstemperatur viel leichter erkennen.
Inmitten der Kältewelle verstärkte Russland seine Angriffe auf ukrainische Energieanlagen. Hunderttausende Zivilisten im ganzen Land müssen ohne Heizung und Strom in ihren Wohnungen frieren. Auch die Soldaten an der Front leiden unter dem harten Winter. In der Kälte werden Verletzungen schnell tödlich, da die Unterkühlung die Heilungskräfte des Körpers schwächt.
„Die Kälte ist ein sehr heimtückischer Feind“, sagt Nastja, eine Sanitäterin der Brigade Da Vinci Wölfe und berichtet von vielen Erfrierungen an den Gliedmaßen. „Die Verletzten sterben nicht nur an Granatsplittern und Kugeln – sie sterben auch an der Kälte, sie ist wie ein dunkler Begleiter.“
Das Training der Soldaten geht auch im Winter weiter. Der Ausbilder schreit die Soldaten an, während sie durch den tiefen Schnee rennen, Eisschichten bersten unter ihren Stiefeln. Sobald die Infanterie bei solchem Wetter aus Deckung komme, werde sie „buchstäblich vernichtet“, sagt der 31-jähriger Infanterist Koleso. „Man kann sich einfach nirgendwo verstecken.“ Trotz aller Risiken gebe es keine andere Möglichkeit, als weiter zu kämpfen, sagte Nasarij von der Drohnen-Brigade. „Wir sind im Krieg. Wir arbeiten bei jedem Wetter.“
Source: n-tv.de