Eiermangel zu Ostern: Legen am Limit

Wo hat der Osterhase die Eier versteckt? Sie liegen
jedenfalls nicht mehr, wo man sie normalerweise findet: in den Regalen der
Supermärkte. Mal gibt es in einem Berliner Edeka keine Bio-Eier mehr. Mal bei
einem Rewe nur noch solche der niedrigsten Haltungsstufe, und einige in den
Kartons waren sogar beschädigt. Offenbar kein Ei-nzelfall, hoho! Der
Bundesverband Ei warnte schon in der vergangenen Woche vor österlichem
Eiermangel
.

Krise, Notstand allerorten. Die Benzinpreise steigen und die
Mieten, jetzt werden womöglich noch die Eier teurer. Man kann nur hoffen, dass das Thema bis Ostern nicht weiter hochkocht und sich danach selbst erledigt. Sonst
fordert bestimmt noch jemand eine Eierpreisbremse oder eine Höchstabgabemenge.
Woraufhin über Gerechtigkeit gesprochen werden würde, weil manche Menschen
schließlich auf einen höheren Eierkonsum angewiesen sind, etwa wegen ihrer
bewusst proteinreichen Ernährung. Über die korrekte Zuteilung müsste eine noch
einzurichtende Behörde entscheiden.

Dafür fehlt angesichts der nahenden Ostertage die Zeit. Die
Dinge werden sich so regeln. Und während das passiert, kann der Mensch vom Huhn
etwas lernen. Über Wirtschaft.

Durch härtere Arbeit lässt sich das Problem vermutlich nicht
lösen. Wird ja auch anderswo gern gefordert, Stichwort weniger
Work-Life-Balance und mehr harte Arbeit und so. Wir müssen alle mehr geben.
Beziehungsweise: legen.

Schwierig. Zumindest im Inland sind die Legehennenbestände kleiner
geworden, wie das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft kürzlich mitteilte.
Die Workforce schrumpft also. Dafür steigt
die Performance der verbliebenen Hühner. Die Durchschnittshenne legte 2025
exakt 299 Eier und damit vier Eier mehr als im Jahr zuvor. Das entspricht zwar
nur einem verschwindend geringen Produktivitätswachstum von gut einem Prozent,
ist aber angesichts der Tatsache, dass ein wild lebendes Huhn gerade mal 20
Eier im Jahre legt
,
vielleicht zu entschuldigen. Viel mehr wird man aus den armen Tieren beim besten
Willen nicht herausholen können. Würden viele von ihnen ihr Dasein nicht auf beengtem
Raum fristen, müsste man ihnen umgehend bestätigen, schon längst die Extrameile
zu gehen.

Fun fact: Ähnlich wie bei menschlichen Arbeitnehmern, denen ihre
Chefs mehr und mehr Arbeit aufdrücken, steigt auch bei überlasteten Legehennen
der Krankenstand. Hier sind es Burn-out und psychische Leiden, dort sind es Vogelgrippe
und neue Krankheiten wie die Newcastle Disease, die spürbar zunehmen. Dieses Problem
löst man üblicherweise schnell und unbürokratisch, zuletzt in einem Stall im Südharz,
in dem im Herbst vergangenen Jahren 40.000 infizierte Tiere getötet wurden. Das
vermeidet steigende Gesundheitskosten, was manche „Strengt euch mehr
an!“-Predigder womöglich inspirierend finden, reduziert allerdings zugleich die
Hühner-Workforce und verstärkt das Versorgungsproblem – laut dem Bundesverband Ei ist das übrigens ein Grund für den aktuellen Eiermangel. 

Lindern ließe sich das natürlich durch Konsumverzicht. Dummerweise
steigt der Konsum gegenwärtig, was den Eiermangel nach Angaben des Verbands ebenfalls verschärft. Pro Kopf verzehrte jeder Deutsche im vergangenen
Jahr 252 Eier. Das waren vier mehr als zuvor. Jene vier Eier also, die sich das
Durchschnittshuhn zusätzlich aus dem geschundenen Leib presste, wurden vom
Durchschnittsdeutschen umgehend wieder vertilgt. Als Gründe nennt das
Bundesinformationszentrum Landwirtschaft unter anderem den Proteinboom der jüngsten
Vergangenheit. Wer hätte das gedacht? Schließlich heißt Protein
umgangssprachlich Eiweiß. Da steckt ein Teil der Erklärung schon im Wort. Mehr
Muskeln, weniger Eier. Wer hier zwingend aufbauen will, baut da eben
zwangsläufig ab. Und sei es beim Regalfüllstand von Edeka.

Wer mag, kann sich selbst helfen. Private Geflügelhaltung ist
eine Alternative, man sollte sich aber keine Illusionen machen. Ein Garten ist
hilfreich, wenn nicht gar Voraussetzung. Der Anspruch an Blumenbeete sollte
niedrig sein, denn Hühner scharren gern. Und sie machen Dreck. Wer geruchsempfindliche
Nachbarn hat, stellt sich besser auf Konflikte ein. Dafür sind Hühner recht
unterhaltsam und in ihrem Sozialverhalten spannender zu beobachten als die
meisten Social-Media-Feeds. Ach so, und Eier liefern sie auch. Darum ging es
ja.

Wohnungsbesitzer sind schlechter dran. Scharren und Kacken
verträgt sich schlecht mit Parkett. Der Markt hat hier leider auch keine echte
Lösung parat. Um 2018 hatte das US-Start-up Pampered Poultry mal versucht,
zumindest das Fäkalienproblem durch den Verkauf waschbarer Hühnerwindeln zu adressieren.
Seit einigen Jahren sind aber keine aktuellen Informationen über das
Unternehmen mehr verfügbar. Auf Amazon („Wir bieten hochwertige Mode für Ihr
Geflügel“) sind noch vereinzelte Produkte inseriert, scheinen aber nicht lieferbar zu sein. Wahrscheinlich
ist der Markt für Hühnerwindeln kleiner als gedacht.
Beziehungsweise: ist Nutztierhaltung in Geschosswohnungen grundsätzlich eine blöde
Idee.

Man wird also, Ostern hin oder her, mit Knappheiten leben müssen.
Es empfiehlt sich eine gewisse Lässigkeit. Und Flexibilität. Beim Backen lassen
sich Eier ersetzen, die Tierschützer von Peta empfehlen unter anderem Apfelmus, Kürbispüree und Kirchenerbenwasser. Anderswo ist es schwieriger. Kinder dürften enttäuscht sein, wenn der Osterhase
statt Eiern einen veganen Ersatz versteckt. Aber mit genügend Schokolade wird
man sie (und sich selbst) sicherlich ablenken können, bis die Feiertage vorbei sind.

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