„Egal, welches passiert“? Trumps vollmundiger Sicherheitsplan pro den Welthandel – und seine Tücken

Die USA wollen Schiffe im Persischen Golf mittels staatlicher Risikoversicherung schützen – und mit der Marine. Die beauftragte Stelle für die Policen gründete US-Präsident Donald Trump einst selbst. Experten bezweifeln, ob das Vorhaben gelingt.

Weniger als 24 Stunden nach der Ankündigung zeigte sich, wie heikel das gesamte Vorhaben ist. Noch am Dienstag sagte US-Präsident Donald Trump, er werde den gesamten Schiffsverkehr durch die strategisch bedeutsame Straße von Hormus mit finanziellen Garantien absichern und notfalls von Kriegsschiffen begleiten lassen – nachdem der Iran angedroht hatte, jedes Schiff zu beschießen, das die Durchfahrt antrete.

Gegen späten Nachmittag am Mittwoch dann: Schüsse auf ein beladenes Frachtschiff. Die „Saafen Prestige“, ein Containerschiff, das unter der Flagge Maltas fährt und das saudi-arabische Jeddah ansteuerte, wurde laut der britischen Behörde für maritime Sicherheit (UKMTO) in Höhe des Maschinenraums getroffen. Der Beschuss der iranischen Streitkräfte löste demnach einen Brand im Maschinenraum aus, das Schiff hatte rund 1800 Container geladen.

Zuvor erklärten der Iran, man habe die „vollständige Kontrolle“ über den strategisch enorm wichtigen Wasserweg. Der Verkehr kam seit Beginn der Woche weitgehend zum Erliegen, was Börsenkurse fallen und Benzinpreise steigen ließ. Auch die chinesische Reederei Cosco stellte ihren Fahrten durch die Straße von Hormus vorerst ein – China gilt als einer der wichtigsten Verbündeten des Irans. Das Land bezieht mehr als 40 Prozent seines Ölbedarfs aus dem Iran, umgekehrt liefert der Iran fast 90 Prozent seines Öls nach China.

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Hunderte Frachter und Tanker liegen nun fest, zehntausende Seeleute müssen an Bord der Schiffe ausharren, ohne, dass sich eine Lösung andeutet. Große Kriegsrisikoversicherer haben ihre Policen für Fahrten durch die Region schlagartig gekündigt, als die Lage im Iran eskalierte. Gleichzeitig schießen seit einigen Tagen die Preise für Brent-Öl und Flüssiggas nach oben, weil etwa ein Fünftel des weltweit gehandelten Öl- und LNG-Volumens normalerweise durch die rund 34 Kilometer breite Meerenge fließt.

US-Präsident Trump will nun eine Lösung gefunden haben. „Egal, was passiert, die Vereinigten Staaten werden den FREIEN FLUSS von ENERGIE in die WELT sicherstellen“, kündigte er an. „Falls erforderlich, wird die US-Marine so bald wie möglich damit beginnen, Tanker durch die Straße von Hormus zu eskortieren“, schrieb er auf Truth Social. Zudem habe er die United States Development Finance Corporation (DFC) angewiesen, staatliche politische Risikoversicherungen und Finanzgarantien für maritime Transporte anzubieten, vor allem für Energielieferungen durch die Region.

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Die DFC mit Sitz in Washington D.C. ist eine Art staatliche Entwicklungsbank, die in Trumps erster Amtszeit durch den BUILD Act geschaffen wurde und seither private Investitionen in Schwellenländern absichert. Durch die neue Aufgabe soll sie faktisch als Kriegsversicherer für einen der gefährlichsten Seewege der Welt auftreten. Trump verspricht Reedereien eine Deckung „zu einem sehr vernünftigen Preis“. Details zu Prämien und Haftungsobergrenzen nennt das Weiße Haus jedoch nicht. Politische Risikoversicherungen werden üblicherweise auf Basis regionaler Gefährdung berechnet – und im Persischen Golf sind diese Raten wegen der aktuellen Gefechte explosionsartig gestiegen.

Preise dürften weiter steigen

Unklar ist zudem, wie weit der Schutzschirm der USA überhaupt reichen wird. Trump schrieb in seinem Post von Sicherheitsgarantien der DFC für den „GESAMTEN maritimen Handel, insbesondere Energie“, die bald für „alle Redereien“ verfügbar seien. Sein eigener Finanzminister, Scott Bessent, ruderte noch am Mittwoch zurück. Dem Sender CNBC sagt er, dass die DFC die Versicherung für die Rohöltanker und Frachtschiffe übernehmen wolle und kündigte „weitere Maßnahmen“ an. Von Militäreinsätzen hingegen sprach er nicht.

Klar ist: Ob Militärschutz oder nicht – die Versicherung für Schiffe dürfte teuer werden, als bisher. Und das dürfte aller Voraussicht nach die Preise für die Waren- und Energielieferungen auf den Schiffen erhöhen. „Aufgrund dieser sich schnell entwickelnden Lage erhöhen die Versicherer ihre Prämien oder lehnen es in einigen Fällen für Schiffe, die die Straße von Hormus passieren, sogar ab, derzeit Konditionen anzubieten“, so David Smith, Leiter des Schiffsversicherungsmaklers McGill and Partners gegenüber dem Sender Al Jazeera. Die gestiegenen Prämien für Risikoversicherungen, an denen sich auch die DFC orientieren dürfte, könnten zusätzliche Kosten in Höhe von Hunderttausenden von Dollar für jede einzelne Lieferung beuten, warnt Smith.

