Ehemaliger Zentralbankchef: Karlspreis 2026 geht an Mario Draghi

Mit dem Karlspreis wird in diesem Jahr Mario Draghi ausgezeichnet. Das teilte das Karlspreis-Direktorium in Aachen mit. Draghi war italienischer Ministerpräsident und langjähriger Vorsitzender der Europäischen Zentralbank. Draghi habe mit seiner Ankündigung „Whatever it takes“ („Koste es, was es wolle“) in einer „dramatischen Situation den Euro gerettet und den europäischen Binnenmarkt und die Währungsunion vor dem Scheitern bewahrt, sagte der Vorsitzende des Karlspreisdirektoriums, Armin Laschet, zur Begründung. 

Zudem habe der Italiener mit dem Draghi-Report von 2024 Vorschläge zur wirtschaftlichen Erneuerung Europas vorgelegt, sagte Laschet. Draghi habe als Wissenschaftler, Manager, EZB-Präsident und
italienischer Ministerpräsident europäische Visionen entwickelt. Die
Entscheidung für Draghi sei auch ein Appell an die europäischen
Regierungen, beim Thema Wettbewerbsfähigkeit nicht im „Kleinklein“ zu
verharren.

Europa hat laut Draghi „mehr Feinde denn je“

Europa dürfe nicht zum „Spielball externer Mächte“ werden, mahnte Laschet. Die Welt sei unruhiger geworden und warte nicht darauf, ob sich Europa sortiere. Neben der Verteidigungsfähigkeit sei die Wettbewerbsfähigkeit die entscheidende Frage des Jahres 2026. Europa brauche die finanzielle, technologische und industrielle Basis, um seine Sicherheit zu garantieren, seinen Wohlstand zu erhalten und politisch eigenständig zu sein.

Draghi zeigte sich in einer Videobotschaft „äußerst dankbar“ für die Auszeichnung. Die Entscheidung komme zu einer Zeit, in der Europa „viele Feinde“ habe – „vielleicht mehr denn je, sowohl innere als auch äußere“, sagte der 78-Jährige. Um die Europäische Union zu bewahren, müssten die Europäer enger zusammenstehen. „Wir müssen unsere selbst verschuldeten Schwächen überwinden. Und wir müssen stärker werden: militärisch, wirtschaftlich und politisch.“

Draghi-Bericht fordert umfassende Investitionen in Europa

Draghi wurde vor allem durch seinen Auftritt auf dem Höhepunkt der Eurokrise bekannt. Am 26. Juli 2012 sagte er auf einer Investorenkonferenz in London, die EZB sei bereit, alles Notwendige zu tun, um den Euro zu erhalten. Die Ankündigung beruhigte die Finanzmärkte nachhaltig, die Zinsen für südeuropäische Staatsanleihen sanken deutlich. 

Im September 2024 legte Draghi im Auftrag von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen einen mehr als 300 Seiten umfassenden Bericht (PDF) zur Wettbewerbsfähigkeit Europas vor. Darin identifiziert er technologische Rückstände gegenüber den USA und China, hohe Energiekosten und demografische Alterung als zentrale Herausforderungen. Um den Anschluss wiederherzustellen, fordert Draghi jährliche Investitionen von 750 bis 800 Milliarden Euro, teils finanziert durch neue gemeinsame EU-Schulden. Die Empfehlungen flossen in die politischen Leitlinien der neuen EU-Kommission ein.

Karlspreis wird seit 1950 jährlich verliehen

Der Internationale Karlspreis zu Aachen gilt als älteste und bekannteste Auszeichnung für Verdienste um die europäische Einigung. Seit 1950 ehrt die Karlspreisgesellschaft Persönlichkeiten oder Institutionen, die sich für den europäischen Zusammenhalt eingesetzt haben. Der Preis ist nach Karl dem Großen benannt, der als Symbol für ein geeintes Europa gilt und Aachen um das Jahr 800 zu seiner Hauptresidenz machte. Die Verleihung findet traditionell an Christi Himmelfahrt im Krönungssaal des historischen Aachener Rathauses statt.

Zu den Preisträgern der vergangenen Jahre zählen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (2025), Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt und die jüdischen Gemeinschaften in Europa (2024) sowie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und das ukrainische Volk (2023). Frühere Ausgezeichnete waren unter anderem Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der damalige US-Präsident Bill Clinton, Papst Franziskus sowie Konrad Adenauer und Winston Churchill.

Seit 2025 ist der Karlspreis erstmals mit einem Preisgeld von einer Million Euro dotiert, das für gemeinnützige und proeuropäische Projekte verwendet werden soll. 

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