Der heftige Beschuss der „Saafen Prestige“ zeigt zudem: Die staatliche Absicherung des Schiffsverkehrs vonseiten der Amerikaner bleibt bislang nur eine Absichtsbekundung, Reedereien können mit den Äußerungen Trumps wenig anfangen. Sollten die USA tatsächlich aus staatlichen Mitteln Garantien übernehmen, würde dies den US-Haushalt in die Pflicht nehmen: Schäden an Schiffen, Ladungen oder Umweltschäden können bei einem einzelnen schweren Vorfall unter Umständen mehrere hundert Millionen Dollar erreichen – Summen also, die im Einzelfall zunächst überschaubar bleiben.

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Heikler sind die Ausgaben für die Kosten potenzieller US-Marineeinsätze: Der laufende Betrieb eines Zerstörers oder Flugzeugträgers, inklusive Personal, Treibstoff und Munition, summiert sich schnell auf Zehn- bis Hunderte Millionen Dollar pro Schiff – je nach Dauer und Intensität des Einsatzes. Und bis letzte Woche fuhren allein um die 80 Containerschiffe durch die Straße von Hormus – jeden Tag.

Trumps Ankündigungen seien daher „wahrscheinlich eher ein Konzept als ein ausgearbeiteter Plan“, sagt Helima Croft, ehemalige CIA-Mitarbeiterin und nun Analystin bei RBC Capital Markets. Croft weist gegenüber der „Financial Times“ darauf hin, dass ein solcher Schutz militärisch und logistisch nicht kurzfristig realisierbar sei. Operational durchdacht sei das Ganze eher nicht.

Auch Josh Tallis vom Forschungsinstitut vom Center for Naval Analyses in Virginia bewertet die Situation kritisch. Es sei „unwahrscheinlich, dass die US-Marine kommerzielle Schiffe innerhalb der nächsten sieben bis zehn Tage effektiv schützen könnte“, so Tallis gegenüber der „Times“. Aus dem simplen Grund, dass viele der amerikanischen Schiffe aktuell in den Angriffen auf den Iran gebunden seien und gar nicht zur Verfügung stehen und ein Großteil der restliche Flotte im Pazifik liegt.

Auch die Flottenchefin von Deutschlands größter Reederei Hapag-Lloyd, Silke Lehmköster, glaubt nicht an einen schnellen militärischen Schutz von Handelsschiffen. „Die Hoffnung ist groß, aber unsere Erwartung ist relativ gering“, sagte Lehmköster dem „Spiegel“. Die Marineschiffe seien angesichts des Krieges „mit anderen Dingen beschäftigt, anstatt uns Geleitschutz zu geben“. Es bräuchte überall ein Marineschiff, wo auch nur ein Handelsschiff ist, so die Kapitänin. „Wenn man das auf die Anzahl der Schiffe im Persischen Golf hochskaliert, merkt man schnell, dass das schwierig ist.“

Bei Historikern wiederum erwecken die Ereignisse Erinnerungen an frühere Operationen im Golf, etwa der „Tankerkrieg“-Phase des Iran-Irak-Krieges in den Achtzigerjahren. Schon damals verschlang der Schutz ziviler Schiffe Milliardenbeträge pro Jahr. Eine viel zitierte Studie des Energieökonomen Roger Stern schätzt, dass die USA zwischen 1976 und 2007 rund acht Billionen Dollar für die militärische Sicherung des Ölflusses aus dem Golf aufgewendet haben.

Die Auswirkungen des Krieges auf die Preise sind ein heikles Thema für Trump. Umfragen sehen die „Affordability Crisis“ mittlerweile als Thema Nummer Eins der Sorgen, die die Amerikaner umtreiben. „Ab Tag eins meiner Präsidentschaft sinken die Preise“, versprach der Kandidat Trump dem Volk vor der Wahl. Nach mehr als einem Jahr im Amt jedoch zeigt sich: Die Preise für die meisten Lebensmittel, Kosmetika, aber auch Gesundheitsdienstleistungen und Restaurantbesuche steigen weiter, anstatt zu sinken – auch infolge der grobschlächtigen Zoll-Politik.

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Die Benzinpreise hingegen sind eine der wenigen Ausnahmen. Kein Wunder, dass Trump bisher keine Gelegenheit ausließ, die deutlich gesunkenen Spritpreise als persönliche Erfolgsgeschichte zu verkaufen. Zwar sind die USA selbst ein großer Ölproduzent. Doch rund ein Drittel des Kraftstoffs wird importiert.

Obwohl nur ein geringer Teil davon aus dem Nahen Osten kommt, zeigen sich bereits Effekte an der Zapfsäule. So ist der durchschnittliche Benzinpreis in den USA erstmals seit November wieder über die psychologisch wichtige Marke von drei Dollar pro Gallone (etwa 0,68 Euro pro Liter) gestiegen. Experten erwarten einen noch deutlich höheren Anstieg.

„Benzinpreise haben eine enorme psychologische Wirkung“, so Mark Malek, Chefanlagestratege beim Broker Siebert Financial gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. „Das ist der Preis, an dem die Verbraucher die Inflation jeden Tag ablesen.“ Für Trump birgt die Entwicklung politischen Sprengstoff: Steigende Spritpreise in Kombination mit höheren Energiekosten und gestörten Lieferketten – beides Preistreiber – drücken in den USA auf die Wählerstimmung und könnten die Chancen der Republikaner bei den Kongresswahlen im November schmälern.

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.

Jan Klauth ist US-Korrespondent mit Sitz in New York.

Source: welt.de

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